Wojciech Michałek

Burnout – Depression der Fleißigen, Helfenden, Leistungsorientierten, Strebenden, Gewissenhaften?

Inhalte
• Was ist Burnout?
• Warum kommt es dazu?
• Burnout und Depression: Falle der Leistung-warum ist es nicht so leicht, es zu überwinden?
• Botschaft des Burnouts

  1. Was ist Burnout?

Burnout – das innere Feuer ist aus

Menschen, die von einem Burnout-Zustand sprechen, berichten oft davon, dass sie langsam nicht mehr können, nicht mehr so produktiv sind wie früher, Antrieb und Motivation fehlen ihnen. Alles wird langsam anstrengender und bringt nicht mehr so viel Freude wie früher. Vor dem Burnout war es oft anders. Als ob man innerlich ein Feuer gehabt hätte – eine Lebenskraft, wodurch man auch viel machen konnte.

Und nun spürt man bei Burnout: Dieses innere Feuer geht langsam aus (das, was brannte, geht aus = Burnout).

Warum……?

Woher Burnout?

a)
Man könnte sich fragen: Was muss ich im eigenen Leben tun, damit mir innerlich warm ist, damit mein inneres Feuer weiterbrennt, damit man nicht ausbrennt?
Was können echte Kohle und Holz sein, durch die es in meinem Leben wärmer wird? Viele denken oft an Freundschaften, gute Beziehungen, Erholung, Zeit für das, was wirklich Freude bereitet – oder etwas anderes.
Wie oft wird derartiges Holz ins Feuer gelegt? Wenn selten: Warum? Was hindert daran?

b)
Oder vielleicht merkt man, dass das, was ursprünglich den Anschein hatte, ein guter, großer Brennstoff für das innere Feuer zu sein – Leistung, Fleiß, Gewissenhaftigkeit, Zielstrebigkeit usw. – es in Wirklichkeit gar nicht ist. Hatte man die Hoffnung, dass dies gute Brennstoffe seien, die am Ende aber eher zum Ausbrennen beitragen?

Als würde man ein großes Stück Kohle ins Feuer werfen, das nicht zu brennen beginnt, sondern das Feuer löscht.

Bedeutet das, dass Fleiß, Gewissenhaftigkeit usw. gar nicht mehr verwendet werden sollen? Oder eher, dass man anders mit ihnen umgehen, sie gewissermaßen umformen muss, damit sie nicht in den Burnout führen?

c)
Oder vielleicht war es nicht so, sondern das Feuer brannte lange Zeit ganz gut, und dann ist plötzlich etwas passiert – wie ein Eimer Wasser – wodurch es deutlich schwächer wurde und langsam ausbrannte.

Die Ursachen können oft vielfältig sein. Durch den Burnout kommt man zum Nachdenken, was wirklich das Leben warm machen kann…

Burnout und Depression: Falle der Leistung-warum ist es nicht so leicht, es zu überwinden?

Wenn man die Beschreibung dessen betrachtet, was oft unter dem Begriff Burnout verstanden wird – also Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Passivität, Traurigkeit, Interessenverlust, Konzentrationsschwierigkeiten oder Schlafstörungen – dann überschneidet sich das häufig mit klinischen Kriterien einer depressiven Episode.

Warum spricht man dann lieber von Burnout als von Depression?

Bei beiden Begriffen geht es einerseits um einen ähnlichen Zustand, andererseits liegt der Fokus jeweils auf etwas anderem.

Mit dem Begriff „Burnout“ schwingt oft eine Haltung mit, die Arbeit, Leistung und Fleiß würdigt und anerkennt – im Sinne von: Mein Zustand ist durch schwere Arbeit verursacht und nicht einfach so. Es gibt einen wichtigen Grund dafür. Könnte dieser Zustand aber gerade daher kommen, dass Fleiß, Gewissenhaftigkeit und Eigenständigkeit innerlich zu stark gepriesen wurden?

Bei der Bezeichnung Depression wiederum muss nicht unbedingt klar werden, welche Ursache dahintersteht. Sie macht aber deutlicher, dass man Hilfe braucht, dass man sich in einem Zustand befindet, in dem Unterstützung nötig ist, in dem man bedürftig ist.

