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	<title>Psychotherapie &amp; Beratung</title>
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	<description>Psychotherapie Online</description>
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		<title>Psychische Mechanismen bei niedrigem Selbstwertgefühl: Wenn das, was ursprünglich schützt, später zur Falle wird</title>
		<link>https://psychotherapie-michalek.de/selbstwertgefuehl-schutzmechanismen-leistung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Wojciech Michalek]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 30 Oct 2026 12:48:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Selbstwertgefühl]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Teil 4 der Beitragsreihe zum Selbstwertgefühl: Warum Schutzmechanismen wie Leistung und Perfektionismus ein niedriges Selbstwertgefühl langfristig aufrechterhalten können – mit einer Reflexionsübung, die hilft, den eigenen Bedürfnissen, Wünschen und Grenzen wieder Raum zu geben.</p>
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									<p style="text-align:center;font-size:13px;letter-spacing:.06em;text-transform:uppercase;color:#7A7A7A;margin-bottom:6px;">Teil 4 · Beitragsreihe zum Selbstwertgefühl</p><h2 style="text-align:center;">Psychische Mechanismen bei niedrigem Selbstwertgefühl: Wenn das, was ursprünglich schützt, später zur Falle wird</h2>								</div>
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									<p style="font-size:14px;"><a href="/kategorie/selbstwertgefuehl/">← Zur Übersicht: Selbstwertgefühl verstehen, aufbauen und stärken</a></p>
<p><strong>Inhalte dieses Beitrags</strong></p><ul><li><strong>Wie entstehen psychische Schutzmechanismen bei niedrigem Selbstwertgefühl?</strong></li><li><strong>Wie das von außen Verzerrte im Inneren zur Wahrheit wird</strong></li><li><strong>Wenn Leistung zu einem inneren Schutzmechanismus wird</strong></li><li><strong>Wenn das, was ursprünglich schützt, später zur Falle wird – eine Krise als Chance?</strong></li><li><strong>Reflexionsübung: Den eigenen Bedürfnissen, Wünschen und Grenzen wieder Raum geben</strong></li></ul>
<p>Die Arbeit am Selbstwertgefühl ist vielschichtig. Das bedeutet, dass es leider keine einfache und schnelle Zaubermethode gibt, mit der man sein Selbstwertgefühl innerhalb kurzer Zeit aufbauen oder stärken kann.</p>
<p>In den bisherigen drei Beiträgen dieser Reihe haben wir bereits verschiedene Aspekte kennengelernt, die bei der Arbeit am Selbstwertgefühl hilfreich sein können.</p>
<ul><li><strong><a href="/bin-ich-wirklich-so-selbstwahrnehmung/">Im ersten Beitrag</a></strong> ging es darum, wie starke Emotionen unsere Wahrnehmung beeinflussen können und warum es bei einem niedrigen oder instabilen Selbstwertgefühl manchmal schwierig ist, sich selbst realistisch wahrzunehmen und die eigene Wahrnehmung zu überprüfen.</li><li><strong><a href="/niedriges-selbstwertgefuehl-ursachen/">Im zweiten Beitrag</a></strong> haben wir uns damit beschäftigt, welche Ursachen hinter einem niedrigen Selbstwertgefühl stehen können. Dabei ging es besonders um frühere emotionale Erfahrungen, die Entwicklung eines inneren Kritikers beziehungsweise „inneren Verfolgers“ und die damit verbundenen Schutzmechanismen.</li><li><strong><a href="/selbstwertgefuehl-uebung-selbstwahrnehmung/">Im dritten Beitrag</a></strong> wurde eine praktische Übung vorgestellt, die dabei helfen kann, die eigene Person breiter, differenzierter und realistischer wahrzunehmen.</li></ul>
<p>Nun kommen wir zu einem weiteren wichtigen Bereich bei der Arbeit am Selbstwertgefühl: dem genaueren Verständnis bestimmter psychischer Schutzmechanismen, die mit der Zeit wie eine Falle wirken können.</p>
<p>Einerseits können solche Mechanismen helfen, das schmerzhafte Erleben eines niedrigen Selbstwertgefühls kurzfristig zu lindern. Andererseits können sie langfristig gleichzeitig dazu beitragen, dass das niedrige Selbstwertgefühl bestehen bleibt oder sogar verstärkt wird.</p>
<p>Das erscheint zunächst etwas paradox: Etwas, das uns vor unangenehmen Gefühlen schützt, kann gleichzeitig dazu beitragen, dass diese Gefühle weiterhin bestehen bleiben oder immer wieder aktiviert werden.</p>
<p>Wie das möglich ist, möchte ich in diesem Beitrag anhand eines Beispiels genauer erklären.</p>
<div style="background:#EAF6FB;border-left:4px solid #89CFF0;border-radius:10px;padding:18px 22px;margin:8px 0 18px;"><p style="margin:0;"><strong>Hinweis:</strong> Hier wird nur einer dieser möglichen Mechanismen dargestellt. Tatsächlich gibt es viele unterschiedliche psychische Mechanismen, die bei einem niedrigen oder instabilen Selbstwertgefühl eine Rolle spielen können.</p></div>
<h2>Wie sich Schutzmechanismen entwickeln</h2>
<p>Wie bereits im <a href="/niedriges-selbstwertgefuehl-ursachen/">zweiten Beitrag</a> besprochen wurde, kann ein niedriges Selbstwertgefühl stark mit innerlich gespeicherten, emotional belastenden Erfahrungen aus der Vergangenheit verbunden sein.</p>
<p>Metaphorisch könnte man sagen, dass sich diese emotionalen Erfahrungen in eine innere Gestalt verwandeln, die man als „inneren Kritiker“ oder „inneren Verfolger“ bezeichnen könnte.</p>
<p>Psychisch kann sich dieser innere Kritiker darin zeigen, dass man sich – je nach Ausprägung – häufig oder immer wieder in einem schlechten, nicht realistischen Bild sieht.</p>
<p>Es ist, als würde der innere Kritiker einem immer wieder einen Spiegel vorhalten, in dem die eigene Person in einem schlechten Licht erscheint.</p>
<p>Ein psychischer Zustand, in dem man sich dauerhaft schlecht erlebt, ist kaum auszuhalten. Deshalb versucht die Psyche, einen Weg zu finden, damit umzugehen – es entwickeln sich Schutzmechanismen.</p>
<h3>Ein Beispiel: Martin</h3>
<p>Stellen wir uns ein Kind – Martin – vor, das von seinem Vater sehr häufig Sätze hört wie:</p>
<p><em>„Du machst zu wenig.“</em></p>
<p><em>„Das, was du machst, ist wenig wert.“</em></p>
<p><em>„Du bemühst dich überhaupt nicht.“</em></p>
<p>Oder noch stärker:</p>
<p><em>„Aus dir wird nichts.“</em></p>
<p>Tatsächlich bemüht sich das Kind jedoch und versucht, bestimmte Dinge richtig zu machen.</p>
<p>Die Situation könnte also folgendermaßen aussehen:</p>
<p>Einerseits erlebt das Kind innerlich, dass es sich anstrengt und bemüht. Andererseits hört es von außen immer wieder, dass dies offenbar nicht ausreicht, dass seine Bemühungen zu wenig wert sind oder dass aus ihm nichts werden wird.</p>
<p>In einer anderen Situation bringt das Kind eine gute Note nach Hause. Nun hört es von seinem Vater:</p>
<p><em>„Das ist super! Das ist klasse! Du bist der Beste!“</em></p>
<p>Das Kind bemerkt außerdem, wie sein Vater einen Cousin lobt, der sehr hart arbeitet und viel Geld verdient. Dabei nimmt es wahr, wie stolz sein Vater auf diesen Cousin ist.</p>
<p>Im Erleben des Kindes könnte sich allmählich eine Vorstellung entwickeln wie:</p>
<p><strong><em>„Wenn ich keine richtigen Erfolge habe oder mich nicht noch mehr anstrenge, bin ich nichts wert. Wenn ich mich aber stärker bemühe und erfolgreich bin, werde ich anerkannt und gesehen.“</em></strong></p>
<h2>Das von außen Verzerrte wird im Inneren als Wahrheit gespeichert – zwei Faktoren</h2>
<p>Hier ist es wichtig, zwei Faktoren in der Situation des Kindes zu berücksichtigen.</p>
<h3>Der erste Faktor ist die Abhängigkeit des Kindes von seinen Eltern.</h3>
<p>Kinder sind von ihren Eltern abhängig. Besonders bei kleinen Kindern könnte man sogar sagen, dass ihr Überleben von den Eltern beziehungsweise ihren Bezugspersonen abhängt.</p>
<p>Um sich diese Abhängigkeit zumindest teilweise besser vorstellen zu können, kann man einen Vergleich mit einer Situation aus dem Erwachsenenleben ziehen.</p>
<p>Stellen wir uns einen Erwachsenen vor, der in einer Firma arbeitet, in der sein Chef sehr hohe Anforderungen stellt. Gleichzeitig weiß diese Person, dass es in der Umgebung keine andere Anstellungsmöglichkeit gibt. Sie ist also auf diese Arbeit angewiesen und würde ohne sie ihren Lebensunterhalt verlieren.</p>
<p>In einer solchen Situation kann sich ein Erwachsener gezwungen fühlen, sich den Anforderungen seines Chefs anzupassen, um seine Existenzgrundlage zu sichern.</p>
<p>Ähnlich ist sich ein Kind in gewisser Weise seiner Abhängigkeit von den eigenen Eltern bewusst.</p>
<h3>Der zweite Faktor ist die noch begrenzte Fähigkeit des Kindes, seine Erfahrungen kritisch einzuordnen.</h3>
<p>Je nach Alter ist die Fähigkeit des Kindes, die eigenen Erfahrungen kritisch zu betrachten und einzuordnen, noch nicht ausreichend entwickelt.</p>
<p>Das bedeutet, dass ein Kind möglicherweise noch nicht in der Lage ist, so zu denken:</p>
<p><em>„Ich habe mich tatsächlich bemüht und angestrengt. Mein Vater sieht das aber nicht richtig. Vielleicht hat er zu hohe Erwartungen an mich.“</em></p>
<p>Diese beiden Umstände – die starke Abhängigkeit von den Eltern und die noch begrenzte Fähigkeit zur kritischen Einordnung der eigenen Erfahrungen – können dazu beitragen, dass das Kind die von außen kommenden negativen und kritischen Botschaften unbewusst übernimmt.</p>
<p>Diese Botschaften nicht zu akzeptieren, könnte für das Kind eine Bedrohung darstellen – vergleichbar mit der Bedrohung, die der beschriebene Arbeitnehmer beim möglichen Verlust seiner einzigen verfügbaren Arbeitsstelle erleben würde, möglicherweise sogar noch stärker.</p>
<h2>Wenn Leistung zu einem inneren Schutzmechanismus wird</h2>
<p>Um diese Bedrohung möglichst nicht mehr erleben oder spüren zu müssen, versucht das Kind, einen Weg zu finden, mit der Situation umzugehen.</p>
<p>Es könnte beispielsweise unbewusst die Botschaft des Vaters übernehmen:</p>
<p><em>„Ich muss viel leisten. Ich muss mehr arbeiten. Ich muss mich noch stärker bemühen.“</em></p>
<p>Auf diese Weise kann das Kind zunehmend leistungs- und arbeitsorientiert werden.</p>
<p>Wenn es sich besonders stark anstrengt und viel leistet, kann dies mindestens zwei psychische Vorteile haben:</p>
<p>Einerseits muss es das Gefühl der Bedrohung möglicherweise weniger stark erleben – sei es in Form eines emotionalen Erlebens von Wertlosigkeit, der Angst vor dem Verlust von Sicherheit oder der Angst vor Bestrafung.</p>
<p>Andererseits kann es durch seine Leistungen Lob und Anerkennung erfahren.</p>
<p>Das Kind erlebt also, dass sich Anstrengung und Leistung in gewisser Weise lohnen: Sie helfen ihm, sich weniger schlecht zu fühlen, und erhöhen gleichzeitig die Möglichkeit, von seinem Vater das Gefühl vermittelt zu bekommen, gesehen und anerkannt zu werden.</p>
<h3>Der Preis dieses Schutzmechanismus</h3>
<p>Was geschieht aber mit dem ursprünglichen, tatsächlichen Erleben des Kindes, mit seinem Gefühl:</p>
<p><em>„Ich habe mich doch schon angestrengt und bemüht“?</em></p>
<p>Oft wird dieses Erleben verdrängt oder heruntergespielt – als würde das Kind glauben, dass es sich in Wirklichkeit gar nicht angestrengt hat, oder als würde es seine eigenen Bemühungen ausblenden.</p>
<p>Dies kann dazu führen, dass es bestimmte eigene Bedürfnisse und Grenzen weniger wahrnimmt oder sogar verleugnet.</p>
<p>Dazu können beispielsweise das Bedürfnis nach Erholung, nach Spaß, nach Ruhe oder die eigenen Belastungsgrenzen gehören.</p>
<p>Denn wenn das Kind diese Bedürfnisse wahrnehmen und ihnen nachgehen würde, könnte dadurch wieder das schmerzhafte Erleben aktiviert werden:</p>
<p><em>„Ich bin nichts wert.“</em></p>
<p><em>„Ich tue zu wenig.“</em></p>
<p><em>„Ich werde nicht gesehen.“</em></p>
<p>Um dieses Erleben möglichst zu vermeiden, kann es deshalb versuchen, solche Bedürfnisse und Grenzen immer wieder zu übergehen.</p>
<p>Mit der Zeit kann sich dieser Mechanismus so stark innerlich verankern, dass er als etwas völlig Normales erlebt wird – gewissermaßen als eine innere Regel, nach der man lebt.</p>
<p>Diese Regel könnte lauten:</p>
<p><strong><em>„Ich muss leisten und mich anstrengen, um mich als wertvoll erleben zu können.“</em></strong></p>
<h2>Wenn dieser Schutzmechanismus im Erwachsenenleben weiterwirkt</h2>
<p>Stellen wir uns nun Martin als Erwachsenen vor.</p>
<p>Er hat vielleicht einen guten Beruf, arbeitet viel und hat in seinem Leben bereits einiges erreicht. Für seine Leistungen bekommt er möglicherweise Anerkennung und wird von anderen als fleißig und erfolgreich wahrgenommen.</p>
<p>Von außen betrachtet kann seine starke Leistungsorientierung deshalb sogar als etwas Positives erscheinen.</p>
<p>Innerlich kann jedoch weiterhin dieselbe Regel wirksam sein, die sich bereits in seiner Kindheit entwickelt hat.</p>
<p>Wenn Martin beispielsweise nach einem anstrengenden Arbeitstag müde ist und Erholung braucht, fällt es ihm möglicherweise schwer, sich diese Ruhe zu erlauben.</p>
<p>Einerseits spürt er, dass er erschöpft ist und eine Pause braucht. Andererseits kann bereits der Gedanke daran, weniger zu leisten oder sich auszuruhen, ein unangenehmes inneres Erleben aktivieren:</p>
<p><em>„Ich tue zu wenig.“</em></p>
<p><em>„Ich bemühe mich nicht genug.“</em></p>
<p><em>„Ich bin nicht gut genug.“</em></p>
<p>Um dieses schmerzhafte Erleben möglichst nicht spüren zu müssen, versucht Martin vielleicht, weiterhin viel zu arbeiten und sich noch mehr anzustrengen – obwohl er eigentlich Erholung braucht.</p>
<p>So kann derselbe Mechanismus, der ihm bereits in der Kindheit geholfen hat, unangenehme Gefühle zu lindern und Anerkennung zu bekommen, auch im Erwachsenenalter weiterwirken.</p>
<p>Einerseits hilft ihm seine Leistungsorientierung weiterhin, sich kurzfristig weniger schlecht zu erleben. Andererseits kann sie dazu beitragen, dass er seine eigenen Bedürfnisse und Grenzen immer wieder übergeht.</p>
<h2>„Ich kann nicht mehr“ – eine Krise als Chance?</h2>
<p>Das kann über viele Jahre so weitergehen – bis zu einem Punkt, an dem sich das ständige Verdrängen und Frustrieren eigener Bedürfnisse und Wünsche sowie das Nichtakzeptieren eigener Grenzen immer deutlicher bemerkbar machen.</p>
<p>Dies wird häufig als Krise erlebt, da das, was einen bisher gewissermaßen „am Leben gehalten“ hat – beispielsweise Leistungsorientierung oder Perfektionismus –, nun das Leben kaum noch möglich macht.</p>
<p>Man ist erschöpft, man ist überfordert, man kann nicht mehr.</p>
<p>Die Krise könnte aber auch eine Chance sein, endlich zu „lernen“, die eigenen Bedürfnisse und Grenzen wahrzunehmen und gleichzeitig den inneren Kritiker abzuschwächen oder sogar zu beseitigen.</p>
<p>Damit der eigene Wert nicht mehr ausschließlich oder vor allem an Leistung gekoppelt wäre.</p>
<h2>Reflexionsübung 2: Bedürfnisse, Grenzen und Wünsche finden ihren richtigen inneren Platz</h2>
<h3>Die Falle der Schutzmechanismen überwinden</h3>
<p>Stellen Sie sich vor, Sie haben zu Hause in Ihrem Zimmer einige wertvolle Dinge, die für Sie von großer emotionaler Bedeutung sind:</p>
<p>Ein Foto aus dem Urlaub oder mit Freunden, ein persönliches Geschenk, ein Buch, das für Sie eine besondere Bedeutung hatte, ein Liebesbrief oder ein Foto von jemandem, der Ihnen wichtig war und Ihnen viel bedeutet hat, aber bereits verstorben ist.</p>
<p>Nun kommt ein Richter zu Ihnen und sagt, dass Sie diese Dinge nicht mehr in Ihrem Zimmer haben dürfen.</p>
<p>An ihre Stelle sollen ausschließlich Diplome aus verschiedenen Kursen treten, die Sie zunächst absolvieren müssen.</p>
<p>Diese Diplome haben für Sie selbst vielleicht gar keinen besonderen Wert oder stellen zumindest nicht alles dar, was Ihnen wichtig und wertvoll ist.</p>
<p>Der Richter verlangt jedoch, dass Sie die bisherigen Dinge entfernen und durch diese Diplome ersetzen.</p>
<p>Wenn Sie das nicht tun, wird Ihnen das Zimmer verschlossen, und Sie dürfen dort nicht mehr wohnen.</p>
<figure style="text-align:center;margin:24px 0;"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/10/selbstwertgefuehl-schutzmechanismen-arbeit-und-beduerfnisse.webp" alt="Zimmer voller Diplome und Arbeit, persönliche Erinnerungsstücke in einem Karton vor der Tür – Bild zur Reflexionsübung" width="1536" height="1024" loading="lazy" style="width:100%;max-width:760px;height:auto;border-radius:12px;" /></figure>
<p><strong>Wie würde sich das für Sie anfühlen?</strong></p>
<p>Man könnte sagen, dass bei dieser Falle der Schutzmechanismen etwas Ähnliches geschieht:</p>
<p>An die Stelle von etwas, das ursprünglich wichtig und wertvoll war – den eigenen Bedürfnissen, Wünschen, dem Bedürfnis nach Spaß und den eigenen Grenzen –, tritt etwas, das möglicherweise gar nicht als besonders wertvoll oder wichtig erlebt wird.</p>
<p>Es wird jedoch als notwendig angesehen, um weiterhin einen Platz zum Wohnen zu haben – in unserem Beispiel das Zimmer.</p>
<p>Als Erwachsener könnte man sich nun fragen:</p>
<p><strong>Verliert man wirklich das Zimmer, wenn man darin wieder Platz für das schafft, was einem wichtig und wertvoll ist?</strong></p>
<p> </p><p><strong>Herzliche Grüße</strong></p><p><strong>Autor: Mag. Wojciech Michalek, Psychotherapeut, Familien- und Lebensberater</strong></p>
<div style="background:#EAF6FB;border-left:4px solid #89CFF0;border-radius:10px;padding:20px 24px;margin-top:28px;"><p style="margin:0 0 8px;"><strong>Vorherige Beiträge:</strong> <a href="/bin-ich-wirklich-so-selbstwahrnehmung/">Teil 1 – Bin ich wirklich so – oder erlebe ich mich nur so?</a> · <a href="/niedriges-selbstwertgefuehl-ursachen/">Teil 2 – Niedriges Selbstwertgefühl – wie kann es entstehen?</a> · <a href="/selbstwertgefuehl-uebung-selbstwahrnehmung/">Teil 3 – Übung 1 – Meine Wahrnehmung: Mich selbst differenzierter sehen</a></p><p style="margin:0 0 8px;"><strong>Nächster Beitrag:</strong> Teil 5 – Arbeit mit dem „inneren Verfolger“ <em>(in Vorbereitung)</em></p><p style="margin:0;"><a href="/kategorie/selbstwertgefuehl/">← Zur Übersicht: Selbstwertgefühl verstehen, aufbauen und stärken</a></p></div>								</div>
				</div>
					</div>
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		<p>The post <a href="https://psychotherapie-michalek.de/selbstwertgefuehl-schutzmechanismen-leistung/">Psychische Mechanismen bei niedrigem Selbstwertgefühl: Wenn das, was ursprünglich schützt, später zur Falle wird</a> appeared first on <a href="https://psychotherapie-michalek.de">Psychotherapie &amp; Beratung</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Übung 1 – Meine Wahrnehmung: Mich selbst differenzierter sehen</title>
		<link>https://psychotherapie-michalek.de/selbstwertgefuehl-uebung-selbstwahrnehmung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Wojciech Michalek]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Oct 2026 14:56:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Selbstwertgefühl]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Teil 3 der Beitragsreihe zum Selbstwertgefühl: eine praktische Übung mit dem Herz-Bild, um sich selbst differenzierter und realistischer wahrzunehmen – Erfolge, Eigenschaften, Wertvolles, Schwächen und offene Felder.</p>
<p>The post <a href="https://psychotherapie-michalek.de/selbstwertgefuehl-uebung-selbstwahrnehmung/">Übung 1 – Meine Wahrnehmung: Mich selbst differenzierter sehen</a> appeared first on <a href="https://psychotherapie-michalek.de">Psychotherapie &amp; Beratung</a>.</p>
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									<p style="text-align:center;font-size:13px;letter-spacing:.06em;text-transform:uppercase;color:#7A7A7A;margin-bottom:6px;">Teil 3 · Beitragsreihe zum Selbstwertgefühl</p><h2 style="text-align:center;">Übung 1 – Meine Wahrnehmung: Mich selbst differenzierter sehen</h2>								</div>
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									<p style="font-size: 14px;"><a href="/kategorie/selbstwertgefuehl/">← Zur Übersicht: Selbstwertgefühl verstehen, aufbauen und stärken</a></p><p><strong>Kurzer Überblick</strong></p><ul><li>Kurze Einführung</li><li>Ziel der Übung</li><li>Bevor Sie mit der Übung beginnen</li><li>Schritt 1–7: Das Herz Schritt für Schritt ausfüllen</li></ul><h2>Kurze Einführung</h2><div style="background: #EAF6FB; border-left: 4px solid #89CFF0; border-radius: 10px; padding: 18px 22px; margin: 8px 0 18px;"><p style="margin: 0;"><strong>Hinweis:</strong> Ohne die Informationen aus den <a href="/bin-ich-wirklich-so-selbstwahrnehmung/">ersten beiden</a> <a href="/niedriges-selbstwertgefuehl-ursachen/">Beiträgen dieser Reihe</a> kann die folgende Einführung möglicherweise etwas abstrakt oder nicht ganz verständlich erscheinen. Es kann deshalb hilfreich sein, sich zunächst mit diesen Beiträgen vertraut zu machen.</p></div><p>Wie in den <a href="/bin-ich-wirklich-so-selbstwahrnehmung/">vorherigen Beiträgen</a> besprochen wurde, kann ein niedriges oder instabiles Selbstwertgefühl mit einer verzerrten Wahrnehmung der eigenen Person verbunden sein. Man erlebt sich schlechter, als man tatsächlich ist, und glaubt gleichzeitig, dass dieses negative Erleben der Realität entspricht.</p><p>Das kann damit zusammenhängen, dass hinter einem negativen Selbstbild häufig verschiedene Emotionen stehen, die unsere Wahrnehmung beeinflussen.</p><p>Man könnte bildlich sagen, dass sich diese Emotionen in eine innere Gestalt verwandeln, die man als „inneren Kritiker“ oder <a href="/niedriges-selbstwertgefuehl-ursachen/">„inneren Verfolger“</a> bezeichnen könnte. Diese innere Instanz lässt die eigene Person überwiegend oder ausschließlich in einem negativen Licht erscheinen.</p><p>Man könnte auch sagen, dass dieser innere Verfolger verschiedene „Tricks“ kennt, durch die man sich schlechter erlebt, als man möglicherweise tatsächlich ist.</p><p>Einer dieser Mechanismen besteht darin, einen Teil für das Ganze zu halten oder einen einzelnen negativen Aspekt besonders stark wahrzunehmen.</p><p>Wenn jemand beispielsweise einen Fehler macht, können bei einem niedrigen Selbstwertgefühl schnell Gedanken und Gefühle entstehen wie:</p><p><em>„Ich bin schlecht.“ – „Ich bin wertlos.“ – „Ich kann nichts.“</em></p><p>Eine differenziertere Wahrnehmung könnte dagegen lauten:</p><p><em>„Ich habe bei dieser Sache einen Fehler gemacht. Das bedeutet aber nicht, dass ich als ganze Person schlecht bin.“</em></p><p>Oder:</p><p><em>„Hier ist mir etwas nicht gelungen. In anderen Bereichen meines Lebens habe ich jedoch bereits einiges geschafft.“</em></p><h2>Ziel der Übung</h2><p>Das Ziel dieser Übung besteht darin, eine differenziertere Wahrnehmung der eigenen Person zu üben.</p><p>Es ist jedoch wichtig, nicht anzunehmen, dass diese Übung ausreicht, um das gesamte Selbstbild zu verändern. Sie kann dabei helfen, sich selbst objektiver zu sehen, und gleichzeitig eine Richtung für die weitere Entwicklung eines realistischen Selbstbildes aufzeigen. Dies wird auch in weiteren Artikeln thematisiert.</p><p>Eine grundlegende Annahme dabei ist, dass jeder Mensch viele unterschiedliche Seiten, Eigenschaften und Lebensbereiche hat.</p><p>Es gibt positive Seiten und Schwächen. Es gibt Begabungen, Erfolge und Dinge, auf die man stolz sein kann. Es kann aber auch Dinge geben, für die man sich vielleicht schämt oder die man gerne verändern würde. Es gibt Vorlieben und Bedürfnisse, aber auch Grenzen und Verletzungen.</p><p><strong>Kein einzelner dieser Aspekte stellt die ganze Person dar.</strong></p><h2>Bevor Sie mit der Übung beginnen</h2><p>Es wird empfohlen, diese Übung zunächst in einem Moment durchzuführen, in dem Sie sich relativ stabil oder etwas besser fühlen – also möglichst nicht gerade dann, wenn eine sehr starke negative emotionale Aufladung, verbunden mit dem inneren Verfolger, aktiviert ist.</p><p>Stellen Sie sich vor, dass das Herz Sie und Ihr Leben als Ganzes darstellt.</p><p>Dieses Leben besteht aus vielen unterschiedlichen Bereichen.</p>								</div>
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<a href="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/10/Uebung-1-Herz-Arbeitsblatt-Vorschau.webp" data-elementor-open-lightbox="yes" data-elementor-lightbox-title="Arbeitsblatt: Übung 1. Meine Wahrnehmung" data-ws="vorschau_klick"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/10/Uebung-1-Herz-Arbeitsblatt-Vorschau.webp" width="1491" height="1055" loading="lazy" alt="Vorschau des Arbeitsblatts „Übung 1. Meine Wahrnehmung“ mit Herz-Puzzle und fünf Schritten" /></a>
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<p class="pm-ws-kicker">Arbeitsblatt zum Ausdrucken</p>
<h3>Übung 1 – Meine Wahrnehmung</h3>
<p>Für diese Übung steht Ihnen ein fertiges Arbeitsblatt mit dem Herz und den einzelnen Schritten zur Verfügung (PDF, A4 quer). Sie können es herunterladen, ausdrucken und in Ruhe von Hand ausfüllen.</p>
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<p class="pm-ws-hint"><span class="pm-ws-hint-desktop">Bewegen Sie die Maus über das Bild, um eine größere Vorschau zu sehen. </span>Ein Klick auf das Bild öffnet die Vorschau in voller Größe.</p>
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									<h2>Schritt 1: Was ist Ihnen in Ihrem Leben bereits gelungen?</h2><p>Beginnen Sie damit, einige Dinge einzutragen, die Sie in Ihrem Leben als wertvoll ansehen oder die Sie erreicht haben. Versuchen Sie zunächst, Dinge zu wählen, die auch mit Ihrem eigenen Handeln verbunden sind.</p><p>Das können zum Beispiel sein:</p><ul><li>eine Familie aufgebaut zu haben,</li><li>eine Schule oder Ausbildung abgeschlossen zu haben,</li><li>eine Prüfung bestanden zu haben,</li><li>eine schwierige Lebensphase bewältigt zu haben,</li><li>etwas gelernt oder geschaffen zu haben,</li><li>etwas, worauf Sie persönlich stolz sein können.</li></ul><figure style="text-align: center; margin: 24px 0;"><img decoding="async" style="width: 100%; max-width: 460px; height: auto; border-radius: 12px;" src="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/10/selbstwert-herz-schritt-1.webp" alt="Herz-Puzzle, Schritt 1: erste eingetragene Erfolge wie „Prüfung bestanden“ oder „Blumen gepflanzt“" width="460" height="460" /></figure><h3>Eine wichtige Regel: Die Falle des Vergleichens vermeiden</h3><p>Dabei ist es ganz wichtig, sich nicht ausschließlich mit anderen Menschen zu vergleichen, sondern die eigene individuelle Situation zu berücksichtigen.</p><p><strong>Ein Beispiel:</strong></p><p>Stellen wir uns zwei Menschen vor.</p><p>Die erste Person hat einen wunderschönen Garten mit vielen Blumen, Bäumen und gepflegten Pflanzen.</p><p>Die zweite Person hat dagegen „nur“ einige Blumen und Pflanzen. An manchen Stellen wächst auch Unkraut.</p><p>Von außen könnte man schnell sagen:</p><p><em>„Die erste Person kümmert sich wirklich gut um ihren Garten. Sie muss sehr fleißig sein. Dieser Garten ist ein Erfolg.“</em></p><p>Über die zweite Person könnte jemand dagegen denken:</p><p><em>„Sie kümmert sich kaum darum. Sie macht zu wenig.“</em></p><p>Vielleicht würde jemand sie sogar als faul bezeichnen.</p><p>Nun betrachten wir jedoch die subjektive Situation dieser beiden Menschen.</p><p>Die erste Person fühlt sich psychisch relativ stabil. Sie hatte in ihrem Leben ein unterstützendes Umfeld und befindet sich auch finanziell in einer guten Situation. Die Arbeit im Garten macht ihr Freude und kostet sie vergleichsweise wenig Überwindung.</p><p>Die zweite Person leidet dagegen seit Jahren unter immer wiederkehrenden depressiven Zuständen. Sie hat viele belastende Erfahrungen gemacht und wenig Unterstützung erfahren.</p><p>Für sie kann bereits das Pflanzen einiger Blumen sehr viel Kraft und Überwindung kosten.</p><p>Innerlich kann sie nach dem Pflanzen dieser wenigen Blumen erschöpfter sein als die erste Person nach ihrer Gartenarbeit.</p><p>Nun könnte man fragen:</p><p><strong>Wer hat tatsächlich mehr innere Kraft und Anstrengung in diese Tätigkeit investiert?</strong></p><p>Wäre es gerecht, die zweite Person als faul zu bezeichnen, wenn sie für diese wenigen Blumen möglicherweise mehr innere Kraft aufbringen musste als die erste Person für ihren ganzen Garten?</p><p>Dieses Beispiel zeigt, dass etwas, das von außen einfach oder eindeutig erscheint, bei genauerer Betrachtung ganz anders aussehen kann.</p><p>Gerade bei einem niedrigen oder instabilen Selbstwertgefühl kann man leicht in die Falle geraten, die eigenen Leistungen kleinzumachen.</p><p>Manche Leistungen können von außen betrachtet vielleicht unscheinbar erscheinen. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sie für die betreffende Person tatsächlich leicht waren.</p><p>Man könnte sich deshalb beispielsweise fragen, ob Tätigkeiten wie:</p><ul><li>zur Arbeit zu gehen,</li><li>sich auf eine Prüfung vorzubereiten,</li><li>eine Prüfung zu bestehen,</li><li>sich mit unbekannten oder wenig bekannten Menschen zu treffen,</li><li>einen wichtigen Brief zu schreiben,</li><li>sich um Pflanzen zu kümmern,</li><li>ein Tier zu versorgen,</li></ul><p>unter den jeweiligen persönlichen Umständen nicht durchaus als Leistung angesehen werden können.</p><p>Sich mit unbekannten Menschen zu treffen, wenn man sich sehr unsicher fühlt, kann eine große Herausforderung sein.</p><p>Zur Arbeit zu gehen, obwohl man Angst vor Kritik oder Beurteilung hat und sich davon noch nicht ausreichend distanzieren kann, kann ebenfalls sehr viel innere Kraft erfordern.</p><p>Ich möchte Sie deshalb einladen, beim Ausfüllen des Herzens auch Ihre innere und subjektive Situation zu berücksichtigen.</p><p>Sollte Ihnen dies trotzdem schwerfallen, könnte bereits folgende Überlegung hilfreich sein:</p><p><em>„Vielleicht fällt es mir gerade schwer, mich selbst breiter und differenzierter zu betrachten und auch Faktoren wahrzunehmen, die manches in einem anderen Licht erscheinen lassen könnten.“</em></p><h2>Schritt 2: Welche positiven Eigenschaften haben Sie?</h2><p>Schreiben Sie nun mindestens drei Eigenschaften auf, die Sie an sich selbst als positiv wahrnehmen können oder die andere Menschen möglicherweise an Ihnen schätzen.</p><p>Zum Beispiel:</p><p><em>empathisch, fleißig, gewissenhaft, zuverlässig, kreativ oder hilfsbereit.</em></p><figure style="text-align: center; margin: 24px 0;"><img loading="lazy" decoding="async" style="width: 100%; max-width: 460px; height: auto; border-radius: 12px;" src="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/10/selbstwert-herz-schritt-2.webp" alt="Herz-Puzzle, Schritt 2: ergänzt um positive Eigenschaften" width="460" height="460" /></figure><p>Wenn es Ihnen schwerfällt, solche positiven oder wertvollen Aspekte zu finden, können Sie auch einen Menschen fragen, der Sie gut kennt und Ihnen wohlgesonnen ist:</p><p>Was schätzt diese Person an Ihnen? Was erlebt sie an Ihnen als positiv?</p><p>Wenn der innere Verfolger dabei sofort wieder flüstert:</p><p><em>„Niemand mag dich.“ – „Niemand sieht etwas Gutes in dir.“ – „Du hast überhaupt nichts Positives.“</em></p><p>Versuchen Sie zunächst, diese Gedanken nicht automatisch als Tatsachen zu behandeln.</p><p>Dass solche Gedanken in Ihnen auftauchen, bedeutet noch nicht, dass andere Menschen tatsächlich so über Sie denken.</p><h2>Schritt 3: Was ist Ihnen in Ihrem Leben besonders wichtig oder wertvoll?</h2><p>Schreiben Sie nun drei Dinge auf, die für Sie von besonderer Bedeutung sind, die Ihnen wertvoll sind oder die Sie einfach mögen.</p><p>Das können zum Beispiel Ihre Hobbys, Freundschaften, Bekanntschaften oder andere Dinge sein, bei denen Sie sagen können:</p><p><em>„Das ist etwas Schönes in meinem Leben.“</em></p><p>Auch dann, wenn Ihr Leben insgesamt oft schwierig oder belastend ist.</p><figure style="text-align: center; margin: 24px 0;"><img loading="lazy" decoding="async" style="width: 100%; max-width: 460px; height: auto; border-radius: 12px;" src="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/10/selbstwert-herz-schritt-3.webp" alt="Herz-Puzzle, Schritt 3: ergänzt um Dinge, die im Leben wichtig und wertvoll sind" width="460" height="460" /></figure><h2>Schritt 4: Auch Schwächen, Fehler und Grenzen gehören zum Gesamtbild</h2><p>Erlauben Sie sich nun auch, Fehler, Schwächen und Grenzen wahrzunehmen – ohne sich dafür als ganze Person zu verurteilen.</p><p>Schreiben Sie beispielsweise zwei Dinge auf, die Sie an sich nicht mögen oder die Sie in Ihrem Verhalten als problematisch erlebt haben.</p><figure style="text-align: center; margin: 24px 0;"><img loading="lazy" decoding="async" style="width: 100%; max-width: 460px; height: auto; border-radius: 12px;" src="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/10/selbstwert-herz-schritt-4.webp" alt="Herz-Puzzle, Schritt 4: ergänzt um Schwächen, Fehler und Grenzen" width="460" height="460" /></figure><p>In diesem Beitrag wird nicht ausführlicher darauf eingegangen, wie man mit diesen Bereichen umgehen kann. Das würde den Rahmen dieser Übung überschreiten.</p><p><strong>Wichtig ist jedoch:</strong></p><p>Es geht nicht darum, Fehler, Schwächen oder Begrenzungen einfach zu ignorieren oder so zu tun, als hätten sie keine Bedeutung.</p><p>Zunächst geht es darum, sie als einen Teil der eigenen Person oder des eigenen Lebens wahrzunehmen, ohne daraus automatisch ein Urteil über die gesamte Person abzuleiten.</p><p>Eine andere Frage ist anschließend:</p><p>Verstehe ich die Ursachen dieser Fehler oder Schwächen? Kann ich etwas daran verändern? Oder ist es vielleicht schwierig, etwas daran zu verändern, aber möglich, damit zu leben?</p><h2>Schritt 5: Lassen Sie einige Felder bewusst offen</h2><p>Lassen Sie im Herzen auch drei oder vier Felder frei.</p><p>Diese Felder können einerseits etwas symbolisieren, das Sie in Ihrem Leben noch nicht sehen können, das aber möglicherweise bereits vorhanden ist.</p><p>Andererseits können sie für etwas stehen, das in der Zukunft noch kommen kann und für Sie bedeutsam sein wird.</p><figure style="text-align: center; margin: 24px 0;"><img loading="lazy" decoding="async" style="width: 100%; max-width: 460px; height: auto; border-radius: 12px;" src="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/10/selbstwert-herz-schritt-5.webp" alt="Herz-Puzzle, Schritt 5: ausgefülltes Herz mit bewusst freien Feldern" width="460" height="460" /></figure><h2>Schritt 6: Betrachten Sie nun das ganze Bild</h2><p>Wenn Sie das Herz ausgefüllt haben, betrachten Sie es zunächst als Ganzes.</p><p>Möglicherweise spiegelt dieses Bild Ihre Person und Ihr Leben etwas differenzierter wider.</p><p>Es gibt Dinge, auf die Sie stolz sein können. Es gibt Eigenschaften und Erfahrungen, die Sie schätzen können. Und es gibt auch Bereiche, die Sie lieber nicht hätten oder gerne verändern würden.</p><p>All das kann gleichzeitig vorhanden sein.</p><p>Nun überlegen Sie, welche Form der Wahrnehmung Ihnen am ehesten bekannt vorkommt:</p><p><strong>A.</strong> Ich sehe hauptsächlich das Negative – und bei mir aktiviert sich das Erleben, als ob ich als ganze Person schlecht wäre.</p><p><strong>B.</strong> Ich sehe manchmal fast nur das Positive und blende Unangenehmes oder Problematisches aus.</p><p><strong>C.</strong> Ich nehme das Negative sehr stark wahr, aber es beeinflusst nicht mein Gesamtbild von mir selbst.</p><p><strong>D.</strong> Ich kann unterschiedliche Bereiche gleichzeitig wahrnehmen – Positives, Schwieriges, Erfolge, Fehler, Stärken und Begrenzungen.</p><h2>Schritt 7: Wann verändert sich meine Wahrnehmung?</h2><p>Überlegen Sie abschließend:</p><ul><li>Wovon hängt es ab, wie ich mich gerade wahrnehme?</li><li>Wann können Sie sich selbst relativ positiv oder realistisch erleben?</li><li>Wann beginnt sich Ihre Wahrnehmung zu verändern?</li><li>Welche Situationen aktivieren besonders schnell ein negatives Erleben Ihrer Person?</li><li>Was löst dies aus?</li><li>Was hilft Ihnen dabei, wieder zu einer breiteren, differenzierteren und realistischeren Wahrnehmung Ihrer selbst zurückzukehren?</li></ul><p>Diese Beobachtung kann dabei helfen, besser zu erkennen, wann der innere Verfolger stärker wird oder sich aktiviert und dadurch die eigene Wahrnehmung verzerrt werden kann.</p><p>Vielleicht kann es auch hilfreich sein, eine Kopie des ausgefüllten Herzens anzufertigen und darauf zu schauen, wenn sich ein negatives Selbsterleben aktiviert, um sich wieder an ein realistischeres Bild der eigenen Person erinnern zu können.</p><p><strong>Herzliche Grüße</strong></p><p><strong>Autor: Mag. Wojciech Michalek, Psychotherapeut, Familien- und Lebensberater</strong></p><div style="background: #EAF6FB; border-left: 4px solid #89CFF0; border-radius: 10px; padding: 20px 24px; margin-top: 28px;"><p style="margin: 0 0 8px;"><strong>Vorherige Beiträge:</strong> <a href="/bin-ich-wirklich-so-selbstwahrnehmung/">Teil 1 – Bin ich wirklich so – oder erlebe ich mich nur so?</a> · <a href="/niedriges-selbstwertgefuehl-ursachen/">Teil 2 – Niedriges Selbstwertgefühl – wie kann es entstehen?</a></p><p style="margin: 0 0 8px;"><strong>Nächster Beitrag:</strong> <a href="/selbstwertgefuehl-schutzmechanismen-leistung/">Teil 4 – Psychische Mechanismen bei niedrigem Selbstwertgefühl: Wenn das, was ursprünglich schützt, später zur Falle wird →</a></p><p style="margin: 0;"><a href="/kategorie/selbstwertgefuehl/">← Zur Übersicht: Selbstwertgefühl verstehen, aufbauen und stärken</a></p></div>								</div>
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			</item>
		<item>
		<title>Niedriges Selbstwertgefühl – wie kann es entstehen?</title>
		<link>https://psychotherapie-michalek.de/niedriges-selbstwertgefuehl-ursachen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Wojciech Michalek]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 03 Oct 2026 16:43:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Selbstwertgefühl]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://psychotherapie-michalek.de/?p=5547</guid>

					<description><![CDATA[<p>Eine mögliche Erklärung dafür, wie frühere Erfahrungen, emotionale Aufladung und ein „innerer Verfolger“ beeinflussen können, wie ein Mensch sich selbst erlebt.</p>
<p>The post <a href="https://psychotherapie-michalek.de/niedriges-selbstwertgefuehl-ursachen/">Niedriges Selbstwertgefühl – wie kann es entstehen?</a> appeared first on <a href="https://psychotherapie-michalek.de">Psychotherapie &amp; Beratung</a>.</p>
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									<p style="text-align:center;font-size:13px;letter-spacing:.06em;text-transform:uppercase;color:#7A7A7A;margin-bottom:6px;">Teil 2 · Beitragsreihe zum Selbstwertgefühl</p><h2 style="text-align:center;">Niedriges Selbstwertgefühl – wie kann es entstehen?</h2>								</div>
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									<p style="font-size:14px;"><a href="/kategorie/selbstwertgefuehl/">← Zur Übersicht: Selbstwertgefühl verstehen, aufbauen und stärken</a></p>
<p><strong>Kurzer Überblick</strong></p><ul><li>Alexander und Martin – ähnliches Leben, unterschiedliches Erleben</li><li>Ein kurzer Rückblick auf den ersten Beitrag</li><li>Die Kindheit von Alexander und Martin</li><li>Wie ein „innerer Verfolger“ entstehen kann</li><li>Innere Schutzmechanismen und ihre Folgen</li><li>Was bedeutet die „emotionale Aufladung“?</li><li>Muss man zu früheren Erfahrungen zurückkehren?</li></ul>
<h2>Alexander und Martin – ähnliches Leben, unterschiedliches Erleben</h2>
<p>Stellen wir uns zwei Männer vor: Alexander und Martin.</p>
<p>Äußerlich befinden sich beide in einer relativ ähnlichen Lebenssituation. Beide haben einen guten Beruf, ein Haus, eine Familie und sind verheiratet.</p>
<p>Innerlich erleben sie sich jedoch ganz unterschiedlich.</p>
<p>Alexander ist im Allgemeinen mit sich selbst und seinem Leben zufrieden. Natürlich erlebt auch er Schwierigkeiten, macht Fehler oder zweifelt manchmal an sich. Trotzdem verändert dies nicht grundsätzlich sein Bild von sich selbst.</p>
<p>Martin hingegen zweifelt häufig an sich. Er hält sich oft für nicht ausreichend und erlebt sich immer wieder als schlecht oder weniger wertvoll.</p>
<p>Aus psychotherapeutischer Perspektive kommt es nicht selten vor, dass Menschen, die von außen als erfolgreich wahrgenommen werden und mit ihrem Leben eigentlich zufrieden sein könnten, sich innerlich ganz anders erleben.</p>
<p>Das kann darauf hinweisen, dass die Art und Weise, wie wir uns selbst erleben, nicht nur davon abhängt, was wir besitzen, was wir erreicht haben oder wie unser gegenwärtiges Leben aussieht.</p>
<p>Offenbar kann sie mit etwas anderem, tiefer Liegendem verbunden sein.</p>
<p><strong>Aber womit?</strong></p>
<p><strong>Warum kann sich jemand wie Martin trotz vieler positiver Aspekte seines Lebens immer wieder als nicht ausreichend oder wenig wertvoll erleben?</strong></p>
<p>In diesem Artikel wird eine mögliche psychologische Erklärung dafür beschrieben.</p>
<h2>Ein kurzer Rückblick auf den ersten Beitrag</h2>
<p>Im <a href="/bin-ich-wirklich-so-selbstwahrnehmung/">ersten Beitrag</a> wurden zwei Mechanismen beschrieben, die mit einem niedrigen oder instabilen Selbstwertgefühl verbunden sein können.</p>
<p>Zum einen kann die Fähigkeit, die eigene Wahrnehmung an der Realität zu überprüfen, in bestimmten emotionalen Zuständen eingeschränkt oder gehemmt sein. Dadurch kann es schwieriger werden, die eigene Person möglichst realistisch wahrzunehmen.</p>
<p>Zum anderen kann hinter einer verzerrten Selbstwahrnehmung eine starke emotionale Aufladung stehen, die beeinflusst, wie man sich selbst erlebt.</p>
<p><strong>Aber was ist diese emotionale Aufladung bei einem niedrigen Selbstwertgefühl eigentlich? Womit ist man innerlich aufgeladen?</strong></p>
<p><strong>Und kann diese Aufladung auch dann wirken, wenn man die damit verbundenen starken Emotionen gar nicht bewusst wahrnimmt?</strong></p>
<p>Genau diesen Fragen widmet sich dieser Artikel.</p>
<h2>Das Beispiel von Alexander und Martin</h2>
<div style="background:#EAF6FB;border-left:4px solid #89CFF0;border-radius:10px;padding:18px 22px;margin:8px 0 18px;"><p style="margin:0;"><strong>Hinweis:</strong> In diesem Beispiel werden frühere familiäre Erfahrungen als eine mögliche Quelle für die Entwicklung eines niedrigen Selbstwertgefühls betrachtet. Das bedeutet nicht, dass familiäre Erfahrungen immer die einzige oder wichtigste Ursache sein müssen. Es können auch andere Einflüsse eine Rolle spielen. In der psychotherapeutischen Arbeit zeigt sich jedoch häufig, dass frühere familiäre Erfahrungen eine wichtige Bedeutung haben können.</p></div>
<p>Wenn wir zu Alexander und Martin zurückkehren, könnte man sagen: Eine solche emotionale Aufladung kann häufig mit früheren Erfahrungen verbunden sein.</p>