Einerseits kann Hilfe zu benötigen bei Menschen, die unter Burnout leiden, oft mit vielen weiteren inneren negativen Erlebnissen verbunden sein: Es bedeutet, Grenzen zu haben, aktuell nicht mehr so viel leisten zu können. Es kann Angst wecken, nicht mehr anerkannt zu werden oder nicht mehr als gut wahrgenommen zu werden.

Manchmal kann dieser Zustand fälschlicherweise als Fehlerhaftigkeit oder Schwäche erlebt werden – statt als ein Hinweis auf die Grenzen und Bedürfnisse, die jeder Mensch hat und haben darf.

Andererseits erlaubt der Begriff Burnout, weiterhin an etwas festzuhalten, was für den Menschen einen großen Wert hat: an Arbeit, Leistung, Erfolg, Engagement (z. B. durch Helfen). Gleichzeitig ist es oft genau dieses Festhalten, das dazu führt bzw. stark dazu beiträgt, dass man langsam nicht mehr kann, dass man ausbrennt. Nun können Gedanken kommen, dass es dann leicht nicht mehr ist, daran festzuhalten.

Hier ist  eben die Falle:

Es ist ganz schwierig, nicht mehr an dem festzuhalten, was bis dahin einen hohen Wert hatte und oft stark mit dem eigenen Selbstwertgefühl verbunden war – im Sinne von: Wenn ich leiste, fühle ich mich wertvoller. Es loszulassen, bedeutet oft, der Angst und schrecklichen Erlebnissen ausgeliefert zu werden: nicht mehr geschätzt zu werden, nicht mehr als gute Person erlebt zu werden oder mit den eigenen Bedürfnissen nicht ernst genommen zu werden.

Wenn man beim Bild des Feuers bleibt, könnte man sagen: Das, was möglicherweise eigentlich gutes Holz wäre – etwa die Pflege von Beziehungen, das Achten auf Erholung oder das Ernstnehmen eigener Bedürfnisse – wird innerlich manchmal so erlebt, als ob in diesem Holz ein Sprengstoff verborgen wäre, der mehr Schaden als Gutes bringt.

Zum Beispiel kann beim Setzen von Grenzen in der Arbeit – sei es bei der Absage von Überstunden, weil man normale Erholung braucht – die Angst entstehen, nicht mehr als guter Mitarbeiter erlebt zu werden oder nicht mehr anerkannt zu sein. Obwohl das Holz der Erholung gut aussieht, spürt man innerlich in ihm den Sprengstoff – wie Angst vor Ablehnung, nicht geschätzt zu werden.

So als ob man in einer Falle wäre?

Wenn man sich erlauben würde, weniger zu leisten oder sich weniger zu engagieren, können diese Ängste aktiviert werden. Wenn man es aber nicht tut, kommt es zur Erschöpfung.

Burnout-Hilfe

Psychotherapeutisch spricht man bei einer solchen inneren Lage – in der man spürt, dass es keine richtige Lösung gibt – oft von einem inneren Konflikt, der bei genauerer Analyse doch verstanden und bearbeitet werden kann, aus der Falle kann man dann rauskommen.

Manchmal ist der erste Schritt Richtung Ausweg aus dieser Falle, überhaupt zu sehen, wie sehr man selbst leidet und ein Mitgefühl zu sich selbst zu entwickeln.

Manchmal kann dabei auch professionelle Hilfe notwendig sein, weil bestimmte innere Mechanismen und Schemata allein nur schwer zu verändern sind.

Obwohl der Zustand von Burnout sehr belastend ist, kann er aber auch als eine Chance erlebt werden, wenn man seine Botschaft hört:

„Schau: Allein durch Leistung und Engagement wird es dir nicht gut gehen, dies kann dich sogar erschöpfen. Suche nach dem, was Dein Feuer wirklich brennen lässt.“

Autor: Mag. Wojciech Michalek, Psychotherapeut, Familien- und Lebensberater

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