<p>Diese Erfahrungen selbst – oder ihr Einfluss auf das heutige Erleben – müssen einem Menschen jedoch nicht immer bewusst sein.</p>
<h3>Die Kindheit von Alexander</h3>
<p>Wenn Alexander sich als Kind verletzte und Fürsorge brauchte, wurde dies häufig wahrgenommen und er wurde getröstet.</p>
<p>Er konnte seine Wünsche und Bedürfnisse äußern und dabei erfahren, dass diese von seinen Eltern gesehen und anerkannt wurden und – wenn es möglich war – auch erfüllt werden konnten.</p>
<p>Wenn ihn etwas beschäftigte, wurde dies von seinen Eltern wahrgenommen. Gleichzeitig lernte er auch, dass manche Bedürfnisse nicht sofort erfüllt werden können, ohne dass er dadurch die Zuneigung seiner Eltern verliert.</p>
<p>In der Schule hatte Alexander normale Noten. Seine Eltern achteten weniger auf Bestnoten als darauf, dass er in einem angemessenen Rahmen lernte.</p>
<p>Wurde Alexander kritisiert, konnte er erleben, dass es seinen Eltern um sein Wohl ging und darum, ein bestimmtes Verhalten zu verändern. Er hatte nicht das Gefühl, dass er deshalb als ganze Person abgelehnt oder schlecht war.</p>
<p>Alexander machte also wiederholt Erfahrungen wie: <em>„Meine Bedürfnisse und Erlebnisse werden gesehen. Es wird auf mich geachtet. Meine Grenzen und Schwächen sind normal. Ich kann mich auf andere verlassen. Sie sind für mich da, wenn ich sie brauche.“</em></p>
<p>Solche wiederkehrenden positiven Erfahrungen können die Entwicklung eines stabileren Selbstwertgefühls unterstützen:</p>
<p><em>„Ich bin wertvoll. Ich werde gesehen.“</em></p>
<p>Auch wenn Alexander später einen Fehler macht oder kritisiert wird, muss diese Situation deshalb nicht sofort sein gesamtes Bild von sich selbst verändern.</p>
<p>Er kann beispielsweise denken: <em>„Ich habe einen Fehler gemacht“</em>, ohne daraus automatisch zu schließen: <em>„Ich bin schlecht.“</em></p>
<h3>Die Kindheit von Martin</h3>
<p>Nun schauen wir uns die Kindheit von Martin an.</p>
<p>Wenn Martin als Kind seine Bedürfnisse zeigte, erfuhr er häufig, dass diese als Schwäche angesehen wurden.</p>
<p>Wenn er sich verletzte, hörte er beispielsweise: <em>„Wein doch nicht. Jungen weinen nicht.“</em></p>
<p>Wenn er mit seinen Eltern spielen wollte, hieß es vielleicht: <em>„Das ist Blödsinn. Dafür haben wir keine Zeit.“</em></p>
<p>Er wurde häufig kritisiert und hörte immer wieder, dass er zu wenig leiste.</p>
<p>Dabei wurde nicht nur sein Verhalten kritisiert, sondern teilweise seine ganze Person abgewertet: <em>„Du bist so ungeschickt.“</em></p>
<p>Martin bekam das Gefühl, keine Fehler machen zu dürfen. Zeigte er Gefühle oder Bedürfnisse, wurde er dafür getadelt.</p>
<p>Typische Botschaften konnten sein: <em>„Weine nicht, du bist schwach.“</em>, <em>„Schau, wie du dich benimmst.“</em> oder <em>„Man muss im Leben hart arbeiten.“</em></p>
<p>Solche Reaktionen können eine starke destruktive Wirkung haben.</p>
<p>Wenn sie häufig wiederholt werden, können sie sich zunehmend zu inneren Überzeugungen entwickeln:</p>
<p><em>„Ich bin wenig wert. Andere mögen mich nicht. Ich bin schlecht.“</em></p>
<h2>Ein Kind kann seine Erfahrungen noch nicht wie ein Erwachsener überprüfen</h2>
<p>Als kleines Kind verfügt man noch nicht über dieselben Möglichkeiten wie ein Erwachsener, die eigenen Erfahrungen kritisch einzuordnen.</p>
<p>Martin konnte damals beispielsweise kaum denken:</p>
<p><em>„Es ist normal, dass ich spielen möchte, Fehler mache, Bedürfnisse habe und Gefühle zeige. Das Problem liegt vielleicht nicht bei mir, sondern darin, dass meine Eltern mit diesen Bedürfnissen und Gefühlen nicht gut umgehen können.“</em></p>
<p>Stattdessen nimmt das Kind die Reaktionen seiner wichtigsten Bezugspersonen zunächst sehr unmittelbar auf.</p>
<p>Wenn es immer wieder erlebt: <em>„Wenn ich Bedürfnisse zeige, bin ich schwach. Wenn ich Fehler mache, stimmt etwas mit mir nicht. Wenn ich nicht genug leiste, bin ich nicht gut genug“</em>, können diese Erfahrungen mit der Zeit Teil seines inneren Bildes von sich selbst werden.</p>
<p>Hier zeigt sich auch der Zusammenhang mit der im <a href="/bin-ich-wirklich-so-selbstwahrnehmung/">ersten Artikel</a> beschriebenen Fähigkeit, die eigene Wahrnehmung an der Realität zu überprüfen.</p>
<p>Das Kind hat noch wenig Möglichkeiten, sich zu fragen:</p>
<p><em>„Bin wirklich ich das Problem – oder werde ich gerade von anderen so behandelt?“</em></p>
<h2>Wie aus äußeren Erfahrungen ein „innerer Verfolger“ entstehen kann</h2>
<p>Wiederholte negative äußere Erfahrungen können innerlich gespeichert werden.</p>
<p>Aus Kritik, Herabsetzung, zu hohen Ansprüchen oder mangelnder Akzeptanz kann sich mit der Zeit etwas entwickeln, das man bildlich als einen <strong>„inneren Verfolger“</strong> bezeichnen könnte.</p>
<p>Die ursprünglich von außen kommenden Botschaften werden zunehmend zu inneren Botschaften:</p>
<p><em>„Du bist nichts wert. Du bist schwach. Du bist nicht gut genug. Du musst mehr leisten.“</em></p>
<p>Man könnte sagen:</p>
<p><strong>Was früher von außen kam, wirkt später teilweise von innen weiter – als hätte sich ein innerer Verfolger eingeprägt oder „einprogrammiert“.</strong></p>
<p>Dieser innere Verfolger ist jedoch nicht nur eine Ansammlung von Gedanken.</p>
<p>Er kann mit früheren starken emotionalen Erfahrungen verbunden sein – zum Beispiel mit Angst, Scham, Ohnmacht, Verletzung oder dem Gefühl, nicht angenommen zu werden.</p>
<p>Genau hier können wir wieder auf den Begriff der emotionalen Aufladung zurückkommen.</p>
<p>Die emotionale Aufladung bei einem niedrigen oder instabilen Selbstwertgefühl kann unter anderem aus solchen früheren Erfahrungen bestehen.</p>
<p>Dabei muss ein Erwachsener diese ursprünglichen Gefühle nicht immer bewusst wahrnehmen.</p>
<p>Er denkt vielleicht nicht:</p>
<p><em>„Jetzt wird gerade meine frühere Angst vor Ablehnung aktiviert.“</em></p>
<p>Stattdessen erlebt er unmittelbar:</p>
<p><em>„Ich bin schlecht. Ich bin nicht ausreichend. Mit mir stimmt etwas nicht.“</em></p>
<p>Die emotionale Erfahrung aus früheren Situationen kann also weiterwirken, obwohl ihre Herkunft und teilweise auch die ursprünglichen Gefühle selbst nicht mehr bewusst wahrgenommen werden.</p>
<h2>Innere Schutzmechanismen und ihre Folgen</h2>
<p>Der innere Verfolger kann mit starken und schmerzhaften Gefühlen wie Angst, Scham und Ohnmacht verbunden sein.</p>
<p>Für ein Kind ist es auf Dauer kaum möglich, solche Selbstabwertungen und die damit verbundenen inneren Spannungen einfach auszuhalten.</p>
<p>Es versucht deshalb, Wege zu finden, mit dieser belastenden inneren Realität umzugehen.</p>
<p>Martin könnte beispielsweise begonnen haben zu denken:</p>
<p><em>„Wenn ich nicht zeige, dass mir etwas wehtut, werde ich weniger kritisiert. Es tut mir nicht weh.“ – obwohl es ihm sehr wohl wehtut. „Ich muss stark sein. Ich darf keine Schwäche zeigen. Ich muss noch fleißiger arbeiten. Männer machen das so.“</em></p>
<p>Solche Gedanken können als frühe Formen innerer Schutzmechanismen verstanden werden.</p>
<p>Sie entstehen, um weitere Verletzungen möglichst zu vermeiden.</p>
<p>Wenn das Kind gelernt hat:</p>
<p><strong>Verletzlichkeit → Kritik oder Abwertung</strong></p>
<p>kann es versuchen, Verletzlichkeit gar nicht mehr zu zeigen.</p>
<p>Wenn es gelernt hat:</p>
<p><strong>Leistung → größere Chance auf Anerkennung</strong></p>
<p>kann es versuchen, immer mehr zu leisten.</p>
<p>Diese Schutzmechanismen können zunächst eine sehr wichtige Funktion erfüllen: Sie helfen dem Kind, eine schwierige Situation psychisch auszuhalten und sich nicht ständig als ganze Person negativ erleben zu müssen.</p>
<p>Diese Strategie hat jedoch auch ihren Preis.</p>
<p>Teile der eigenen Gefühle, Bedürfnisse und Grenzen können zunehmend verdrängt oder nicht mehr bewusst wahrgenommen werden.</p>
<h3>Die ursprünglichen Bedürfnisse verschwinden dadurch nicht</h3>
<p>Die Bedürfnisse nach Trost, Anerkennung, Nähe oder Akzeptanz verschwinden jedoch nicht einfach.</p>
<p>Sie können in den Hintergrund treten, bleiben aber weiterhin vorhanden.</p>
<p>Auch Verletzlichkeit, Grenzen oder das Bedürfnis nach Unterstützung verschwinden nicht dadurch, dass jemand gelernt hat:</p>
<p><em>„Ich muss stark sein.“</em></p>
<p>Deshalb bleiben auch die Schutzbarrieren in gewisser Weise durchlässig.</p>
<p>Spätere Situationen, die Ähnlichkeiten mit früheren Verletzungen aufweisen oder verdrängte Bedürfnisse berühren, können wieder starke emotionale Reaktionen auslösen.</p>
<p>Bei Martin könnte dies beispielsweise bedeuten:</p>
<p>Wenn seine Verletzlichkeit berührt wird, entsteht eine starke innere Anspannung.</p>
<p>Frühere Erfahrungen haben Verletzlichkeit nicht mit <em>„Ich werde gesehen, verstanden und unterstützt“</em> verbunden, sondern eher mit der Gefahr: <em>„Ich werde kritisiert. Ich werde abgewertet. Ich bin schwach.“</em></p>
<p>Auch Kritik oder Ablehnung durch andere Menschen können frühere Erfahrungen wieder aktivieren.</p>
<p>Selbst eine konstruktiv gemeinte Rückmeldung kann dadurch manchmal wesentlich bedrohlicher erlebt werden, als sie von außen betrachtet tatsächlich ist.</p>
<h2>Wenn sich Vergangenheit und Gegenwart miteinander vermischen</h2>
<p>An diesem Punkt wird wieder die Verbindung zum <a href="/bin-ich-wirklich-so-selbstwahrnehmung/">ersten Artikel</a> deutlich.</p>
<p>Objektiv betrachtet befindet sich Martin heute nicht mehr in seiner Kindheit.</p>
<p>Er ist ein erwachsener Mann. Die Menschen um ihn herum sind nicht seine Eltern.</p>
<p>Eine Rückmeldung seiner Ehefrau oder eines anderen Menschen muss keine Abwertung seiner ganzen Person bedeuten.</p>
<p>Innerlich kann eine solche Situation jedoch frühere Erfahrungen und die damit verbundene emotionale Aufladung aktivieren.</p>
<p>Dann wird es schwieriger, die gegenwärtige Situation unabhängig von diesen früheren Erfahrungen wahrzunehmen.</p>
<p>Der innere Verfolger wird wieder aktiv:</p>
<p><em>„Du bist nicht gut genug. Du hast versagt. Mit dir stimmt etwas nicht.“</em></p>
<p>Gleichzeitig wird es schwieriger, die eigene Wahrnehmung zu überprüfen und beispielsweise zu denken:</p>
<p><em>„Ich werde gerade kritisiert, aber das bedeutet nicht automatisch, dass ich als Mensch schlecht bin.“</em></p>
<p>Oder:</p>
<p><em>„Ich habe einen Fehler gemacht. Das sagt jedoch nicht alles über meine Person aus.“</em></p>
<p>Oder:</p>
<p><em>„Vielleicht erlebe ich diese Situation gerade stärker, weil sie etwas in mir berührt, das ich aus früheren Erfahrungen kenne.“</em></p>
<h2>Was bedeutet die „emotionale Aufladung“ beim niedrigen Selbstwertgefühl?</h2>
<p>Wenn wir auf die Ausgangsfrage zurückkommen, könnte man sagen:</p>
<p><strong>Die starke emotionale Aufladung bei einem niedrigen oder instabilen Selbstwertgefühl kann unter anderem aus früheren emotionalen Erfahrungen und Verletzungen bestehen.</strong></p>
<p>Sie können mit Angst, Scham, Ohnmacht, Ablehnung, fehlender Akzeptanz oder anderen schmerzhaften Erfahrungen verbunden sein.</p>
<p>Mit der Zeit müssen diese Gefühle nicht mehr bewusst als solche wahrgenommen werden.</p>
<p>Was häufig deutlicher wahrgenommen wird, ist das Ergebnis:</p>
<p><em>„Ich bin schlecht. Ich bin nicht ausreichend. Ich bin weniger wert.“</em></p>
<p>Der innere Verfolger könnte dabei als eine Form verstanden werden, in der diese früheren Erfahrungen und die damit verbundene emotionale Aufladung im heutigen Erleben weiterwirken.</p>
<p>Damit lässt sich auch besser verstehen, warum äußerer Erfolg allein ein negatives Selbstbild nicht unbedingt verändert.</p>
<p>Martin kann einen guten Beruf haben, ein Haus besitzen, verheiratet sein und vieles in seinem Leben erreicht haben.</p>
<p>Wenn jedoch bestimmte Situationen die frühere emotionale Aufladung und den inneren Verfolger aktivieren, kann er sich trotzdem immer wieder als nicht ausreichend erleben.</p>
<p>Alexander und Martin können deshalb äußerlich ein ähnliches Leben führen – und sich innerlich vollkommen unterschiedlich erleben.</p>
<h2>Was folgt daraus für die Arbeit am Selbstwertgefühl?</h2>
<p>Wenn ein negatives Selbstbild teilweise mit solchen emotionalen Erfahrungen, einem inneren Verfolger und daraus entstandenen Schutzmechanismen verbunden ist, kann die Arbeit am Selbstwertgefühl verschiedene Ebenen betreffen.</p>
<p>Ein wichtiger Schritt kann zunächst darin bestehen, die Möglichkeit zuzulassen, dass die Art und Weise, wie man sich selbst erlebt, teilweise durch etwas aus der Vergangenheit beeinflusst wird – durch Erfahrungen, die belastend, schmerzhaft oder vielleicht auch ungerecht waren und sich mit der Zeit in eine Art inneren Verfolger verwandelt haben.</p>
<p>Dieser innere Verfolger kann die eigene Person in einem sehr negativen Bild darstellen.</p>
<p>Die Frage, wie man damit umgehen und daran arbeiten kann, wird auch Gegenstand weiterer Artikel dieser Reihe sein.</p>
<h2>Muss man dafür zu früheren Erfahrungen zurückkehren?</h2>
<p>Zum Schluss bleibt noch eine wichtige Frage:</p>
<p><strong>Muss man zu früheren belastenden Erfahrungen zurückkehren, um diese emotionale Aufladung abzuschwächen?</strong></p>
<p>Das kann hilfreich sein und manchmal viel verändern. Besonders bei sehr belastenden Erfahrungen ist jedoch wichtig, dass dafür passende innere und äußere Bedingungen vorhanden sind oder die Auseinandersetzung mit professioneller Unterstützung begleitet wird.</p>
<p>Manche Erfahrungen können so schmerzhaft oder stark sein, dass es zunächst besser sein kann, nicht allein oder nicht sofort zu ihnen zurückzukehren, wenn dies zu überwältigend wäre.</p>
<p>Gerade aus tiefenpsychologischer Perspektive kann die Auseinandersetzung mit früheren Erfahrungen viel verändern. Gleichzeitig ist wichtig zu wissen, dass es auch andere Möglichkeiten und therapeutische Ansätze gibt, die helfen können, ohne dass man unmittelbar oder ausführlich in die Vergangenheit zurückkehren muss.</p>
<p>Vielleicht kann deshalb folgende Haltung hilfreich sein:</p>
<div style="background:#EAF6FB;border-left:4px solid #89CFF0;border-radius:10px;padding:18px 22px;margin:8px 0 18px;"><p style="margin:0;"><em>„Die Tatsache, dass ich unter einem niedrigen Selbstwertgefühl leide, kann darauf hinweisen, dass bestimmte belastende Erfahrungen aus meiner Vergangenheit noch heute nachwirken. Das kann bedeuten, dass ich mich aufgrund dieser Erfahrungen möglicherweise nicht so wahrnehme, wie ich tatsächlich bin. Gleichzeitig muss ich nicht unbedingt sofort zu diesen Erfahrungen zurückkehren – besonders dann nicht, wenn dies aktuell oder allein zu schwer wäre. Es gibt auch andere Möglichkeiten, an meinem Selbstwertgefühl zu arbeiten.“</em></p></div>
<p>Eine solche Möglichkeit – eine praktische Übung zur Überprüfung und Veränderung der eigenen Selbstwahrnehmung – wird im dritten Beitrag dieser Reihe vorgestellt.</p>
<p> </p><p><strong>Herzliche Grüße</strong></p><p><strong>Autor: Mag. Wojciech Michalek, Psychotherapeut, Familien- und Lebensberater</strong></p>
<div style="background:#EAF6FB;border-left:4px solid #89CFF0;border-radius:10px;padding:20px 24px;margin-top:28px;"><p style="margin:0 0 8px;"><strong>Vorheriger Beitrag:</strong> <a href="/bin-ich-wirklich-so-selbstwahrnehmung/">← Teil 1 – Bin ich wirklich so – oder erlebe ich mich nur so?</a></p><p style="margin:0 0 8px;"><strong>Nächster Beitrag:</strong> <a href="/selbstwertgefuehl-uebung-selbstwahrnehmung/">Teil 3 – Übung 1 – Meine Wahrnehmung: Mich selbst differenzierter sehen →</a></p><p style="margin:0;"><a href="/kategorie/selbstwertgefuehl/">← Zur Übersicht: Selbstwertgefühl verstehen, aufbauen und stärken</a></p></div>								</div>
				</div>
					</div>
		</div>
					</div>
		</section>
				</div>
		<p>The post <a href="https://psychotherapie-michalek.de/niedriges-selbstwertgefuehl-ursachen/">Niedriges Selbstwertgefühl – wie kann es entstehen?</a> appeared first on <a href="https://psychotherapie-michalek.de">Psychotherapie &amp; Beratung</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bin ich wirklich so – oder erlebe ich mich nur so?</title>
		<link>https://psychotherapie-michalek.de/bin-ich-wirklich-so-selbstwahrnehmung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Wojciech Michalek]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 03 Oct 2026 16:43:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Selbstwertgefühl]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://psychotherapie-michalek.de/?p=5542</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wie starke emotionale Zustände unsere Wahrnehmung beeinflussen können – und was dies mit einem niedrigen oder instabilen Selbstwertgefühl zu tun haben kann.</p>
<p>The post <a href="https://psychotherapie-michalek.de/bin-ich-wirklich-so-selbstwahrnehmung/">Bin ich wirklich so – oder erlebe ich mich nur so?</a> appeared first on <a href="https://psychotherapie-michalek.de">Psychotherapie &amp; Beratung</a>.</p>
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									<p style="text-align:center;font-size:13px;letter-spacing:.06em;text-transform:uppercase;color:#7A7A7A;margin-bottom:6px;">Teil 1 · Beitragsreihe zum Selbstwertgefühl</p><h2 style="text-align:center;">Bin ich wirklich so – oder erlebe ich mich nur so?</h2>								</div>
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									<p style="font-size:14px;"><a href="/kategorie/selbstwertgefuehl/">← Zur Übersicht: Selbstwertgefühl verstehen, aufbauen und stärken</a></p>
<p><strong>Kurzer Überblick</strong></p>
<ul><li>Worum geht es in diesem Beitrag?</li><li>1. Mechanismus: Starke Emotionen beeinflussen unsere Wahrnehmung</li><li>Kann das beim Selbstwertgefühl ähnlich sein?</li><li>2. Mechanismus: Hemmung oder Begrenzung der Realitätsprüfung</li><li>Was bedeutet das für die Arbeit am Selbstwertgefühl?</li></ul>
<h2>Worum geht es in diesem Beitrag?</h2>
<p>Dieser Artikel ist als eine Einführung in das Thema gedacht, wie sich das Selbstwertgefühl aufbauen und stärken lässt.</p>
<p>Im Mittelpunkt stehen zwei wichtige Mechanismen, die eng mit dem Selbstwertgefühl verbunden sein können. Das Verständnis dieser Mechanismen kann später auch bei der praktischen Arbeit am eigenen Selbstwertgefühl helfen.</p>
<p>Viele Menschen, die sich selbst negativ erleben, glauben, dass sie tatsächlich so sind, wie sie sich wahrnehmen. Oder es fällt ihnen schwer, sich dauerhaft anders und besser zu betrachten.</p>
<p>In diesem Beitrag geht es deshalb zunächst um die Frage:</p>
<p><strong>Kann es sein, dass die Art und Weise, wie man sich bei einem niedrigen oder instabilen Selbstwertgefühl erlebt, eine verzerrte Wahrnehmung der eigenen Person ist?</strong></p>
<p>Das heißt:</p>
<p><strong>Kann es sein, dass man sich anders wahrnimmt, als man tatsächlich ist?</strong></p>
<p>Oder anders formuliert: Kann es schwierig sein, sich selbst objektiver und realistischer zu betrachten?</p>
<p>Wenn ja, stellt sich die nächste Frage: Wie kommt es zu einer solchen Verzerrung – und was kann dabei helfen, die eigene Wahrnehmung realistischer werden zu lassen?</p>
<p>Durch die Beschäftigung mit diesen Mechanismen kann möglicherweise auch verständlicher werden, warum Ratschläge wie <em>„Schau positiver auf dich“</em>, <em>„Denk positiv“</em> oder <em>„Übe Affirmationen“</em> häufig nicht so leicht umzusetzen sind oder nicht ausreichend wirken.</p>
<h2>1. Mechanismus: Starke Emotionen beeinflussen unsere Wahrnehmung</h2>
<p>Beginnen wir mit dem ersten Mechanismus: dem Einfluss starker Emotionen auf unsere Wahrnehmung.</p>
<p>Wir kennen wahrscheinlich alle Situationen, in denen wir die Wirklichkeit je nach unserem inneren Zustand etwas anders erleben.</p>
<p>Wenn man beispielsweise sehr traurig ist, kann vieles plötzlich dunkler erscheinen. Probleme wirken größer, die Zukunft weniger hoffnungsvoll, und Dinge, die an einem anderen Tag vielleicht nicht besonders wichtig wären, können sehr belastend erscheinen.</p>
<p>Man könnte vereinfacht sagen:</p>
<p><strong>Bei starker Traurigkeit ist man innerlich stark mit Trauer aufgeladen – und diese emotionale Aufladung beeinflusst die Wahrnehmung.</strong></p>
<p>Ähnliches kann bei Angst geschehen.</p>
<p>Ein Kind, das nachts Angst hat, sieht vielleicht den Schatten eines Baumes oder einen Mantel im Zimmer und erlebt darin für einen Moment etwas Bedrohliches – zum Beispiel eine Kreatur im Zimmer oder draußen.</p>
<p>Der Baum hat sich nicht verändert. Auch der Mantel ist derselbe wie am Tag.</p>
<p>Verändert hat sich jedoch der innere Zustand des Kindes.</p>
<p>Man könnte sagen: Das Kind ist innerlich stark mit Angst aufgeladen. Durch diese starke emotionale Aufladung wird etwas eigentlich Neutrales anders wahrgenommen und interpretiert.</p>
<p>Auch Erwachsene kennen ähnliche Situationen.</p>
<p>Wenn man beispielsweise nach einem Konflikt sehr verunsichert ist, kann eine kurze oder sachliche Bemerkung eines anderen Menschen als Angriff erlebt werden, obwohl sie von der Person, die sie ausgesprochen hat, gar nicht so gemeint war.</p>
<p>Dieser Mechanismus betrifft jedoch nicht nur unangenehme Emotionen.</p>
<p>Auch sehr starke positive Gefühle können dazu führen, dass bestimmte Aspekte der Realität weniger wahrgenommen werden.</p>
<p>Wenn jemand beispielsweise sehr euphorisch oder begeistert ist, kann eine neue Idee plötzlich fast ausschließlich positiv erscheinen.</p>
<p>Zum Beispiel sieht man ein günstiges Angebot für etwas, das man sich schon lange gewünscht hat – etwa ein Auto. Man ist von diesem Auto so fasziniert, dass man es unbedingt sofort haben möchte. Vielleicht ist man sogar bereit, dafür einen Kredit aufzunehmen, und glaubt in diesem Moment, dass alles irgendwie möglich sein wird.</p>
<p>Verschiedene negative Aspekte wie die eigene finanzielle Situation, hohe Raten oder eine unsichere Herkunft des Autos können dabei ausgeblendet werden, weil die Faszination für das Auto und das aktuelle günstige Angebot so stark sind.</p>
<p>Manchmal entscheidet man sich deshalb sehr schnell dafür. Erst im Nachhinein, wenn die Faszination nach dem Kauf etwas geringer geworden ist, beginnt man, auch die negativen Aspekte wahrzunehmen.</p>
<p>Diese Situationen zeigen, dass starke Emotionen unsere Wahrnehmung verändern können. Bestimmte Aspekte der Realität werden möglicherweise weniger gesehen oder sogar ausgeblendet.</p>
<h2>Kann das beim Selbstwertgefühl ähnlich sein?</h2>
<p>Psychologisch lässt sich bei einem niedrigen beziehungsweise instabilen Selbstwertgefühl ein vergleichbarer Mechanismus beobachten.</p>
<p>Dabei bestehen jedoch zwei wichtige Unterschiede.</p>
<p>Einerseits richtet sich die verzerrte Wahrnehmung hier besonders stark auf die eigene Person.</p>
<p>Andererseits kann die emotionale Aufladung eine andere Art und Herkunft haben. Darauf wird im <a href="/niedriges-selbstwertgefuehl-ursachen/">zweiten Beitrag dieser Reihe</a> genauer eingegangen.</p>
<p>Bei einer Person mit einem niedrigen oder instabilen Selbstwertgefühl kann beispielsweise eine Situation, in der sie einen Fehler gemacht hat, eine starke innere emotionale Aufladung aktivieren.</p>
<p>Dadurch kann sich diese Person anders wahrnehmen, als sie tatsächlich ist.</p>
<p>In einer solchen Situation können zum Beispiel Gedanken und Gefühle entstehen wie:</p>
<p><em>„Ich bin schlecht.“ – „Ich fühle mich wertlos.“ – „Ich habe andere enttäuscht.“</em></p>
<p>Von außen erleben viele Menschen diese Person vielleicht ganz anders: Sie ist normalerweise zuverlässig, oft hilfsbereit und empathisch – sie besitzt also durchaus auch positive Eigenschaften.</p>
<p>Wenn jedoch die starke emotionale Aufladung aktiviert wird, kann sich die Wahrnehmung fast ausschließlich auf das Negative beschränken.</p>
<p>Zusätzlich wird das Negative häufig auf die ganze Person verallgemeinert. Psychologisch spricht man dabei von einer <strong>Generalisierung</strong>.</p>
<p>Dadurch kann es sehr schwierig sein, sich selbst in diesem Moment objektiver wahrzunehmen und beispielsweise zu denken:</p>
<p><em>„Ich habe einen Fehler gemacht, aber ich weiß, dass ich auch gute Eigenschaften besitze. Ich kann überlegen, ob ich etwas wegen dieses Fehlers tun kann oder warum er entstanden ist.“</em></p>
<p>Stattdessen entstehen eher negative und verallgemeinerte Gedanken und Erlebnisse wie:</p>
<p><em>„Ich bin schlecht.“</em></p>
<p>Die eigene Wahrnehmung wird dadurch verzerrt.</p>
<p><strong>Der erste Mechanismus besteht also in einer starken emotionalen Aufladung, die unsere Wahrnehmung beeinflussen kann</strong> – bei Traurigkeit beispielsweise durch Trauer, bei Angst durch Angst oder bei Euphorie durch eine starke positive emotionale Aufladung.</p>
<h2>2. Mechanismus: Hemmung oder Begrenzung der Realitätsprüfung</h2>
<p>Der zweite Mechanismus betrifft die sogenannte <strong>Realitätsprüfung</strong>.</p>
<p>Damit ist hier die Fähigkeit gemeint, wichtige Aspekte der Realität trotz starker innerer emotionaler Zustände wahrzunehmen und die eigene Wahrnehmung zu überprüfen.</p>
<p>Diese Fähigkeit kann in bestimmten Situationen gehemmt oder eingeschränkt sein beziehungsweise sich noch nicht ausreichend entwickelt haben.</p>
<p>Kehren wir noch einmal zu dem Beispiel mit dem Kind zurück.</p>
<p>Das Kind sieht im Dunkeln vielleicht eine bedrohliche Gestalt.</p>
<p>Mit zunehmendem Alter und zunehmender Erfahrung lernt es jedoch immer besser, das eigene innere Erleben von der äußeren Realität zu unterscheiden.</p>
<p>Zum Beispiel kann das Kind mit der Zeit lernen, bei Helligkeit genauer hinzuschauen und festzustellen, dass die nächtliche „Kreatur“ tatsächlich ein Baum ist.</p>
<p>Es überprüft seine Wahrnehmung in einem anderen Zustand und weiß dadurch mit der Zeit auch innerlich immer besser:</p>
<p><em>„Es ist keine Kreatur. Es ist ein Baum.“</em></p>
<p>Andererseits lernt das Kind zunehmend besser, mit seiner Angst – also mit der emotionalen Aufladung – umzugehen, sie innerlich zu verarbeiten und auszuhalten.</p>
<p>Man könnte sagen, dass der Weg zu einer objektiveren Wahrnehmung der Realität durch zwei Prozesse unterstützt wird:</p>
<ol><li>Die Fähigkeit zur Überprüfung der Realität wird weniger gehemmt, gestärkt und weiterentwickelt.</li><li>Die emotionale Aufladung – in diesem Beispiel die Angst – wird abgebaut oder abgeschwächt.</li></ol>
<h2>Was bedeutet das für die Arbeit am Selbstwertgefühl?</h2>
<p>Hier liegt auch die gute Nachricht:</p>
<p><strong>Die gleichen beiden Wege – die Stärkung der Fähigkeit zur Überprüfung der eigenen Wahrnehmung sowie der Abbau der emotionalen Aufladung – können auch bei einem niedrigen oder instabilen Selbstwertgefühl dazu beitragen, dass man sich selbst anders, objektiver und realistischer wahrnehmen kann.</strong></p>
<p>Nun stellen sich jedoch zwei wichtige Fragen:</p>
<p><strong>Woher kommt die emotionale Aufladung bei einem niedrigen Selbstwertgefühl? Was ist sie eigentlich?</strong></p>
<p>Und:</p>
<p><strong>Wie kann diese emotionale Aufladung abgeschwächt oder abgebaut werden?</strong></p>
<p>Im <a href="/niedriges-selbstwertgefuehl-ursachen/">zweiten Beitrag dieser Reihe</a> wird genauer erklärt, was mit dieser emotionalen Aufladung beim niedrigen Selbstwertgefühl gemeint ist, woher sie kommen kann und warum sie manchmal weiterwirkt, obwohl man die zugrunde liegenden Emotionen gar nicht bewusst wahrnimmt.</p>
<p>In weiteren Beiträgen werden außerdem praktische Techniken und Methoden vorgestellt, die dabei helfen können, die eigene Wahrnehmung besser zu überprüfen und am eigenen Selbstwertgefühl zu arbeiten.</p>
<p> </p>
<p><strong>Herzliche Grüße</strong></p>
<p><strong>Autor: Mag. Wojciech Michalek, Psychotherapeut, Familien- und Lebensberater</strong></p>
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<p style="margin:0 0 8px;"><strong>Nächster Beitrag der Reihe:</strong> <a href="/niedriges-selbstwertgefuehl-ursachen/">Teil 2 – Niedriges Selbstwertgefühl – wie kann es entstehen? →</a></p>
<p style="margin:0;"><a href="/kategorie/selbstwertgefuehl/">← Zur Übersicht: Selbstwertgefühl verstehen, aufbauen und stärken</a></p>
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		<title>Was ist Supervision?Fallbeispiel einer Supervision</title>
		<link>https://psychotherapie-michalek.de/ablauf-einer-supervision-ein-fallbeispiel-aus-der-praxis/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Wojciech Michalek]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Sep 2026 20:05:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Supervision]]></category>
		<category><![CDATA[Einzelsupervision]]></category>
		<category><![CDATA[Kosten Supervision]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Was ist Supervision? Ablauf einer Supervision- ein Fallbeispiel   Ablauf einer Supervision – ein Fallbeispiel aus der Praxis Supervision kann sehr unterschiedlich aussehen. Oft ist es leichter, sich darunter etwas vorzustellen, wenn man nicht nur eine allgemeine Definition liest, sondern einen konkreten Fall betrachtet. Das folgende Beispiel zeigt, wie Supervision in der Praxis aussehen kann. [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[		<div data-elementor-type="wp-post" data-elementor-id="5439" class="elementor elementor-5439" data-elementor-post-type="post">
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					<h2 class="elementor-heading-title elementor-size-default">Was ist Supervision? Ablauf einer Supervision- ein Fallbeispiel</h2>				</div>
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									<p> </p><h1 dir="auto" data-section-id="1ebgo6d" data-start="0" data-end="60">Ablauf einer Supervision – ein Fallbeispiel aus der Praxis</h1><p dir="auto" data-start="62" data-end="258">Supervision kann sehr unterschiedlich aussehen. Oft ist es leichter, sich darunter etwas vorzustellen, wenn man nicht nur eine allgemeine Definition liest, sondern einen konkreten Fall betrachtet.</p><p dir="auto" data-start="260" data-end="634">Das folgende Beispiel zeigt, wie Supervision in der Praxis aussehen kann. Dabei ist Supervision vor allem ein Prozess der Reflexion: Man betrachtet die eigene Arbeit noch einmal mit etwas Abstand, denkt darüber nach, was in einer Beratung oder Therapie geschehen ist, wie man selbst gehandelt und reagiert hat und welchen Einfluss dies auf den weiteren Verlauf haben könnte.</p><p dir="auto" data-start="636" data-end="980">Dabei kann sowohl die Situation der Klientin oder des Klienten als auch die eigene Wahrnehmung der Fachperson genauer betrachtet werden: Welche Annahmen habe ich getroffen? Was habe ich möglicherweise übersehen? Was löst die Situation bei mir selbst aus? Und welche anderen Möglichkeiten des Verstehens und Handelns könnten sich daraus ergeben?</p><p dir="auto" data-start="982" data-end="1175">Eine solche Reflexion kann dazu führen, Zusammenhänge differenzierter zu verstehen und neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Wie das konkret aussehen kann, zeigt das folgende Fallbeispiel.</p><h2 dir="auto" data-section-id="1gqbpao" data-start="1177" data-end="1201">Die Ausgangssituation</h2><p dir="auto" data-start="1203" data-end="1366">Ein Psychologe/Berater kommt zur Supervision. Er berichtet von einer Sitzung mit einer Klientin, die auf ihn sehr niedergeschlagen, traurig und antriebslos wirkte.</p><p dir="auto" data-start="1368" data-end="1525">Die Klientin erzählte, dass ihre Mutter vor etwa zwei Monaten gestorben sei. Sie sagte auch, dass sie zu nichts Lust habe und sich insgesamt depressiv fühle.</p><p dir="auto" data-start="1527" data-end="1746">Der Psychologe/Berater wollte empathisch reagieren und sprach ihr sein Beileid aus. Gleichzeitig hatte er den Eindruck, dass die Klientin diesem Beileid zwar zustimmte, innerlich aber nicht wirklich damit verbunden war.</p><p dir="auto" data-start="1748" data-end="1847">Es wirkte nicht so, als würde sie tatsächlich vor allem Trauer über den Tod ihrer Mutter empfinden.</p><p dir="auto" data-start="1849" data-end="2074">Der Psychologe/Berater erinnerte sich an theoretische Modelle zum Trauerprozess. Er vermutete, dass die Klientin sich vielleicht noch in einer Schockphase befinde und den Tod ihrer Mutter noch nicht richtig realisieren könne.</p><p dir="auto" data-start="2076" data-end="2185">Er teilte ihr diese Überlegung mit. Die Klientin stimmte zwar zu, wirkte dabei aber nicht wirklich überzeugt.</p><h2 dir="auto" data-section-id="10ik73y" data-start="2187" data-end="2246">Mit welcher Frage kam der Psychologe in die Supervision?</h2><p dir="auto" data-start="2248" data-end="2332">In die Supervision brachte der Psychologe/Berater deshalb vor allem zwei Fragen mit:</p><p dir="auto" data-start="2334" data-end="2386"><strong data-start="2334" data-end="2386">Befindet sich die Klientin in einer Schockphase?</strong></p><p dir="auto" data-start="2388" data-end="2469"><strong data-start="2388" data-end="2469">Wie kann der Übergang von dieser Phase in eine andere Phase begleitet werden?</strong></p><p dir="auto" data-start="2471" data-end="2665">Zunächst erschienen diese Fragen durchaus nachvollziehbar. In der Supervision wurde der Psychologe/Berater jedoch dazu angeregt, noch einmal einen Schritt zurückzugehen und genauer hinzuschauen.</p><p dir="auto" data-start="2667" data-end="2701">Eine erste wichtige Frage lautete:</p><p dir="auto" data-start="2703" data-end="2760"><strong data-start="2703" data-end="2760">Seit wann besteht die depressive Stimmung eigentlich?</strong></p><p dir="auto" data-start="2762" data-end="2822">War sie tatsächlich erst nach dem Tod der Mutter entstanden?</p><p dir="auto" data-start="2824" data-end="2878">Oder gab es diese Niedergeschlagenheit bereits vorher?</p><p dir="auto" data-start="2880" data-end="2927">Dabei wurde ein wichtiger Unterschied sichtbar.</p><p dir="auto" data-start="2929" data-end="3082">Der Psychologe/Berater hatte selbst einen Zusammenhang hergestellt: <strong data-start="2997" data-end="3082">Er hatte die depressive Stimmung der Klientin mit dem Tod ihrer Mutter verbunden.</strong></p><p dir="auto" data-start="3084" data-end="3164">Die Klientin selbst hatte diesen Zusammenhang jedoch nicht eindeutig formuliert.</p><p dir="auto" data-start="3166" data-end="3378">Sie hatte den Tod ihrer Mutter erwähnt und gleichzeitig von ihrer depressiven Stimmung gesprochen. Sie hatte aber nicht gesagt, dass sie <strong data-start="3303" data-end="3363">erst seit dem Tod ihrer Mutter und aufgrund dieses Todes</strong> depressiv sei.</p><h2 dir="auto" data-section-id="kgaosc" data-start="3380" data-end="3446">Muss nach dem Tod eines Angehörigen vor allem Trauer entstehen?</h2><p dir="auto" data-start="3448" data-end="3584">Ein weiterer wichtiger Punkt in der Supervision war die Frage, welche Gefühle nach dem Tod eines Angehörigen überhaupt auftreten können.</p><p dir="auto" data-start="3586" data-end="3679">Der Psychologe/Berater hatte den Tod der Mutter zunächst vor allem mit Traurigkeit verbunden.</p><p dir="auto" data-start="3681" data-end="3798">In der Reflexion wurde jedoch deutlich: Menschen können auf den Tod eines Angehörigen sehr unterschiedlich reagieren.</p><p dir="auto" data-start="3800" data-end="3850">Neben Trauer können beispielsweise auch auftreten:</p><ul data-start="3852" data-end="3986"><li data-section-id="4ofne3" data-start="3852" data-end="3871"><strong data-start="3854" data-end="3871">Erleichterung</strong></li><li data-section-id="9xvoyc" data-start="3872" data-end="3891"><strong data-start="3874" data-end="3891">Schuldgefühle</strong></li><li data-section-id="dli4ke" data-start="3892" data-end="3901"><strong data-start="3894" data-end="3901">Wut</strong></li><li data-section-id="ipf8aw" data-start="3902" data-end="3920"><strong data-start="3904" data-end="3920">innere Leere</strong></li><li data-section-id="1ih0bdx" data-start="3921" data-end="3937"><strong data-start="3923" data-end="3937">Ambivalenz</strong></li><li data-section-id="27xpuj" data-start="3938" data-end="3986">oder auch das Gefühl, <strong data-start="3962" data-end="3986">gar nichts zu spüren</strong></li></ul><p dir="auto" data-start="3988" data-end="4119">Das kann besonders dann eine Rolle spielen, wenn die Beziehung zu der verstorbenen Person schwierig, belastend oder verletzend war.</p><p dir="auto" data-start="4121" data-end="4267">Deshalb wurde der Psychologe/Berater angeregt, in der nächsten Sitzung mehr über die Beziehung zwischen der Klientin und ihrer Mutter zu erfahren.</p><p dir="auto" data-start="4269" data-end="4282">Zum Beispiel:</p><p dir="auto" data-start="4284" data-end="4328"><strong data-start="4284" data-end="4328">Wie hat die Klientin ihre Mutter erlebt?</strong></p><p dir="auto" data-start="4330" data-end="4376"><strong data-start="4330" data-end="4376">Welche Erinnerungen verbindet sie mit ihr?</strong></p><p dir="auto" data-start="4378" data-end="4433"><strong data-start="4378" data-end="4433">Gab es Verletzungen, Angst, Wut oder Schuldgefühle?</strong></p><h2 dir="auto" data-section-id="z3szat" data-start="4435" data-end="4492">Warum wollte der Psychologe so schnell etwas erklären?</h2><p dir="auto" data-start="4494" data-end="4641">In der Supervision wurde auch darüber gesprochen, warum der Psychologe/Berater so schnell auf das Modell des Trauerprozesses zurückgegriffen hatte.</p><p dir="auto" data-start="4643" data-end="4725">Dabei erkannte er, dass er in der Sitzung nicht genau wusste, was er sagen sollte.</p><p dir="auto" data-start="4727" data-end="4787">Gleichzeitig hatte er das Gefühl, <strong data-start="4761" data-end="4786">etwas sagen zu müssen</strong>.</p><p dir="auto" data-start="4789" data-end="5037">Dieses Gefühl ist in Beratungssituationen nicht ungewöhnlich. Gerade wenn eine Klientin von einem schweren Thema berichtet, kann bei einer Fachperson der innere Druck entstehen, sofort etwas Hilfreiches, Tröstendes oder Erklärendes sagen zu müssen.</p><p dir="auto" data-start="5039" data-end="5097">In der Supervision wurde eine andere Möglichkeit sichtbar:</p><p dir="auto" data-start="5099" data-end="5277"><strong data-start="5099" data-end="5277">Manchmal kann es hilfreicher sein, nicht sofort eine Erklärung anzubieten, sondern zunächst genauer wahrzunehmen und vorsichtig zu spiegeln, was in der Situation spürbar ist.</strong></p><p dir="auto" data-start="5279" data-end="5343">Eine mögliche Intervention hätte zum Beispiel so klingen können:</p><blockquote data-start="5345" data-end="5570"><p dir="auto" data-start="5347" data-end="5570">„Während Sie das sagen und ich Sie anschaue, habe ich den Eindruck, als ob Sie noch etwas Belastendes in sich tragen, das aber nicht ausgesprochen werden kann. Es wirkt, als sei es so schwer, dass es kaum anzusprechen ist.“</p></blockquote><p dir="auto" data-start="5572" data-end="5676">Eine solche Intervention kann der Klientin helfen, stärker mit dem eigenen Erleben in Kontakt zu kommen.</p><p dir="auto" data-start="5678" data-end="5847">Gleichzeitig vermittelt sie ihr, dass der Psychologe wahrnimmt, dass etwas Belastendes vorhanden ist, ohne vorschnell festzulegen, was dieses Belastende genau sein muss.</p><h2 dir="auto" data-section-id="tyi9vm" data-start="5849" data-end="5895">Was zeigte sich in den weiteren Gesprächen?</h2><p dir="auto" data-start="5897" data-end="6032">In der nächsten Supervision berichtete der Psychologe/Berater, dass er inzwischen mehr über die Geschichte der Klientin erfahren hatte.</p><p dir="auto" data-start="6034" data-end="6052">Dabei zeigte sich:</p><p dir="auto" data-start="6054" data-end="6173"><strong data-start="6054" data-end="6173">Die depressive Stimmung war nicht erst durch den Tod der Mutter entstanden. Sie bestand bereits seit längerer Zeit.</strong></p><p dir="auto" data-start="6175" data-end="6290">Die Klientin hatte sich in der Beziehung zu ihrer Mutter häufig als schlecht, falsch oder nicht ausreichend erlebt.</p><p dir="auto" data-start="6292" data-end="6475">Außerdem berichtete sie von schwierigen Beziehungserfahrungen in ihrem späteren Leben. In Partnerschaften fühlte sie sich häufig betrogen, nicht gesehen und nicht wirklich angenommen.</p><p dir="auto" data-start="6477" data-end="6592">Der Tod der Mutter hatte ihre depressive Stimmung also möglicherweise <strong data-start="6547" data-end="6591">nicht verursacht, sondern eher verstärkt</strong>.</p><h2 dir="auto" data-section-id="1tthoxb" data-start="6594" data-end="6626">Das Schuldgefühl der Klientin</h2><p dir="auto" data-start="6628" data-end="6691">Ein weiterer wichtiger Punkt war das Schuldgefühl der Klientin.</p><p dir="auto" data-start="6693" data-end="6728">Sie dachte, sie müsse traurig sein.</p><p dir="auto" data-start="6730" data-end="6860">Weil sie diese Traurigkeit aber nicht klar spürte, verurteilte sie sich selbst. Sie erlebte sich als eine <strong data-start="6836" data-end="6859">„schlechte Tochter“</strong>.</p><p dir="auto" data-start="6862" data-end="6955">Erst als sie mehr über die Beziehung zu ihrer Mutter sprach, wurde ein anderes Bild sichtbar.</p><p dir="auto" data-start="6957" data-end="7108">Die Klientin berichtete von psychischer und körperlicher Gewalt in ihrer Kindheit. Viele dieser Erfahrungen hatte sie lange verdrängt oder verharmlost.</p><p dir="auto" data-start="7110" data-end="7189">Dadurch wurde verständlicher, warum sie keine einfache Trauer empfinden konnte.</p><p dir="auto" data-start="7191" data-end="7291">Vielleicht hätte reine Traurigkeit für sie bedeutet, die erlebten Verletzungen erneut zu verleugnen.</p><p dir="auto" data-start="7293" data-end="7408">Wenn sie nur um ihre Mutter getrauert hätte, wäre ein wichtiger Teil ihrer eigenen Geschichte unsichtbar geblieben:</p><p dir="auto" data-start="7410" data-end="7510"><strong data-start="7410" data-end="7510">die Angst, die Wut, die Kränkung und die Verletzungen, die sie in dieser Beziehung erlebt hatte.</strong></p><p dir="auto" data-start="7512" data-end="7584">In der Beratung konnte der Klientin diese Perspektive gespiegelt werden.</p><p dir="auto" data-start="7586" data-end="7613">Für sie war das entlastend.</p><p dir="auto" data-start="7615" data-end="7758">Sie musste sich nicht mehr dazu zwingen, ein bestimmtes Gefühl zu empfinden. Gleichzeitig bekam auch ihre verletzte Seite Raum und Anerkennung.</p><h1 dir="auto" data-section-id="up405u" data-start="7760" data-end="7809">Was zeigt dieses Fallbeispiel über Supervision?</h1><p dir="auto" data-start="7811" data-end="8198">Das Beispiel zeigt, dass Supervision auf unterschiedlichen Ebenen hilfreich sein kann. Dabei geht es nicht nur darum, für einen konkreten Fall eine einzelne „richtige“ Lösung zu finden. Vielmehr kann Supervision dazu beitragen, die eigene Wahrnehmung zu erweitern und besser zu verstehen, wie bestimmte Schlussfolgerungen, Reaktionen und Handlungsmöglichkeiten überhaupt entstanden sind.</p><h2 dir="auto" data-section-id="8q0qd" data-start="8200" data-end="8237">Eigene Annahmen genauer betrachten</h2><p dir="auto" data-start="8239" data-end="8479">Der Psychologe/Berater hatte zunächst einen durchaus nachvollziehbaren Zusammenhang hergestellt: Die Mutter der Klientin war gestorben, die Klientin wirkte depressiv und niedergeschlagen – deshalb lag die Annahme eines Trauerprozesses nahe.</p><p dir="auto" data-start="8481" data-end="8613">In der Supervision wurde jedoch sichtbar, dass dieser Zusammenhang zunächst vor allem vom Psychologen selbst hergestellt worden war.</p><p dir="auto" data-start="8615" data-end="8777">Die Klientin hatte zwar vom Tod ihrer Mutter und von ihrer depressiven Stimmung berichtet, aber nicht eindeutig gesagt, dass das eine die Ursache des anderen sei.</p><p dir="auto" data-start="8779" data-end="8950">Supervision kann an solchen Stellen helfen, genauer zu unterscheiden zwischen <strong data-start="8857" data-end="8949">dem, was tatsächlich berichtet wurde, und dem, was die Fachperson selbst daraus schließt</strong>.</p><h2 dir="auto" data-section-id="1ozpfjp" data-start="8952" data-end="9019">Theoretisches Wissen erweitern, statt sich darauf zu beschränken</h2><p dir="auto" data-start="9021" data-end="9214">Auch theoretisches Wissen spielt in der professionellen Arbeit eine wichtige Rolle. Gleichzeitig kann es passieren, dass ein bekanntes Modell den Blick zu früh in eine bestimmte Richtung lenkt.</p><p dir="auto" data-start="9216" data-end="9358">In diesem Fall führte das Wissen über Trauerphasen zunächst zu der Vorstellung, die Klientin befinde sich möglicherweise in einer Schockphase.</p><p dir="auto" data-start="9360" data-end="9415">Durch die Supervision wurde der Blick wieder erweitert.</p><p dir="auto" data-start="9417" data-end="9608">Es entstand Raum für weitere Möglichkeiten: Vielleicht ging es nicht nur um Trauer, sondern auch um Wut, Schuld, Ambivalenz, Verletzungen oder frühere Erfahrungen in der Beziehung zur Mutter.</p><p dir="auto" data-start="9610" data-end="9797">Supervision kann deshalb helfen, theoretisches Wissen nicht zu verwerfen, sondern <strong data-start="9692" data-end="9796">es in einen größeren Zusammenhang einzuordnen und zu prüfen, wie gut es zum konkreten Menschen passt</strong>.</p><h2 dir="auto" data-section-id="sgpcce" data-start="9799" data-end="9855">Die eigene Reaktion als Teil des Geschehens verstehen</h2><p dir="auto" data-start="9857" data-end="9926">Ein weiterer wichtiger Punkt war die Reaktion des Psychologen selbst.</p><p dir="auto" data-start="9928" data-end="10076">Er wusste in der Sitzung nicht genau, was er sagen sollte, und spürte gleichzeitig den Druck, etwas Hilfreiches oder Erklärendes anbieten zu müssen.</p><p dir="auto" data-start="10078" data-end="10153">Auch solche eigenen Reaktionen können in der Supervision betrachtet werden.</p><p dir="auto" data-start="10155" data-end="10332">Sie sind nicht nur etwas, das bei der Fachperson „stört“, sondern können manchmal wichtige Hinweise darauf geben, was in der therapeutischen oder beratenden Situation geschieht.</p><p dir="auto" data-start="10334" data-end="10482">In diesem Fall führte die Reflexion dazu, weniger schnell erklären zu müssen und stärker wahrzunehmen, was bei der Klientin tatsächlich spürbar war.</p><h2 dir="auto" data-section-id="15g4foa" data-start="10484" data-end="10525">Neue Handlungsmöglichkeiten entwickeln</h2><p dir="auto" data-start="10527" data-end="10624">Durch dieses veränderte Verständnis entstanden auch neue Möglichkeiten für die praktische Arbeit.</p><p dir="auto" data-start="10626" data-end="10827">Anstatt die Klientin weiter vor allem entlang eines Trauermodells zu begleiten, konnte der Psychologe genauer nach ihrer Beziehung zur Mutter, ihren Erfahrungen und ihren tatsächlichen Gefühlen fragen.</p><p dir="auto" data-start="10829" data-end="10954">Dadurch wurden Themen sichtbar, die vorher kaum im Blick gewesen waren: <strong data-start="10901" data-end="10954">Gewalt, Angst, Wut, Schuldgefühle und Ambivalenz.</strong></p><p dir="auto" data-start="10956" data-end="11030">Das Beispiel zeigt damit einen wichtigen möglichen Effekt von Supervision:</p><p dir="auto" data-start="11032" data-end="11144"><strong data-start="11032" data-end="11144">Wenn sich das Verständnis eines Falles erweitert, erweitern sich häufig auch die Möglichkeiten des Handelns.</strong></p><p dir="auto" data-start="11146" data-end="11415">Supervision bedeutet in diesem Sinne nicht einfach, von einer anderen Person eine Antwort zu bekommen. Sie kann vielmehr dabei helfen, das eigene Denken, Wahrnehmen und Handeln genauer zu reflektieren und dadurch neue Möglichkeiten in der konkreten Arbeit zu entdecken.</p><h2 dir="auto" data-section-id="kzdenu" data-start="11417" data-end="11465">Was hat sich durch die Supervision verändert?</h2><p dir="auto" data-start="11467" data-end="11511">Zu Beginn stand vor allem die Frage im Raum:</p><p dir="auto" data-start="11513" data-end="11599"><strong data-start="11513" data-end="11599">„Wie kann ich die Klientin durch die Schockphase ihres Trauerprozesses begleiten?“</strong></p><p dir="auto" data-start="11601" data-end="11674">Im Verlauf der Supervision entstand jedoch eine grundlegend andere Frage:</p><p dir="auto" data-start="11676" data-end="11827"><strong data-start="11676" data-end="11827">„Was erlebt diese Frau eigentlich – und warum fällt es ihr möglicherweise so schwer, überhaupt zu sagen, was sie gegenüber ihrer Mutter empfindet?“</strong></p><p dir="auto" data-start="11829" data-end="12015">Damit verschob sich der Blick von einer relativ festen Erklärung hin zu einem breiteren Verständnis der Lebensgeschichte, der Beziehung zur Mutter und der inneren Konflikte der Klientin.</p><p dir="auto" data-start="12017" data-end="12224">Gerade darin kann ein wesentlicher Wert von Supervision liegen: <strong data-start="12081" data-end="12224">Nicht unbedingt sofort eine bessere Antwort zu bekommen, sondern zunächst genauer zu verstehen und dadurch andere Fragen stellen zu können.</strong></p><h2 dir="auto" data-section-id="uygvay" data-start="12226" data-end="12277">Fazit: Supervision anhand eines konkreten Falles</h2><p dir="auto" data-start="12279" data-end="12387">Dieses Fallbeispiel zeigt, wie eine zunächst naheliegende Erklärung durch Supervision erweitert werden kann.</p><p dir="auto" data-start="12389" data-end="12692">Der Tod der Mutter war tatsächlich ein wichtiges Ereignis. Er erklärte die depressive Stimmung der Klientin jedoch nicht vollständig. Erst durch genaueres Hinschauen wurden weitere Zusammenhänge sichtbar: frühere Gewalterfahrungen, Schuldgefühle, Wut, Ambivalenz und die schwierige Beziehung zur Mutter.</p><p dir="auto" data-start="12694" data-end="12872">Supervision kann Fachpersonen dabei unterstützen, solche Zusammenhänge bewusster wahrzunehmen, eigene Annahmen zu überprüfen und zusätzliche Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.</p><p dir="auto" data-start="12874" data-end="13115">Dabei geht es nicht darum, dass ein Supervisor für jeden Fall die richtige Antwort kennt. Vielmehr kann Supervision einen Raum schaffen, in dem <strong data-start="13018" data-end="13115">genauer gesehen, differenzierter verstanden und anschließend bewusster gehandelt werden kann.</strong></p><p dir="auto" data-start="13117" data-end="13189" data-is-last-node="" data-is-only-node=""><strong data-start="13117" data-end="13127">Autor:</strong><br data-start="13127" data-end="13130" /><strong data-start="13130" data-end="13156">Mag. Wojciech Michalek</strong><br data-start="13156" data-end="13159" />Psychotherapeut, Lebensberater</p>								</div>
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		<title>Wenn gut gemeinte Unterstützung zu Druck wird – ein Fallbeispiel aus der Elternberatung</title>
		<link>https://psychotherapie-michalek.de/fallbeispiel-elternberatung-unterstuetzung-als-druck/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Wojciech Michalek]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Sep 2026 08:35:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Elternberatung & Erziehung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein anonymisiertes Beispiel aus der Elternberatung: Wie gut gemeinte Unterstützung beim Kind manchmal als zusätzlicher Druck ankommt – und wie sich dieser Kreislauf in der Beratung verändern lässt.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[		<div data-elementor-type="wp-post" data-elementor-id="5312" class="elementor elementor-5312" data-elementor-post-type="post">
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									<h2 dir="auto" style="text-align: center;" data-section-id="1ptogu2" data-start="151" data-end="192">&nbsp;</h2>
<h2 dir="auto" data-section-id="1ptogu2" data-start="151" data-end="192">&nbsp;</h2>
<h2 dir="auto" data-section-id="1ptogu2" data-start="151" data-end="192">&nbsp;</h2>
<h2 dir="auto" data-section-id="1ptogu2" data-start="151" data-end="192"><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-5294 size-large" src="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/09/pexels-gustavo-fring-5621962-1024x683.webp" alt="" width="800" height="534" srcset="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/09/pexels-gustavo-fring-5621962-1024x683.webp 1024w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/09/pexels-gustavo-fring-5621962-300x200.webp 300w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/09/pexels-gustavo-fring-5621962-768x512.webp 768w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/09/pexels-gustavo-fring-5621962-1536x1024.webp 1536w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/09/pexels-gustavo-fring-5621962.webp 2048w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /></h2>
<h2 class="PDq2pG_selectionAnchorContainer" dir="auto" data-section-id="1ptogu2" data-start="151" data-end="192">Ein Beispiel aus der Elternberatung</h2>
<p dir="auto" data-start="194" data-end="516">In diesem Beispiel kamen Eltern in die Beratung, weil sie sich zunehmend Sorgen um ihr Kind machten. Seit einiger Zeit wirkte es häufig traurig, zog sich mehr zurück und wollte kaum noch lernen. Gespräche über Schule endeten immer häufiger in Streit oder damit, dass sich das Kind zurückzog und nicht mehr sprechen wollte.</p>
<p dir="auto" data-start="518" data-end="780">Die Eltern erlebten die Situation als sehr belastend. Sie beobachteten, dass die schulischen Leistungen nachließen, Aufgaben liegen blieben und ihr Kind immer weniger Motivation zeigte. Gleichzeitig wussten sie nicht mehr genau, wie sie darauf reagieren sollten.</p>
<p dir="auto" data-start="782" data-end="957">Einerseits wollten sie Verständnis zeigen und ihr Kind unterstützen. Andererseits hatten sie Angst, dass es den Anschluss verlieren und später Schwierigkeiten bekommen könnte.</p>
<p dir="auto" data-start="959" data-end="1204">Im Gespräch erzählten sie, dass sie deshalb immer häufiger versucht hatten, ihr Kind zum Lernen zu bewegen. Sie erinnerten es an Hausaufgaben, fragten nach Prüfungen und kontrollierten stärker, ob die vereinbarten Aufgaben erledigt worden waren.</p>
<p dir="auto" data-start="1206" data-end="1371">Hinter diesem Verhalten stand zunächst etwas sehr Verständliches: <strong data-start="1272" data-end="1371">die Sorge um das eigene Kind und der Wunsch, ihm gute Möglichkeiten für seine Zukunft zu geben.</strong></p>
<p dir="auto" data-start="1373" data-end="1490">Mit der Zeit war aus dieser Sorge jedoch immer mehr innerer Druck entstanden. Die Eltern hatten zunehmend das Gefühl:</p>
<p dir="auto" data-start="1492" data-end="1523"><em data-start="1492" data-end="1523">„Wir müssen jetzt etwas tun.“</em></p>
<p dir="auto" data-start="1525" data-end="1549"><em data-start="1525" data-end="1549">„Es muss mehr lernen.“</em></p>
<p dir="auto" data-start="1551" data-end="1607"><em data-start="1551" data-end="1607">„Wenn wir nicht aufpassen, wird es immer schwieriger.“</em></p>
<p dir="auto" data-start="1609" data-end="1707">Diese Gedanken beeinflussten auch die Art, wie sie mit ihrem Kind über Schule und Lernen sprachen.</p>
<h3 dir="auto" data-section-id="1fbwhc7" data-start="1709" data-end="1755">Was stand hinter dem Verhalten des Kindes?</h3>
<p dir="auto" data-start="1757" data-end="1948">Zu Beginn der Beratung war es wichtig, nicht sofort davon auszugehen, dass das eigentliche Problem darin bestand, dass das Kind einfach zu wenig lernte oder sich nicht ausreichend anstrengte.</p>
<p dir="auto" data-start="1950" data-end="2049">Zunächst musste genauer verstanden werden, <strong data-start="1993" data-end="2048">warum sich sein Verhalten überhaupt verändert hatte</strong>.</p>
<p dir="auto" data-start="2051" data-end="2280">Im Gespräch zeigte sich, dass Lernen für das Kind inzwischen mit viel Anspannung verbunden war. Es fühlte sich schulisch zunehmend überfordert und hatte immer häufiger den Eindruck, den Erwartungen nicht gerecht werden zu können.</p>
<p dir="auto" data-start="2282" data-end="2346">Dabei ging es nicht nur um die schulischen Anforderungen selbst.</p>
<p dir="auto" data-start="2348" data-end="2426">Auch die Reaktionen der Eltern spielten für das Erleben des Kindes eine Rolle.</p>
<p dir="auto" data-start="2428" data-end="2467">Wenn die Eltern beispielsweise fragten:</p>
<p dir="auto" data-start="2469" data-end="2495"><em data-start="2469" data-end="2495">„Hast du schon gelernt?“</em></p>
<p dir="auto" data-start="2497" data-end="2509">oder sagten:</p>
<p dir="auto" data-start="2511" data-end="2560"><em data-start="2511" data-end="2559">„Du musst dich jetzt wirklich mehr anstrengen“</em>,</p>
<p dir="auto" data-start="2562" data-end="2615">war dahinter aus ihrer Sicht vor allem Sorge gewesen.</p>
<p dir="auto" data-start="2617" data-end="2663">Das Kind erlebte diese Aussagen jedoch anders.</p>
<p dir="auto" data-start="2665" data-end="2700">Bei ihm kamen eher Gedanken an wie:</p>
<p dir="auto" data-start="2702" data-end="2735"><em data-start="2702" data-end="2735">„Ich mache es nicht gut genug.“</em></p>
<p dir="auto" data-start="2737" data-end="2778"><em data-start="2737" data-end="2778">„Meine Eltern sind enttäuscht von mir.“</em></p>
<p dir="auto" data-start="2780" data-end="2835"><em data-start="2780" data-end="2835">„Ich strenge mich an, aber es reicht trotzdem nicht.“</em></p>
<p dir="auto" data-start="2837" data-end="2859">Oder manchmal einfach:</p>
<p dir="auto" data-start="2861" data-end="2887"><em data-start="2861" data-end="2887">„Das ist alles zu viel.“</em></p>
<p dir="auto" data-start="2889" data-end="3033">Damit wurde ein wichtiger Unterschied sichtbar: <strong data-start="2937" data-end="3033">Die gleiche Situation hatte für die Eltern und für das Kind eine unterschiedliche Bedeutung.</strong></p>
<p dir="auto" data-start="3035" data-end="3223">Die Eltern wollten unterstützen, motivieren und verhindern, dass sich die schulischen Schwierigkeiten verstärkten. Das Kind erlebte einen Teil dieser Bemühungen jedoch zunehmend als Druck.</p>
<p dir="auto" data-start="3225" data-end="3428">Unter diesem Druck fiel es ihm immer schwerer, sich überhaupt mit dem Lernen auseinanderzusetzen. Es verschob Aufgaben, zog sich zurück und reagierte gereizt, wenn die Eltern das Thema Schule ansprachen.</p>
<h3 dir="auto" data-section-id="10rg075" data-start="3430" data-end="3481">Wie sich die Reaktionen gegenseitig verstärkten</h3>
<p dir="auto" data-start="3483" data-end="3568">Für die Eltern war wiederum vor allem das sichtbare Verhalten ihres Kindes erkennbar.</p>
<p dir="auto" data-start="3570" data-end="3651">Sie sahen, dass es weniger lernte, Gesprächen auswich und sich stärker zurückzog.</p>
<p dir="auto" data-start="3653" data-end="3679">Das verstärkte ihre Sorge.</p>
<p dir="auto" data-start="3681" data-end="3876">Je weniger das Kind lernte, desto stärker hatten die Eltern das Gefühl, eingreifen zu müssen. Sie erinnerten häufiger an schulische Aufgaben, kontrollierten mehr und erhöhten teilweise den Druck.</p>
<p dir="auto" data-start="3878" data-end="3926">Für das Kind bedeutete das noch mehr Anspannung.</p>
<p dir="auto" data-start="3928" data-end="4033">Je stärker es sich unter Druck gesetzt fühlte, desto häufiger vermied es das Lernen oder zog sich zurück.</p>
<p dir="auto" data-start="4035" data-end="4106">Dadurch entstand nach und nach ein sich selbst verstärkender Kreislauf:</p>
<p dir="auto" data-start="4108" data-end="4242"><strong data-start="4108" data-end="4242">Sorge der Eltern → zunehmender Druck → Überforderung und Rückzug des Kindes → noch größere Sorge der Eltern → noch stärkerer Druck</strong></p>
<p dir="auto" data-start="4244" data-end="4342">An diesem Punkt wurde in der Beratung deutlich, dass niemand diese Entwicklung beabsichtigt hatte.</p>
<p dir="auto" data-start="4344" data-end="4461">Die Eltern wollten ihr Kind nicht überfordern. Sie wollten ihm helfen und verhindern, dass es später Nachteile hatte.</p>
<p dir="auto" data-start="4463" data-end="4647">Auch das Kind wollte seine Eltern nicht enttäuschen. Gleichzeitig fühlte es sich zunehmend überfordert und wusste selbst immer weniger, wie es aus dieser Situation herauskommen sollte.</p>
<p dir="auto" data-start="4649" data-end="4703">Das Problem lag deshalb nicht einfach auf einer Seite.</p>
<p dir="auto" data-start="4705" data-end="4839">Es entstand vielmehr <strong data-start="4726" data-end="4838">in der Wechselwirkung zwischen den Sorgen und Reaktionen der Eltern und dem Erleben und Verhalten des Kindes</strong>.</p>
<p dir="auto" data-start="4841" data-end="4947">Gerade diese Perspektive war wichtig, weil dadurch die Frage nach Schuld in den Hintergrund treten konnte.</p>
<h3 dir="auto" data-section-id="f9bdl8" data-start="4949" data-end="4989">Was veränderte sich in der Beratung?</h3>
<p dir="auto" data-start="4991" data-end="5119">Im weiteren Verlauf ging es deshalb nicht darum, den Eltern zu sagen, dass sie keine Erwartungen mehr an ihr Kind haben sollten.</p>
<p dir="auto" data-start="5121" data-end="5270">Auch Anforderungen, Grenzen und Erwartungen gehören zur Erziehung. Kinder müssen lernen, Verantwortung zu übernehmen und mit Anforderungen umzugehen.</p>
<p dir="auto" data-start="5272" data-end="5478">Die entscheidende Frage war vielmehr, <strong data-start="5310" data-end="5478">welche Anforderungen in dieser konkreten Situation angemessen waren und wann aus einer hilfreichen Erwartung ein Druck entstand, der das Kind zusätzlich blockierte.</strong></p>
<p dir="auto" data-start="5480" data-end="5658">Gemeinsam wurde genauer betrachtet, was dem Kind das Lernen erschwerte, in welchen Bereichen es Unterstützung benötigte und wo es durchaus selbst Verantwortung übernehmen konnte.</p>
<p dir="auto" data-start="5660" data-end="5738">Gleichzeitig beschäftigten sich die Eltern stärker mit ihrer eigenen Reaktion.</p>
<p dir="auto" data-start="5740" data-end="5908">Sie begannen zu erkennen, dass ihre zunehmende Kontrolle nicht nur mit dem Verhalten ihres Kindes zusammenhing, sondern auch mit ihrer eigenen Angst vor dessen Zukunft.</p>
<p dir="auto" data-start="5910" data-end="6014">Je größer diese Angst geworden war, desto stärker hatten sie versucht, die Entwicklung zu kontrollieren.</p>
<p dir="auto" data-start="6016" data-end="6132">Dieses Verständnis bedeutete nicht, dass ihre Sorge unbegründet war oder dass sie ihre Erwartungen aufgeben mussten.</p>
<p dir="auto" data-start="6134" data-end="6264">Es half ihnen vielmehr dabei, zwischen ihrer eigenen Sorge und den tatsächlichen Möglichkeiten des Kindes besser zu unterscheiden.</p>
<p dir="auto" data-start="6266" data-end="6327">Auch die Perspektive des Kindes wurde dadurch verständlicher.</p>
<p dir="auto" data-start="6329" data-end="6581">Sein Rückzug konnte nun nicht mehr nur als fehlende Motivation oder mangelnde Bereitschaft zum Lernen betrachtet werden. Zumindest teilweise war er auch eine Reaktion auf eine Situation gewesen, in der sich das Kind zunehmend überfordert gefühlt hatte.</p>
<p dir="auto" data-start="6583" data-end="6743">Als die Eltern begannen, anders mit ihrer Sorge umzugehen und Gespräche über Schule weniger unter Druck zu führen, veränderte sich auch die Reaktion des Kindes.</p>
<p dir="auto" data-start="6745" data-end="6944">Es fiel ihm leichter, über seine Schwierigkeiten zu sprechen. Dadurch wurde genauer sichtbar, wo es tatsächlich Unterstützung brauchte und welche Anforderungen ihm weiterhin zugemutet werden konnten.</p>
<p dir="auto" data-start="6946" data-end="7003">Der bisherige Kreislauf begann sich dadurch zu verändern.</p>
<p dir="auto" data-start="7005" data-end="7124">Die Eltern mussten ihre Verantwortung nicht aufgeben. Das Kind wurde ebenfalls nicht von allen Anforderungen entlastet.</p>
<p dir="auto" data-start="7126" data-end="7277">Vielmehr entstand nach und nach ein angemesseneres Verhältnis zwischen <strong data-start="7197" data-end="7276">Anforderungen, Unterstützung und den tatsächlichen Möglichkeiten des Kindes</strong>.</p>
<p dir="auto" data-start="7279" data-end="7448">Das Beispiel zeigt, warum es in der Elternberatung häufig nicht ausreicht, nur auf das sichtbare Verhalten eines Kindes oder nur auf das Verhalten der Eltern zu schauen.</p>
<p dir="auto" data-start="7450" data-end="7656">Oft wird erst dann verständlicher, was eine schwierige Situation aufrechterhält, wenn man betrachtet, <strong data-start="7552" data-end="7656">was hinter den Reaktionen beider Seiten steht und wie Eltern und Kind sich gegenseitig beeinflussen.</strong></p><p dir="auto" data-start="7450" data-end="7656"><strong data-start="7552" data-end="7656">Mag. Wojciech Michalek, Psychotherapeut, Familien- und Lebensberater</strong></p>								</div>
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			</item>
		<item>
		<title>Unkontrollierte Wutausbrüche bei Erwachsenen – scheinbar aus dem Nichts, tatsächlich nicht ohne Grund</title>
		<link>https://psychotherapie-michalek.de/unkontrollierte-wutausbruche-bei-erwachsenen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Wojciech Michalek]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 13 Sep 2026 18:09:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aggression & Wut]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Unkontrollierte Wutausbrüche bei Erwachsenen – scheinbar aus dem Nichts, tatsächlich nicht ohne Grund Inhalt Wenn eine kleine Bitte plötzlich starke Wut auslöst – ein Fallbeispiel Wie berufliche Überforderung zu unterdrückter Wut führte Was wirklich hinter der Aggression stand Woran in der Therapie gearbeitet wurde Bei vielen Menschen, die bei sich Probleme mit Wut oder Aggression [&#8230;]</p>
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					<h1 class="elementor-heading-title elementor-size-default">Unkontrollierte Wutausbrüche bei Erwachsenen – scheinbar aus dem Nichts, tatsächlich nicht ohne Grund</h1>				</div>
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									<h4 style="text-align: center;"><strong>Inhalt</strong></h4>
<ul>
<li><a href="#fallbeispiel">Wenn eine kleine Bitte plötzlich starke Wut auslöst – ein Fallbeispiel</a></li>
<li><a href="#berufliche-situation">Wie berufliche Überforderung zu unterdrückter Wut führte</a></li>
<li><a href="#dahinter-aggression">Was wirklich hinter der Aggression stand</a></li>
<li><a href="#therapie-arbeit">Woran in der Therapie gearbeitet wurde</a></li>
</ul>
<p>Bei vielen Menschen, die bei sich Probleme mit Wut oder Aggression bemerken, kann man Sätze hören wie:</p>
<p><em>„Eigentlich war nichts.“</em></p>
<p><em>„Es war nur eine Kleinigkeit – und plötzlich bin ich ausgerastet.“</em></p>
<p>Oft verstehen sie selbst nicht, warum ihre Reaktion so stark war. Gleichzeitig merken sie, dass es ihnen in solchen Situationen schwerfällt, anders zu reagieren.</p>
<p>Aus psychotherapeutischer Perspektive kann man solche Situationen jedoch noch auf eine andere Weise betrachten:</p>
<p><strong>Hinter dem, was zunächst unwichtig oder wie „nichts“ erscheint, kann etwas sehr Wichtiges stehen – etwas, das der betroffenen Person in diesem Moment möglicherweise noch nicht bewusst ist.</strong></p>
<p>Was damit gemeint ist, möchte ich anhand eines Fallbeispiels zeigen.</p>
<h5 style="text-align: center;" id="fallbeispiel"><strong>Wenn eine kleine Bitte plötzlich starke Wut auslöst</strong></h5>
<p>Ein Mann – nennen wir ihn Lukas – bemerkte, dass er gegenüber seiner Frau immer wieder sehr stark reagierte, wenn sie ihn um etwas bat.</p>
<p>Zum Beispiel sagte sie:</p>
<p><em>„Kannst du bitte noch das Geschirr in die Spülmaschine räumen?“</em></p>
<p>Lukas wusste selbst:</p>
<p><em>„Das dauert vielleicht fünf Minuten. Eigentlich wäre ich schnell damit fertig.“</em></p>
<p>Trotzdem reagierte er manchmal plötzlich mit starker Wut und Aggression.</p>
<p>Auf den ersten Blick könnte man sich fragen:</p>
<p><strong>Warum rastet jemand wegen einer so kleinen Sache aus?</strong></p>
<p>Wenn man jedoch davon ausgeht, dass hinter einer solchen Reaktion möglicherweise etwas anderes und Bedeutenderes steht, lohnt es sich, danach zu suchen.</p>
<h5 style="text-align: center;" id="berufliche-situation"><strong>Was sich in seiner beruflichen Situation zeigte</strong></h5>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-medium_large wp-image-4771" src="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/maennerberatung-ueberforderung-stress-emotionen-768x576.webp" alt="Ein Mann wirkt erschöpft und überfordert, er reibt sich die Augen." width="768" height="576" srcset="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/maennerberatung-ueberforderung-stress-emotionen-768x576.webp 768w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/maennerberatung-ueberforderung-stress-emotionen-300x225.webp 300w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/maennerberatung-ueberforderung-stress-emotionen.webp 960w" sizes="(max-width: 768px) 100vw, 768px" /></p>
<p>Im Verlauf der Sitzungen berichtete Lukas auch über seine Arbeit.</p>
<p>Grundsätzlich mochte er seinen Beruf und viele seiner Tätigkeiten. Gleichzeitig trug er viel Verantwortung und hatte sehr viel zu erledigen.</p>
<p>Da er von seinem Vorgesetzten als zuverlässig und verantwortungsbewusst erlebt wurde, bekam er immer wieder zusätzliche Aufgaben.</p>
<p>Am Anfang erlebte Lukas das durchaus positiv. Er hatte das Gefühl:</p>
<p><em>„Man vertraut mir.“</em></p>
<p><em>„Meine Arbeit wird anerkannt.“</em></p>
<p>Mit der Zeit führte diese Situation jedoch zunehmend zu Überforderung und Frustration.</p>
<p>Sein Chef sagte beispielsweise:</p>
<p><em>„Könntest du noch eine kleine Aufgabe übernehmen?“</em></p>
<p>Und Lukas antwortete:</p>
<p><em>„Ja, mache ich.“</em></p>
<p>Innerlich wollte er es jedoch längst nicht mehr.</p>
<p>Solche Situationen wiederholten sich immer wieder.</p>
<p>Lukas hatte Angst, durch eine Absage Anerkennung zu verlieren oder berufliche Nachteile zu erfahren. Deshalb fiel es ihm sehr schwer, seinem Vorgesetzten Grenzen zu setzen oder „Nein“ zu sagen.</p>
<p>Gleichzeitig entwickelte sich in ihm immer mehr Wut.</p>
<p>Er bemerkte, dass ihm zusätzliche Aufgaben übertragen wurden, während andere Mitarbeiter teilweise weniger zu tun hatten und trotzdem ähnlich bezahlt wurden.</p>
<p>Diese Wut spürte er zwar, aber er ließ sie gegenüber seinem Vorgesetzten kaum zu und brachte sie dort auch nicht zum Ausdruck.</p>
<h5 style="text-align: center;"><strong>Die Bitte der Frau Auslöser oder Ursache der Aggression?</strong></h5>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-medium_large wp-image-4958" src="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/09/paar-stress-beziehung-768x512.webp" alt="Ein erschöpftes Paar sitzt am Küchentisch und wendet sich einander zu." width="768" height="512" srcset="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/09/paar-stress-beziehung-768x512.webp 768w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/09/paar-stress-beziehung-300x200.webp 300w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/09/paar-stress-beziehung.webp 900w" sizes="(max-width: 768px) 100vw, 768px" /></p>
<p>Wenn Lukas später nach Hause kam und seine Frau sagte:</p>
<p><em>„Kannst du noch eine kleine Aufgabe erledigen?“</em></p>
<p>konnte diese Situation etwas aktivieren, was bereits vorher vorhanden war.</p>
<p>Die Worte seiner Frau ähnelten sogar der Situation am Arbeitsplatz:</p>
<p><em>„Noch eine kleine Aufgabe …“</em></p>
<p>Die Wut, die nun plötzlich sehr stark erschien, bezog sich deshalb möglicherweise nicht nur auf die konkrete Bitte seiner Frau.</p>
<p>Ein wesentlicher Teil davon stand mit seiner Überforderung am Arbeitsplatz, seiner Frustration und seiner Schwierigkeit in Verbindung, dort Grenzen zu setzen.</p>
<p>Die Bitte seiner Frau konnte man in diesem Fall daher eher als <strong>Auslöser</strong> verstehen – nicht als eigentliche Ursache der gesamten Wut.</p>
<p>Etwas, das im Beruf nicht ausreichend wahrgenommen oder ausgedrückt werden konnte, wurde in einer anderen, ähnlichen Situation erneut aktiviert.</p>
<p>Die Aggression richtete sich dann gegen seine Frau, obwohl ein wichtiger Teil der dahinterliegenden Gefühle ursprünglich aus einer ganz anderen Beziehung und Situation stammte.</p>
<h5 style="text-align: center;"><strong>Warum wirken manche Wutausbrüche, als kämen sie „aus dem Nichts“?</strong></h5>
<p>Dieses Beispiel kann dabei helfen, eine bestimmte Frage anders zu betrachten.</p>
<p>Wenn jemand den Eindruck hat:</p>
<p><em>„Ich raste wegen nichts aus.“</em></p>
<p>kann es hilfreich sein, sich zusätzlich zu fragen:</p>
<p><strong>Ist dieses „Nichts“ vielleicht nur ein Auslöser für etwas, das gerade nicht sichtbar ist?</strong></p>
<p>Manchmal haben Situationen, die von außen unbedeutend erscheinen, eine bestimmte Ähnlichkeit mit früheren oder anderen belastenden Situationen.</p>
<p>Ein bestimmter Satz, ein Tonfall, eine Bitte oder das Gefühl, wieder etwas leisten zu müssen, kann Gefühle aktivieren, die ursprünglich in einem ganz anderen Zusammenhang entstanden sind.</p>
<p>Im Fall von Lukas bestand diese Ähnlichkeit unter anderem sogar in der Wortwahl:</p>
<p><em>„Noch eine kleine Aufgabe.“</em></p>
<p>Die Situation zu Hause berührte damit etwas, das sich bei der Arbeit bereits über längere Zeit aufgebaut hatte.</p>
<h5 style="text-align: center;" id="dahinter-aggression"><strong>Was stand eigentlich hinter seiner Aggression?</strong></h5>
<p>Hinter der Aggression von Lukas stand nicht nur der Wunsch, eine bestimmte Aufgabe nicht erledigen zu müssen.</p>
<p>Es zeigte sich vielmehr ein tieferes Bedürfnis:</p>
<p><strong>sich nicht ständig zu überfordern, die eigenen Grenzen wahrnehmen und schützen zu können und sich gleichzeitig weiterhin anerkannt und wertvoll zu erleben.</strong></p>
<p>Ein wichtiger innerer Konflikt bestand darin, dass Lukas Anerkennung stark mit Leistung verband.</p>
<p>Solange er zusätzliche Aufgaben übernahm, fühlte er sich zuverlässig, gebraucht und anerkannt.</p>
<p>Wenn er dagegen daran dachte, eine Aufgabe abzulehnen, entstanden Ängste:</p>
<p><em>„Was denkt mein Chef dann über mich?“</em></p>
<p><em>„Bin ich dann noch zuverlässig?“</em></p>
<p><em>„Verliere ich seine Anerkennung?“</em></p>
<p>So entstand eine schwierige Situation:</p>
<p>Wenn Lukas keine Grenzen setzte, überforderte er sich und wurde zunehmend wütend.</p>
<p>Wenn er Grenzen setzen wollte, bekam er Angst vor den möglichen Konsequenzen.</p>
<h5 style="text-align: center;" id="therapie-arbeit"><strong>Woran wurde in der Therapie gearbeitet?</strong></h5>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-medium_large wp-image-4772" src="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/maennertherapie-beratung-gespraech-therapeut-768x576.webp" alt="Zwei Männer im Gespräch; einer hört aufmerksam zu und hält einen Notizblock." width="768" height="576" srcset="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/maennertherapie-beratung-gespraech-therapeut-768x576.webp 768w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/maennertherapie-beratung-gespraech-therapeut-300x225.webp 300w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/maennertherapie-beratung-gespraech-therapeut.webp 960w" sizes="(max-width: 768px) 100vw, 768px" /></p>
<p>Die therapeutische Arbeit bezog sich deshalb nicht ausschließlich auf die Frage:</p>
<p><em>„Wie kann Lukas verhindern, aggressiv zu reagieren?“</em></p>
<p>Es ging auch darum, besser zu verstehen, <strong>woher diese Wut kam und was sie mit seinen Bedürfnissen, Ängsten und Grenzen zu tun hatte.</strong></p>
<p>Ein wichtiger Bereich war die Frage, wie Lukas seine eigenen Grenzen und Bedürfnisse besser wahrnehmen und vertreten konnte, ohne sich dabei automatisch schlecht oder schuldig zu fühlen.</p>
<p>Dabei wurde auch unterschieden:</p>
<p>Entstand die Schwierigkeit, „Nein“ zu sagen, hauptsächlich aus seiner inneren Angst?</p>
<p>Oder gab es tatsächlich äußere Bedingungen, beispielsweise einen Vorgesetzten, der Grenzen nicht akzeptierte?</p>
<p>Auch diese Unterscheidung war wichtig.</p>
<p>Lukas bereitete sich im Verlauf der Therapie auf ein Gespräch mit seinem Vorgesetzten vor.</p>
<p>Dabei zeigte sich, dass der Chef zwar gerne weiterhin auf Lukas&#8216; Zuverlässigkeit zurückgegriffen hätte. Als Lukas jedoch erklärte, dass die Menge der Aufgaben inzwischen zu viel geworden war und er an seine Grenzen kam, konnte sein Vorgesetzter dies nachvollziehen.</p>
<p>Gemeinsam konnten andere Lösungen gefunden werden.</p>
<h5 style="text-align: center;"><strong>Nicht nur die Aggression veränderte sich</strong></h5>
<p>Mit der Zeit lernte Lukas, seine Grenzen früher wahrzunehmen und klarer zu kommunizieren.</p>
<p>Gleichzeitig arbeitete er daran, seinen eigenen Wert und das Gefühl von Anerkennung nicht ausschließlich von Leistung abhängig zu machen.</p>
<p>Auch einige der Ängste, die mit dem Setzen von Grenzen verbunden waren, konnten bearbeitet werden.</p>
<p>Dadurch wurde seine Wut für ihn besser verständlich und kontrollierbarer.</p>
<p>Wenn er sich ärgerte, konnte er dies zunehmend <strong>angemessener und weniger impulsiv</strong> ausdrücken.</p>
<p>Die Veränderung betraf dabei nicht nur seine Aggression.</p>
<p>Lukas machte auch in anderen Lebensbereichen die Erfahrung:</p>
<p><em>„Ich kann eine Grenze setzen und trotzdem gemocht werden.“</em></p>
<p>Diese Erfahrung hatte wiederum einen positiven Einfluss auf seine Beziehungen.</p>
<h5 style="text-align: center;"><strong>Techniken gegen Aggression – oder die Ursachen verstehen?</strong></h5>
<p>Zu Beginn der Therapie kam Lukas mit dem Wunsch, bestimmte Techniken und Methoden zu lernen, um nicht mehr so aggressiv zu reagieren.</p>
<p>Solche Techniken können manchmal hilfreich sein, aber nicht immer ausreichend.</p>
<p>Zum Beispiel kann man lernen, entstehende Anspannung früher zu erkennen, eine Situation rechtzeitig zu verlassen oder andere Möglichkeiten zu nutzen, bevor die Aggression zu stark wird.</p>
<p>Im Fall von Lukas zeigte sich jedoch, dass es für ihn hilfreich war, zusätzlich danach zu fragen, <strong>was psychisch hinter seiner Aggression stand</strong>.</p>
<p>Hätte er ausschließlich gelernt, seine Reaktion zu stoppen, hätte dies möglicherweise verhindert, dass er seine Frau anschreit.</p>
<p>Die Überforderung, die nicht gesetzten Grenzen, die unterdrückte Wut und die Angst vor dem Verlust von Anerkennung wären dadurch jedoch nicht automatisch verschwunden.</p>
<p>Sie hätten ihn weiterhin belasten und sich möglicherweise auf andere Weise zeigen können.</p>
<p>In der psychotherapeutischen Arbeit zeigt sich immer wieder, dass hinter starken aggressiven Reaktionen solche zunächst wenig sichtbaren Ursachen und Mechanismen stehen können.</p>
<p>Deshalb kann es – insbesondere dann, wenn verschiedene Techniken bereits ausprobiert wurden, die Probleme jedoch immer wieder auftreten – sinnvoll sein, Aggression aus zwei Perspektiven gleichzeitig zu betrachten:</p>
<p><strong>Einerseits ist sie eine Reaktion, die destruktiv sein kann und weitere Probleme verursacht.</strong></p>
<p><strong>Andererseits kann sie auch Ausdruck von etwas sein, das einen Menschen innerlich belastet und noch nicht ausreichend verstanden wurde.</strong></p>
<p>Eine solche tiefergehende Arbeit kann herausfordernder sein, weil sie nicht nur nach der unmittelbaren Kontrolle der Aggression fragt.</p>
<p>Sie kann jedoch Veränderungen ermöglichen, die sich nicht ausschließlich auf die Aggression beschränken, sondern auch andere Lebensbereiche betreffen.</p>
<p>Im Fall von Lukas bedeutete dies beispielsweise, dass er nicht nur weniger impulsiv reagierte, sondern auch besser Grenzen setzen, eigene Bedürfnisse wahrnehmen und Beziehungen freier gestalten konnte.</p>
<p>Mag. Wojciech Michalek, Psychotherapeut, Familien und Lebensberater</p>								</div>
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			</item>
		<item>
		<title>Aggression bei kleinen Kindern – was kann hinter Schlagen, Wut und starken Reaktionen stecken?</title>
		<link>https://psychotherapie-michalek.de/aggression-bei-kleinen-kindern/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Wojciech Michalek]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 05 Sep 2026 10:08:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Elternberatung & Erziehung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Was kann ein kleines Kind durch Schlagen, Schreien oder starke Worte ausdrücken? Das Fallbeispiel eines Vierjährigen lädt dazu ein, aggressives Verhalten aus der Perspektive des Kindes zu verstehen.</p>
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									<h2>Inhalt dieses Artikels</h2><ul><li>Was kann hinter aggressivem Verhalten bei kleinen Kindern stehen?</li><li>Wie kann ein Kind durch Schlagen, Schreien oder bestimmte Aussagen etwas ausdrücken, was es noch nicht in Worte fassen kann?</li><li>Was zeigt das Fallbeispiel eines vierjährigen Kindes?</li><li>Wie können Eltern versuchen, die Ursachen aggressiven Verhaltens besser zu verstehen?</li></ul><figure style="margin: 28px 0;"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-4905" style="width: 100%; height: auto; border-radius: 12px;" src="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/09/eltern-kind-aufmerksam-zuhoeren.webp" alt="Mutter und Vater hören ihrem kleinen Sohn auf dem Sofa aufmerksam zu." width="1200" height="800" srcset="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/09/eltern-kind-aufmerksam-zuhoeren.webp 1200w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/09/eltern-kind-aufmerksam-zuhoeren-300x200.webp 300w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/09/eltern-kind-aufmerksam-zuhoeren-1024x683.webp 1024w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/09/eltern-kind-aufmerksam-zuhoeren-768x512.webp 768w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><p> </p><figcaption style="font-size: 13px; color: #607079;"></figcaption></figure><h2>Aggressives Verhalten bei kleinen Kindern verstehen</h2><p>Verhaltensweisen kleiner Kinder wie Schlagen, Treten, das Werfen mit Gegenständen oder Schreien können für Eltern eine große Herausforderung darstellen. Ähnlich belastend können Aussagen sein wie:</p><p>„Ich liebe dich nicht mehr.“<br />„Du bist schlecht.“</p><p>Einerseits möchten Eltern nicht, dass sich ihr eigenes Kind auf diese Weise verhält. Andererseits weckt ein solches Verhalten häufig starke Emotionen bei ihnen – besonders dann, wenn sie sich dadurch von anderen beobachtet, beurteilt oder sogar verurteilt fühlen.</p><p>Oft bemühen sich Eltern mit unterschiedlichen Methoden darum, ihrem Kind beizubringen, sich anders zu verhalten. Trotzdem kommt es manchmal immer wieder zu denselben Situationen.</p><p>Dieser Artikel soll dazu anregen, über eine bestimmte Möglichkeit nachzudenken: nämlich darüber, dass Aggression bei kleinen Kindern manchmal eine Art verschlüsselte Sprache des Kindes sein kann, durch die es etwas ausdrückt, was es noch nicht auf andere Weise mitteilen oder innerlich aushalten kann.</p><p>Wenn es gelingt, diese Botschaft ein Stück weit zu entschlüsseln, kann dies auch dabei helfen, das Kind besser zu unterstützen.</p><p>Gleichzeitig bedeutet das nicht, dass hinter aggressivem Verhalten immer ausschließlich psychische Ursachen stehen müssen. Auch biologische, entwicklungsbedingte oder andere Faktoren können eine Rolle spielen oder einen starken Einfluss auf das Verhalten haben.</p><p>Die Tatsache, dass hinter Aggression bestimmte Ursachen stehen können, soll aggressives Verhalten nicht rechtfertigen oder entschuldigen. Sie kann vielmehr einen Weg zeigen, über den geeignetere Lösungen gefunden werden können.</p><p>Grenzen zu setzen kann deshalb durchaus hilfreich und notwendig sein. Grenzen können auch dazu führen, dass ein bestimmtes Verhalten nicht mehr auftritt. Das ist jedoch nicht automatisch damit gleichzusetzen, dass auch das zugrunde liegende Problem gelöst wurde. Es kann sich beim Kind möglicherweise auf eine andere Weise zeigen oder weiterhin eine innere Belastung darstellen.</p><p>Was damit konkret gemeint ist, möchte ich anhand des folgenden Beispiels darstellen.</p><h2>Ein Fallbeispiel: Marco, vier Jahre alt</h2><p>Marco war vier Jahre alt. Immer wieder verlangte er nach Süßigkeiten.</p><p>Wenn seine Mutter ihm keine geben wollte, reagierte er manchmal sehr heftig. Er schlug sie und sagte:</p><p>„Du bist schlecht.“</p><p>Oder:</p><p>„Ich liebe dich nicht mehr.“</p><p>Für seine Mutter war dieses Verhalten schwer verständlich. Sie wollte ihrem Sohn nicht zu viele Süßigkeiten geben. Sie wollte nicht, dass er sich zu stark daran gewöhnte oder dass es seiner Gesundheit schadete, und setzte deshalb Grenzen.</p><p>Auf den ersten Blick könnte man leicht denken:</p><p>Marco bekam nicht das, was er wollte, und reagierte deshalb mit Wut.</p><p>Oder vielleicht:</p><p>„Er muss lernen, Grenzen zu akzeptieren.“</p><p>Oder:</p><p>„Vielleicht ist er verwöhnt.“</p><p>Im Verlauf der therapeutischen Arbeit zeigte sich jedoch noch etwas anderes.</p><h3>Was Marco im Spiel zeigte</h3><figure style="margin: 28px 0;"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-4906" style="width: 100%; height: auto; border-radius: 12px;" src="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/09/kind-vater-puppenhaus-spiel.webp" alt="Ein Vater und sein kleines Kind spielen gemeinsam mit einem hölzernen Puppenhaus." width="1200" height="800" srcset="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/09/kind-vater-puppenhaus-spiel.webp 1200w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/09/kind-vater-puppenhaus-spiel-300x200.webp 300w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/09/kind-vater-puppenhaus-spiel-1024x683.webp 1024w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/09/kind-vater-puppenhaus-spiel-768x512.webp 768w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><p> </p><figcaption style="font-size: 13px; color: #607079;"></figcaption></figure><p>Während einer Therapiestunde spielte Marco mit einem Puppenhaus.</p><p>In einer Szene stellte er zwei Erwachsene dar, die sich Sorgen um ihre finanzielle Situation machten. Sinngemäß sprachen sie darüber:</p><p>„Was passiert, wenn du deine Arbeit verlierst?“<br />„Was machen wir dann?“</p><p>In einer anderen Szene stritten sich die beiden Erwachsenen darüber, wer sich um ein kleines Kind kümmern sollte.</p><p>Als Marco später danach gefragt wurde, ob er ähnliche Situationen kenne, erzählte er, dass seine Mutter und sein Vater in letzter Zeit häufig über die Arbeit gesprochen hätten.</p><p>Seine körperliche Reaktion während dieses Gesprächs wies darauf hin, dass dieses Thema in diesem Augenblick eine starke Anspannung bei ihm auslöste.</p><p>Er sagte:</p><p>„Mama ist dann traurig. Ich will das nicht.“</p><p>Auch die zweite Spielszene bekam im Gespräch eine besondere Bedeutung. Marco hatte die Auseinandersetzungen seiner Eltern darüber, wer gerade Zeit mit ihm verbringen konnte, offenbar anders verstanden als die Erwachsenen.</p><p>Seine Eltern erlebten die Situation möglicherweise eher so:</p><p>„Wir sind beide erschöpft. Wer kann sich jetzt um Marco kümmern?“</p><p>Marco verstand sie jedoch eher als:</p><p>„Mama und Papa wollen nicht mit mir spielen. Vielleicht mögen sie mich nicht.“</p><p>Als er darüber sprach, wirkte er sehr traurig.</p><h3>Dieselbe Situation kann für Eltern und Kind etwas anderes bedeuten</h3><p>Im anschließenden Elterngespräch wurden diese Beobachtungen gemeinsam besprochen.</p><p>Den Eltern war zunächst nicht bewusst gewesen, wie stark Marco ihre Sorgen um Arbeit und Geld wahrgenommen hatte.</p><p>Auch konnten sie zunächst nur schwer verstehen, weshalb er ihre Gespräche darüber, wer mit ihm spielen sollte, als Ablehnung erlebt hatte. Schließlich spielten sie oft mit ihm, unternahmen gemeinsam Dinge und liebten ihren Sohn sehr.</p><p>Gleichzeitig konnten sie nach und nach nachvollziehen, dass Marco die Situation aus seiner kindlichen Perspektive anders interpretiert hatte.</p><p>Was für die Eltern Ausdruck von Erschöpfung und dem Bedürfnis nach Erholung gewesen war, konnte von Marco als persönliche Ablehnung verstanden werden.</p><p>Niemand hatte ihm gesagt:</p><p>„Wir wollen nicht mit dir zusammen sein.“</p><p>Trotzdem konnte sich die Situation für ihn so angefühlt haben.</p><h3>Was hatte das mit den Süßigkeiten zu tun?</h3><p>Im Verlauf der Gespräche stellte sich heraus, dass Marco besonders häufig nach Süßigkeiten verlangte, wenn er angespannt, traurig oder verunsichert gewesen war.</p><p>Das bedeutete nicht, dass sein Wunsch nach Süßigkeiten ausschließlich psychische Ursachen hatte.</p><p>Kinder mögen Süßes natürlich auch einfach deshalb, weil es gut schmeckt. Sie können sich außerdem stark daran gewöhnen. In bestimmten Situationen können Süßigkeiten darüber hinaus auch eine beruhigende Funktion bekommen.</p><p>Bei Marco schienen sie in diesen bestimmten Situationen zusätzlich dabei zu helfen, unangenehme Gefühle kurzfristig zu beruhigen.</p><p>Wenn man sein Verhalten versuchsweise in Worte übersetzen würde, könnte dahinter etwas stehen wie:</p><p>„Ich bin beunruhigt und weiß nicht, wie ich mit diesem Gefühl umgehen soll. Die Süßigkeiten helfen mir für einen Moment, mich besser zu fühlen.“</p><p>Wenn die Mutter ihm die Süßigkeiten anschließend verweigerte, verlor Marco gleichzeitig eine Möglichkeit, mit dieser inneren Anspannung umzugehen.</p><p>Sein Schlagen oder Schreien könnte dann sinngemäß ausdrücken:</p><p>„Ich halte das gerade nicht gut aus und kenne noch keinen anderen Weg, damit umzugehen.“</p><p>Es handelt sich dabei nicht um Gedanken, die ein vierjähriges Kind bewusst in genau dieser Form haben muss.</p><p>Es ist vielmehr eine mögliche psychotherapeutische Übersetzung dessen, was sich über sein Verhalten zeigte.</p><h3>„Mama, ich liebe dich nicht mehr“</h3><p>Auch die Aussage:</p><p>„Mama, ich liebe dich nicht mehr.“</p><p>bedeutete nicht, dass Marco seine Mutter tatsächlich nicht liebte.</p><p>Möglicherweise brachte er damit ein Gefühl zum Ausdruck, das er selbst in anderen Situationen erlebt hatte.</p><p>Sinngemäß könnte darin etwas liegen wie:</p><p>„Spür einmal, wie es sich für mich anfühlt, wenn ich glaube, dass ihr mich nicht wollt.“</p><p>Es könnte so verstanden werden, als ob Marco etwas, das ihn innerlich belastete und für ihn schwer auszuhalten war, gewissermaßen von sich weg und auf einen anderen Menschen übertragen wollte, damit er selbst dieses Gefühl zumindest für einen Moment nicht mehr so stark spüren musste.</p><p>Kleine Kinder können ihre Gefühle noch sehr unmittelbar erleben. In manchen Situationen kann sich ein Gefühl für sie so anfühlen, als wäre es die Realität selbst.</p><p>Für Marco konnte dies möglicherweise bedeuten:</p><p>„Die Menschen, die mir am wichtigsten sind, wollen mich nicht.“</p><p>Dass Marco dies so empfand, bedeutete jedoch nicht, dass seine Eltern ihn tatsächlich ablehnten.</p><p>Seine Eltern liebten ihn und kümmerten sich um ihn. Trotzdem konnte sich eine bestimmte Situation aus seiner kindlichen Perspektive anders anfühlen.</p><h3>Was wurde mit den Eltern besprochen?</h3><figure style="margin: 28px 0;"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-4907" style="width: 100%; height: auto; border-radius: 12px;" src="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/09/mutter-kind-gefuehle-gespraech.webp" alt="Eine Mutter hört ihrem Sohn beim Gespräch auf dem Wohnzimmerboden aufmerksam zu." width="1200" height="800" srcset="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/09/mutter-kind-gefuehle-gespraech.webp 1200w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/09/mutter-kind-gefuehle-gespraech-300x200.webp 300w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/09/mutter-kind-gefuehle-gespraech-1024x683.webp 1024w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/09/mutter-kind-gefuehle-gespraech-768x512.webp 768w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><p> </p><figcaption style="font-size: 13px; color: #607079;"></figcaption></figure><p>Ein Teil der Arbeit bestand darin, Marco dabei zu helfen, das Verhalten seiner Eltern besser einzuordnen.</p><p>Die finanziellen Sorgen sollten nicht einfach vor ihm geheim gehalten werden. Gleichzeitig war es wichtig, mit ihm in einer seinem Alter entsprechenden Weise darüber zu sprechen und ihm Sicherheit zu vermitteln.</p><p>Zum Beispiel konnte ihm erklärt werden, dass Erwachsene manchmal Sorgen wegen ihrer Arbeit haben, dass diese Sorgen jedoch nichts mit ihm zu tun haben und dass seine Eltern versuchen, Lösungen dafür zu finden.</p><p>Auch die Situationen, in denen seine Eltern erschöpft waren und nicht mit ihm spielen konnten, wurden anders begleitet.</p><p>Es ging dabei ausdrücklich nicht darum, dass die Eltern nun immer mit Marco spielen oder jeden seiner Wünsche erfüllen sollten.</p><p>Vielmehr sollte Marco nach und nach erfahren:</p><p>„Mama oder Papa können gerade keine Zeit für mich haben und mich trotzdem lieben.“</p><p>So konnte einerseits seine Fähigkeit wachsen, eine gewisse zeitweise Abwesenheit oder Nichtverfügbarkeit der Eltern besser auszuhalten – natürlich nur in einem Ausmaß, das seinem Alter und seinen Möglichkeiten entsprach.</p><p>Andererseits wurde sein Bezug zur tatsächlichen Beziehung gestärkt – zu den vielen Situationen, in denen er Zuwendung, Nähe und Liebe von seinen Eltern erlebte.</p><h3>Was veränderte sich?</h3><p>Nach der therapeutischen Arbeit mit Marco und seinen Eltern sowie nach bestimmten Veränderungen im Umgang mit diesen Situationen bemerkten die Eltern, dass Marco deutlich seltener aggressiv reagierte.</p><p>Entscheidend war dabei nicht nur, das Schlagen zu unterbinden.</p><p>Dadurch, dass die Eltern besser verstanden, was Marco belastete und wie er bestimmte Situationen interpretierte, konnten sie ihn auch besser dabei unterstützen, mit diesen Situationen und den damit verbundenen Gefühlen umzugehen.</p><h2>Psychotherapeutischer Kommentar</h2><p>Das Beispiel zeigt eine mögliche Perspektive auf aggressives Verhalten bei kleinen Kindern.</p><p>Hinter einer aggressiven Reaktion kann etwas stehen, das zunächst nicht sichtbar ist.</p><p>Das bedeutet nicht, dass jedes aggressive Verhalten eines Kindes eine verborgene psychische Ursache haben muss. Es bedeutet auch nicht, dass jede aggressive Reaktion auf dieselbe Weise verstanden werden kann.</p><p>Es kann jedoch hilfreich sein, sich dafür zu interessieren, ob das sichtbare Verhalten möglicherweise eine Spur zu etwas anderem darstellt – zu etwas, womit das Kind noch nicht zurechtkommt oder was es noch nicht direkt ausdrücken kann.</p><h2>Eltern als eine Art „liebevolle Detektive“</h2><p>Vielleicht kann man sich die Aufgabe der Eltern manchmal wie die eines liebevollen Detektivs vorstellen, der sich dafür interessiert, ob ein bestimmtes Verhalten eine Spur zu etwas anderem sein könnte und wohin diese Spur möglicherweise führt.</p><p>Dabei geht es nicht darum, hinter jedem Verhalten unbedingt etwas Verborgenes finden zu müssen.</p><p>Es müssen auch nicht immer Belastungen derselben Art sein wie in dem hier dargestellten Beispiel.</p><p>Hinter aggressivem Verhalten bei kleinen Kindern können sehr unterschiedliche Ursachen stehen.</p><p>Es kann beispielsweise tatsächlich darum gehen, dass ein Kind Schwierigkeiten damit hat, Grenzen zu akzeptieren – vielleicht weil es bisher daran gewöhnt war, dass bestimmte Wünsche häufig erfüllt wurden.</p><p>Es können aber ebenso andere psychische, entwicklungsbedingte, biologische, organische oder genetische Faktoren eine Rolle spielen.</p><p>Deshalb ist es wichtig, aggressives Verhalten eines Kindes individuell einzuschätzen und im Zusammenhang mit seiner konkreten Situation zu verstehen.</p><p>Dabei kann es hilfreich sein, nicht nur zu fragen:</p><p>„Wie kann ich erreichen, dass mein Kind damit aufhört?“</p><p>sondern zusätzlich:</p><p>„Warum verhält sich mein Kind gerade auf diese Weise?“<br />„Was könnte hinter diesem Verhalten stehen?“</p><p>und:</p><p>„Was braucht mein Kind, damit es mit dem, was es gerade erlebt, auf eine andere Weise umgehen kann?“</p><p>Autor: Mag. Wojciech Michalek, Psychotherapeut, Familien- und Lebensberater</p>								</div>
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		<title>Aggression in der Partnerschaft: äußerer Stress, Beziehungskonflikte und alte Verletzungen</title>
		<link>https://psychotherapie-michalek.de/aggression-in-partnerschaft-ursachen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Wojciech Michalek]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Aug 2026 07:47:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aggression & Wut]]></category>
		<category><![CDATA[Aggression Partnerschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Ursachen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Aggression in Beziehungen – liegt die Ursache in der Beziehung oder außerhalb? Aggression in Form von heftigen Streitigkeiten, Wutausbrüchen oder unkontrollierten Reaktionen zeigt sich nicht selten gerade in Partnerschaften und anderen engen Beziehungen. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die Ursachen ausschließlich in der Beziehung selbst liegen. In der therapeutischen Arbeit zeigt sich immer wieder, [&#8230;]</p>
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					<h1 class="elementor-heading-title elementor-size-default">Aggression in Beziehungen – liegt die Ursache in der Beziehung oder außerhalb?</h1>				</div>
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									<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4724 size-large" src="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/alte-verletzungen-in-der-partnerschaft-1024x682.webp" alt="" width="800" height="533" srcset="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/alte-verletzungen-in-der-partnerschaft-1024x682.webp 1024w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/alte-verletzungen-in-der-partnerschaft-300x200.webp 300w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/alte-verletzungen-in-der-partnerschaft-768x512.webp 768w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/alte-verletzungen-in-der-partnerschaft.webp 1400w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /></p><p>Aggression in Form von heftigen Streitigkeiten, Wutausbrüchen oder unkontrollierten Reaktionen zeigt sich nicht selten gerade in Partnerschaften und anderen engen Beziehungen.</p><p>Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die Ursachen ausschließlich in der Beziehung selbst liegen.</p><p>In der therapeutischen Arbeit zeigt sich immer wieder, dass aggressive Reaktionen in einer Partnerschaft durch sehr unterschiedliche Faktoren beeinflusst werden können. Manche davon entstehen unmittelbar in der Beziehung. Andere kommen gewissermaßen von außen mit hinein – zum Beispiel durch Belastungen am Arbeitsplatz. Wieder andere hängen mit früheren Erfahrungen oder psychischen Mustern zusammen, die in der aktuellen Beziehung aktiviert werden.</p><p>Im Folgenden möchte ich drei Beispiele zeigen, die solche Zusammenhänge veranschaulichen.</p><h4 style="text-align: center;"><strong>1. Belastungen aus anderen Lebensbereichen werden in die Beziehung mitgenommen</strong></h4><p data-start="511" data-end="528"><strong data-start="511" data-end="528">Fallbeispiel:</strong></p><p data-start="530" data-end="761">Eine Frau beginnt eine Therapie, weil sie bemerkt, dass sie ihrem Mann gegenüber immer wieder sehr gereizt und wütend reagiert. Besonders stark wird ihre Reaktion, wenn er sie auf etwas hinweist oder eine kritische Bemerkung macht.</p><p data-start="763" data-end="1124">Eigentlich erlebt sie ihren Mann nicht als besonders kritisch. Wenn sie später in Ruhe über die Situationen nachdenkt, erscheinen ihr viele seiner Bemerkungen nachvollziehbar oder zumindest nicht so schwerwiegend, wie sie sie im ersten Moment erlebt hat. Umso weniger versteht sie, warum sie sich so schnell angegriffen fühlt und teilweise sehr heftig reagiert.</p><p data-start="1126" data-end="1255">In der Therapie wird deshalb genauer betrachtet, ob sie ähnliche Gefühle auch aus anderen Beziehungen oder Lebensbereichen kennt.</p><p data-start="1257" data-end="1655">Mit der Zeit wird deutlich, dass sie bei der Arbeit immer wieder starke Kritik erlebt. Ihr Vorgesetzter weist sie häufig auf Fehler hin, teilweise auch in Situationen, in denen sie selbst die Kritik als unangemessen oder übertrieben empfindet. Manche Bemerkungen erlebt sie als abwertend. Zeitweise hat sie sogar den Eindruck, gezielt bloßgestellt oder immer wieder negativ herausgehoben zu werden.</p><p data-start="1657" data-end="1785">Einige dieser Situationen haben für sie bereits Züge von Mobbing oder zumindest einer länger anhaltenden abwertenden Behandlung.</p><p data-start="1787" data-end="1859">Gegenüber ihrem Vorgesetzten fällt es ihr jedoch schwer, sich zu wehren.</p><p data-start="1861" data-end="2023">Sie hat Angst, dass eine offene Auseinandersetzung ihre berufliche Situation verschlechtern könnte. Gleichzeitig beginnt sie zunehmend an sich selbst zu zweifeln:</p><p data-start="2025" data-end="2073"><em data-start="2025" data-end="2073">„Vielleicht bin ich wirklich nicht gut genug.“</em></p><p data-start="2075" data-end="2128"><em data-start="2075" data-end="2128">„Vielleicht mache ich tatsächlich zu viele Fehler.“</em></p><p data-start="2130" data-end="2176"><em data-start="2130" data-end="2176">„Vielleicht bin ich einfach zu empfindlich.“</em></p><p data-start="2178" data-end="2309">So sammelt sich mit der Zeit viel Wut, Kränkung und Hilflosigkeit an, ohne dass sie diese Gefühle dort ausreichend ausdrücken kann.</p><p data-start="2311" data-end="2358">Zu Hause sagt ihr Mann irgendwann zum Beispiel:</p><p data-start="2360" data-end="2399"><em data-start="2360" data-end="2399">„Du hast das schon wieder vergessen.“</em></p><p data-start="2401" data-end="2543">Für ihn ist es möglicherweise nur eine alltägliche Bemerkung. Bei ihr löst dieser Satz jedoch plötzlich eine wesentlich stärkere Reaktion aus.</p><p data-start="2545" data-end="2683">Sie hört darin nicht nur das, was ihr Mann gerade gesagt hat. Gleichzeitig werden Gefühle aktiviert, die sie bereits aus der Arbeit kennt:</p><p data-start="2685" data-end="2725"><em data-start="2685" data-end="2725">„Schon wieder mache ich etwas falsch.“</em></p><p data-start="2727" data-end="2765"><em data-start="2727" data-end="2765">„Schon wieder werde ich kritisiert.“</em></p><p data-start="2767" data-end="2793"><em data-start="2767" data-end="2793">„Ich bin nie gut genug.“</em></p><p data-start="2795" data-end="2910">Sie wird wütend, fühlt sich angegriffen und beginnt, sich heftig zu verteidigen oder ihren Mann selbst anzugreifen.</p><p data-start="2912" data-end="3124"><strong data-start="2912" data-end="3124">Der Mann ist in dieser Situation zwar der unmittelbare Auslöser der Reaktion. Ein wesentlicher Teil der Wut, Kränkung und Hilflosigkeit ist jedoch bereits vorher in einem anderen Beziehungskontext entstanden.</strong></p><p data-start="3126" data-end="3351">Psychologisch kann man hier von einer Art <strong data-start="3168" data-end="3184">Verschiebung</strong> sprechen: Gefühle, die in einer Beziehung nicht oder nur schwer ausgedrückt werden können, werden in einer anderen Beziehung aktiviert und dort zum Ausdruck gebracht.</p><p data-start="3353" data-end="3629">Das bedeutet nicht, dass jede Kritik des Partners unwichtig oder automatisch berechtigt ist. Entscheidend ist vielmehr, zu verstehen, warum eine bestimmte Bemerkung eine viel stärkere emotionale Reaktion auslöst, als es allein aus der aktuellen Situation nachvollziehbar wäre.</p><p data-start="3631" data-end="4014">Ein wichtiger Teil der therapeutischen Arbeit besteht deshalb nicht nur darin, die Konflikte mit dem Ehemann zu betrachten. Es geht auch darum, die Erfahrungen am Arbeitsplatz ernst zu nehmen, besser zwischen aktueller Kritik und früheren oder anderen abwertenden Erfahrungen zu unterscheiden und Möglichkeiten zu entwickeln, sich dort angemessener zu schützen und Grenzen zu setzen.</p><p data-start="4016" data-end="4093">Gleichzeitig kann die Frau lernen, in der Partnerschaft genauer wahrzunehmen:</p><p data-start="4095" data-end="4222"><em data-start="4095" data-end="4222">„Was sagt mein Mann tatsächlich gerade – und was höre ich zusätzlich aufgrund dessen, was ich an anderer Stelle erlebt habe?“</em></p><p data-start="4224" data-end="4526">Mit der Zeit kann sich dadurch auch die Dynamik in der Partnerschaft verändern. Die Frau reagiert weniger schnell so, als würde jede Bemerkung eine grundsätzliche Abwertung ihrer Person bedeuten, und kann gleichzeitig klarer sagen, wenn sie sich tatsächlich verletzt oder unangemessen kritisiert fühlt.</p><p data-start="4528" data-end="4750"><strong data-start="4528" data-end="4750">Manchmal liegt ein Teil der Ursache von Aggression in der Partnerschaft deshalb nicht ausschließlich in der Partnerschaft selbst, sondern in Erfahrungen und Gefühlen, die aus einer anderen Beziehung mitgebracht werden.</strong></p><h4 style="text-align: center;"><strong>2. Nicht erkannte Beziehungsmuster können einen Teufelskreis entstehen lassen</strong></h4><p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-4725 size-large" src="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/naehe-und-distanz-in-der-partnerschaft-1024x682.webp" alt="" width="800" height="533" srcset="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/naehe-und-distanz-in-der-partnerschaft-1024x682.webp 1024w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/naehe-und-distanz-in-der-partnerschaft-300x200.webp 300w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/naehe-und-distanz-in-der-partnerschaft-768x512.webp 768w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/naehe-und-distanz-in-der-partnerschaft.webp 1400w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /></p><p><strong>Fallbeispiel:</strong></p><p>Ein Ehemann hat ein starkes Bedürfnis nach Nähe. Gleichzeitig hat er große Angst davor, verlassen oder nicht mehr geliebt zu werden.</p><p>Aus dieser Angst heraus möchte er möglichst viel Zeit mit seiner Frau verbringen. Manchmal versucht er auch, mehr Kontrolle über den Kontakt zu bekommen. Er schreibt ihr sehr häufig, möchte genau wissen, wo sie ist, oder schaut beispielsweise auf ihr Handy.</p><p>Seine Frau hat dagegen ein stärkeres Bedürfnis nach Eigenständigkeit und Abstand. Das kontrollierende Verhalten ihres Mannes erlebt sie als einengend und belastend. Deshalb beginnt sie, sich häufiger zurückzuziehen.</p><p>Genau dieser Rückzug trifft wiederum auf die größte Angst des Mannes.</p><p>Er erlebt ihn als Zurückweisung und möglicherweise als Bestätigung:</p><p><strong>„Sie entfernt sich von mir.“</strong></p><p>Seine innere Anspannung steigt. Er versucht vielleicht noch stärker, Nähe herzustellen oder Kontrolle zu gewinnen, und reagiert zunehmend gereizt oder aggressiv.</p><p>Die Frau fühlt sich dadurch noch stärker eingeengt und zieht sich weiter zurück.</p><p>So kann ein Teufelskreis entstehen:</p><p><strong>Angst vor Verlust → mehr Kontrolle → Rückzug der Partnerin → noch stärkere Verlustangst → noch mehr Kontrolle und Anspannung.</strong></p><p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-4727 size-large aligncenter" src="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/teufelskreis-in-der-beziehung-1024x683.webp" alt="" width="800" height="534" srcset="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/teufelskreis-in-der-beziehung-1024x683.webp 1024w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/teufelskreis-in-der-beziehung-300x200.webp 300w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/teufelskreis-in-der-beziehung-768x512.webp 768w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/teufelskreis-in-der-beziehung.webp 1536w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /></p><p>Dabei verfolgt der Mann ursprünglich vielleicht sogar ein verständliches Ziel: Er möchte Nähe und Sicherheit in seiner Beziehung erleben.</p><p>Sein Verhalten kann jedoch paradoxerweise genau das Gegenteil bewirken und die Distanz vergrößern, vor der er sich eigentlich fürchtet.</p><p>In der therapeutischen Arbeit kann ein wichtiger erster Schritt darin bestehen, einen solchen Kreislauf überhaupt zu erkennen.</p><p>Für den Mann kann beispielsweise die Einsicht wichtig sein, dass mehr Kontrolle nicht automatisch mehr Nähe schafft. Sie kann vielmehr den Rückzug seiner Frau verstärken.</p><p>Dann kann gemeinsam danach gesucht werden, wie Nähe auf eine andere Weise aufgebaut werden kann und wie gleichzeitig die unterschiedlichen Bedürfnisse beider Partner nach Nähe und Eigenständigkeit berücksichtigt werden können.</p><p> </p><p>Der Konflikt zwischen Nähe und Distanz ist dabei nur ein Beispiel.</p><p>Ähnliche Spannungsfelder können auch in anderen Bereichen entstehen – zum Beispiel zwischen Geben und Nehmen, Helfen und Überforderung, dem Wunsch nach Anerkennung und der Angst vor Abwertung oder zwischen Autonomie und Kontrolle.</p><h4 style="text-align: center;"><strong>3. Die Beziehung kann alte Verletzungen wieder aktivieren</strong></h4><p><strong>Fallbeispiel:</strong></p><p>Eine Frau wuchs mit einem sehr strengen und kontrollierenden Vater auf. In ihrer Kindheit verbot er ihr häufig Kontakte zu Freundinnen und anderen Gleichaltrigen. Sie fühlte sich dadurch eingeschränkt, ausgeschlossen und einsam.</p><p>Als Erwachsene war es ihr deshalb besonders wichtig, ihre sozialen Kontakte selbst bestimmen zu können.</p><p>Nach ihrer Heirat und der Geburt eines Kindes wurde die gemeinsame Zeit in der Familie knapper. Ihr Mann schlug irgendwann vor, manche Treffen mit Freundinnen zu reduzieren oder anders zu organisieren, damit sich der Alltag leichter planen ließ.</p><p>Die Frau reagierte darauf sehr heftig.</p><p>Sie hatte sofort das Gefühl:</p><p><strong>„Er will mich kontrollieren.“</strong></p><p>In ihrer Wahrnehmung entstand etwas Ähnliches wie früher in der Beziehung zu ihrem Vater. In unbewussten Gedanken erlebte sie die Situation etwa so: <strong>„Mein Mann will mich kontrollieren und mich von anderen isolieren.“</strong> Dies war jedoch nicht die Absicht ihres Mannes. Man könnte sagen, dass sich etwas, das sie früher in der Beziehung zu ihrem Vater nicht äußern konnte – unter anderem, weil sie als Kind von ihm abhängig war –, nun Jahre später in der Beziehung zu einem anderen Mann zeigte.</p><p>Sein Vorschlag hatte vielmehr ein altes, sehr belastendes Gefühl in ihr aktiviert.</p><p><strong>Das aktuelle Verhalten des Partners war der Auslöser. Die besondere Intensität ihrer Reaktion hing jedoch auch mit früheren Erfahrungen zusammen.</strong></p><p>Nachdem die Frau diese Verbindung zunehmend erkennen und die früheren Erfahrungen therapeutisch bearbeiten konnte, erlebte sie ähnliche Situationen nicht mehr automatisch auf dieselbe Weise.</p><p>Dieses Beispiel zeigt, warum es manchmal wichtig ist, zwischen <strong>Ursache und Auslöser</strong> zu unterscheiden.</p><p>Das bedeutet nicht, dass jede starke Reaktion in einer Partnerschaft aus der Kindheit stammt. Es bedeutet auch nicht, dass problematisches Verhalten des aktuellen Partners einfach hingenommen werden sollte.</p><p>Es kann jedoch hilfreich sein, sich zu fragen, warum eine aktuelle Situation so starke Gefühle auslöst.</p><p>Manchmal kann die aktuelle Partnerschaft zu einem Ort werden, an dem alte Verletzungen, Ängste oder Erfahrungen wieder spürbar werden – obwohl der heutige Partner nicht der Mensch ist, durch den sie ursprünglich entstanden sind.</p><p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4723 size-large" src="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/aggression-in-der-partnerschaft-ueberblick-1024x682.webp" alt="" width="800" height="533" srcset="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/aggression-in-der-partnerschaft-ueberblick-1024x682.webp 1024w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/aggression-in-der-partnerschaft-ueberblick-300x200.webp 300w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/aggression-in-der-partnerschaft-ueberblick-768x512.webp 768w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/aggression-in-der-partnerschaft-ueberblick.webp 1400w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /></p><p><strong>Fazit</strong></p><p>Aggression in einer Partnerschaft entsteht häufig nicht durch einen einzigen Faktor.</p><p>Manchmal wirkt eine Belastung aus einem ganz anderen Lebensbereich in die Beziehung hinein. Manchmal entwickelt sich zwischen beiden Partnern ein wiederkehrender Kreislauf, in dem bestimmte Reaktionen immer wieder neue Reaktionen hervorrufen. Und manchmal werden durch eine aktuelle Situation Erfahrungen und Gefühle aktiviert, deren Ursprung viel weiter zurückliegt.</p><p><strong>Welche Faktoren tatsächlich eine Rolle spielen, ist von Beziehung zu Beziehung und von Mensch zu Mensch unterschiedlich.</strong></p><p>Bei manchen Menschen ist ein bestimmter Mechanismus besonders stark ausgeprägt. Bei anderen wirken mehrere Faktoren gleichzeitig zusammen.</p><p>Je genauer solche Faktoren erkannt werden, desto klarer kann auch werden, <strong>wo eine Veränderung überhaupt ansetzen sollte</strong>.</p><p>Bei der therapeutischen Arbeit mit Aggression in Beziehungen geht es deshalb häufig nicht nur darum, den nächsten Wutausbruch zu verhindern. Ebenso wichtig kann es sein, die individuellen Mechanismen und wiederkehrenden Muster dahinter zu erkennen und an denjenigen Bereichen zu arbeiten, die einen besonders starken Einfluss auf die aggressiven Reaktionen haben.</p><p>Das Verstehen dieser Zusammenhänge entschuldigt aggressives Verhalten nicht. Es kann jedoch helfen, Verantwortung gezielter zu übernehmen und neue Möglichkeiten zu entwickeln, mit belastenden Situationen anders umzugehen.</p><p>Mag. Wojciech Michałek, Psychotherapeut, Familien- und Lebensberater</p><p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4689 size-large" src="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/ruhiger-see-im-morgenlicht-1024x576.webp" alt="" width="800" height="450" srcset="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/ruhiger-see-im-morgenlicht-1024x576.webp 1024w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/ruhiger-see-im-morgenlicht-300x169.webp 300w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/ruhiger-see-im-morgenlicht-768x432.webp 768w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/ruhiger-see-im-morgenlicht.webp 1400w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /></p><h4> </h4>								</div>
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		<title>Warum kehrt die Wut trotz guter Vorsätze zurück? Innere Ursachen von Aggression</title>
		<link>https://psychotherapie-michalek.de/aggression-ursachen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Wojciech Michalek]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 09 Aug 2026 08:34:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aggression & Wut]]></category>
		<category><![CDATA[Aggression Ursachen]]></category>
		<category><![CDATA[Hilfe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Warum reagiert man weiterhin aggressiv, obwohl man es nicht will? – Psychologische Erklärungen &#8211; Aggression Ursachen   Nicht selten reagieren Menschen weiterhin aggressiv, obwohl sie ihr Verhalten eigentlich verändern möchten. Sie nehmen sich vor, beim nächsten Mal ruhiger zu bleiben, entschuldigen sich nach einem Streit oder versuchen, ihre Wut stärker zu kontrollieren. Trotzdem kommt es [&#8230;]</p>
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					<h1 class="elementor-heading-title elementor-size-default">Warum reagiert man weiterhin aggressiv, obwohl man es nicht will? – Psychologische Erklärungen - Aggression Ursachen</h1>				</div>
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									<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4685 size-large" src="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/angespannte-paarbeziehung-im-wohnzimmer-1024x576.webp" alt="" width="800" height="450" srcset="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/angespannte-paarbeziehung-im-wohnzimmer-1024x576.webp 1024w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/angespannte-paarbeziehung-im-wohnzimmer-300x169.webp 300w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/angespannte-paarbeziehung-im-wohnzimmer-768x432.webp 768w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/angespannte-paarbeziehung-im-wohnzimmer.webp 1400w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /> </p><p>Nicht selten reagieren Menschen weiterhin aggressiv, obwohl sie ihr Verhalten eigentlich verändern möchten. Sie nehmen sich vor, beim nächsten Mal ruhiger zu bleiben, entschuldigen sich nach einem Streit oder versuchen, ihre Wut stärker zu kontrollieren. Trotzdem kommt es irgendwann wieder zu einem ähnlichen Ausbruch.</p><p>Ein Grund dafür kann sein, dass Aggression häufig nicht isoliert entsteht. Hinter dem sichtbaren Verhalten können psychische Mechanismen, Belastungen oder bestimmte Denk- und Verhaltensmuster stehen. Wenn man nur versucht, den Ausbruch selbst zu verhindern, ohne diese Zusammenhänge zu erkennen, kann eine dauerhafte Veränderung schwierig werden.</p><p><strong>Drei typische Mechanismen möchte ich hier näher beschreiben.</strong></p><p> </p><h5 style="text-align: center;"><strong style="text-align: center;">I. Man arbeitet an der Aggression, aber nicht an dem Mechanismus dahinter</strong></h5><p><strong>Fallbeispiel:</strong></p><p>Ein Mann kommt zur Therapie, weil er zu Hause immer häufiger gereizt und aggressiv reagiert. Er wird schnell laut, streitet heftig und merkt selbst, dass seine Reaktionen nicht angemessen sind.</p><p>Zu Beginn sieht er das Problem vor allem in seiner Aggression. Er möchte lernen, sich besser zu kontrollieren und nicht mehr so schnell auszurasten.</p><p>Bei einer genaueren Betrachtung zeigt sich jedoch, dass sein Alltag dauerhaft von Überforderung geprägt ist. Er arbeitet viel, übernimmt zahlreiche zusätzliche Aufgaben und hilft anderen, wann immer er darum gebeten wird. Es fällt ihm sehr schwer, Nein zu sagen oder die eigenen Grenzen zu schützen.</p><p>Einerseits möchte er niemanden enttäuschen und hat das Gefühl, für andere da sein zu müssen. Andererseits führt genau dieses Verhalten dazu, dass er immer erschöpfter und frustrierter wird. Er übernimmt mehr, als er eigentlich bewältigen kann, nimmt seine eigenen Bedürfnisse kaum wahr und bemerkt nicht, wie sich die innere Anspannung zunehmend aufbaut.</p><p><strong>Der spätere Wutausbruch ist dann nur der sichtbarste Teil eines Prozesses, der viel früher begonnen hat.</strong></p><p>In der Therapie arbeitet der Mann daran, seine eigenen Grenzen besser wahrzunehmen und zu schützen. Er lernt, sich zu erlauben, auch einmal Nein zu sagen, Bitten abzulehnen und Überforderung früher zu erkennen.</p><p>Durch die Veränderungen in diesen Bereichen und die Arbeit an weiteren Ursachen seiner aggressiven Reaktionen gelingt es ihm schließlich, nicht mehr aggressiv zu reagieren.</p><p><strong>Manchmal bedeutet die Arbeit an Aggression deshalb, an einem Problem zu arbeiten, das auf den ersten Blick gar nicht unmittelbar mit Aggression zu tun hat – wie in diesem Fall am Setzen von Grenzen, am Nein-Sagen und am Schutz vor Überforderung.</strong></p><p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4688 size-large" src="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/ruhiger-strand-bei-sonnenuntergang-1024x576.webp" alt="" width="800" height="450" srcset="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/ruhiger-strand-bei-sonnenuntergang-1024x576.webp 1024w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/ruhiger-strand-bei-sonnenuntergang-300x169.webp 300w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/ruhiger-strand-bei-sonnenuntergang-768x432.webp 768w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/ruhiger-strand-bei-sonnenuntergang.webp 1400w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /></p><h5> </h5><h5 style="text-align: center;"><strong>II. Man verurteilt sich selbst als ganze Person</strong></h5><p>Eine weitere Falle ist die <strong>Verurteilung der gesamten eigenen Person aufgrund eines konkreten problematischen Verhaltens</strong>.</p><p><strong>Fallbeispiel:</strong></p><p>Eine Frau kommt wegen aggressiver Reaktionen in die Therapie. In stark aufgewühlten Situationen hat sie in Anwesenheit ihres Mannes Gegenstände herumgeworfen. Solche Situationen wiederholen sich bereits seit Jahren.</p><p>Das Verhalten ist problematisch, und es ist wichtig, dessen Folgen ernst zu nehmen.</p><p>Bei ihr zeigt sich jedoch zusätzlich ein anderer Mechanismus: Nach solchen Situationen betrachtet sie nicht nur ihr Verhalten kritisch. <strong>Ihr gesamtes Bild von sich selbst verändert sich.</strong></p><p>Aus:</p><p><strong>„Ich habe etwas Falsches getan.“</strong></p><p>wird:</p><p><strong>„Ich bin schlecht.“</strong></p><p>In diesem Moment kann sie ihre anderen Eigenschaften kaum noch wahrnehmen. Dass sie in vielen Situationen hilfsbereit, verantwortungsvoll oder liebevoll ist, spielt in ihrem inneren Bild plötzlich fast keine Rolle mehr. <strong>Ein konkretes problematisches Verhalten beginnt ihre Wahrnehmung der gesamten eigenen Person zu bestimmen.</strong></p><p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4686 size-large" src="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/nachdenkliche-frau-mit-schuldgefuehlen-1024x576.webp" alt="" width="800" height="450" srcset="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/nachdenkliche-frau-mit-schuldgefuehlen-1024x576.webp 1024w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/nachdenkliche-frau-mit-schuldgefuehlen-300x169.webp 300w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/nachdenkliche-frau-mit-schuldgefuehlen-768x432.webp 768w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/nachdenkliche-frau-mit-schuldgefuehlen.webp 1400w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /></p><p>Eine solche Selbstverurteilung kann starke Scham, Schuldgefühle und Verzweiflung auslösen. <strong>Bei dieser Frau ist die Angst vor Verurteilung so stark, dass sie sich lange nicht traut, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sie fürchtet, auch dort als Person verurteilt zu werden.</strong></p><p>Erst als sie erlebt, dass es in der Therapie nicht darum geht, <strong>sie als Menschen zu verurteilen</strong>, sondern ihr dabei zu helfen, ihr Verhalten zu verstehen und zu verändern, kann sie sich auf die Unterstützung einlassen.</p><p>Das bedeutet keineswegs, das Verhalten zu bagatellisieren oder Verantwortung abzugeben. Gerade das Gegenteil ist gemeint:</p><p><strong>Man kann Verantwortung für eine aggressive Handlung übernehmen, ohne sich deshalb als gesamte Person zu verurteilen.</strong></p><h5 style="text-align: center;"><strong>III. Der Wunsch nach Veränderung entsteht vor allem unmittelbar nach dem Ausbruch oder aus einem Impuls heraus</strong></h5><p>Ein weiterer Mechanismus zeigt sich häufig direkt nach einer aggressiven Reaktion.</p><p>Nach einem heftigen Streit können Schuldgefühle, Scham und Angst sehr stark sein. Vielleicht sieht man, wie sehr die andere Person verletzt wurde. Vielleicht entsteht die Angst, den Partner zu verlieren oder die Familie zu gefährden.</p><p>In diesem Moment kann der Wunsch nach Veränderung vollkommen ehrlich und sehr stark sein:</p><p><strong>„So möchte ich nie wieder reagieren.“</strong></p><p>Das Problem ist nicht, dass dieser Wunsch unecht wäre. Er kann jedoch sehr stark an die Gefühle gebunden sein, die unmittelbar nach dem Ausbruch entstehen.</p><p>Gerade bei Menschen, die zu einer starken Selbstverurteilung neigen, kann nach einem aggressiven Verhalten sehr schnell der Gedanke aktiviert werden:</p><p><strong>„Ich bin ein schlechter Mensch.“</strong></p><p>Dieses Gefühl kann kaum auszuhalten sein.</p><p>Eine Entschuldigung, ein Versprechen oder die Entscheidung, sich sofort zu verändern, kann dann nicht nur Ausdruck ehrlicher Reue sein. Sie kann gleichzeitig dabei helfen, Schuldgefühle, Angst und Selbstverurteilung möglichst schnell zu beruhigen.</p><p>Wenn die Entschuldigung angenommen wird und sich die Situation wieder entspannt, nimmt auch der innere Druck ab.</p><p><strong>Und genau hier kann eine Falle entstehen.</strong></p><p>Mit der Erleichterung verschwindet manchmal auch ein Teil der Motivation, sich weiter intensiv mit dem Problem auseinanderzusetzen. Das Leben normalisiert sich, während die tieferliegenden Mechanismen zunächst unverändert bleiben.</p><p>Nach einiger Zeit kann sich erneut Anspannung aufbauen – und es kommt wieder zu einer ähnlichen Reaktion.</p><p>Deshalb ist es hilfreich, wenn aus dem ersten starken Impuls nach einem Ausbruch mit der Zeit eine stabilere Einsicht entsteht:</p><p><strong>„Ich möchte nicht nur deshalb etwas verändern, weil ich mich gerade schuldig fühle oder Angst vor den Konsequenzen habe. Ich erkenne, dass dieses Verhalten ein Problem ist, und möchte verstehen, was dahintersteht und was ich langfristig verändern kann.“</strong></p><p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4690 size-large" src="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/waldweg-im-morgenlicht-1024x576.webp" alt="" width="800" height="450" srcset="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/waldweg-im-morgenlicht-1024x576.webp 1024w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/waldweg-im-morgenlicht-300x169.webp 300w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/waldweg-im-morgenlicht-768x432.webp 768w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/waldweg-im-morgenlicht.webp 1400w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /></p><p>Manchmal kann es hilfreich sein, sich selbst zu fragen:</p><p><strong>Warum möchte ich mich verändern?</strong></p><p><strong>a)</strong> Weil ich nach meinem letzten Verhalten gerade starke Schuldgefühle habe, mich schlecht fühle und dieser Zustand für mich kaum auszuhalten ist?</p><p><strong>Oder zusätzlich:</strong></p><p><strong>b)</strong> Weil ich erkannt habe, dass ich immer wieder problematisch reagiere, dass sich ein bestimmtes Muster wiederholt und dass mich innerlich möglicherweise etwas belastet oder überfordert, was leicht in aggressive Reaktionen münden kann?</p><p>Angst, Schuldgefühle oder äußerer Druck können durchaus der Anfang einer Veränderung sein. <strong>Manchmal reichen sie allein jedoch nicht aus oder wirken nur kurzfristig.</strong></p><p>Langfristig kann es wichtig sein, zusätzlich zu erkennen:</p><p><strong>Hinter meinen aggressiven Reaktionen können weitere Probleme und Mechanismen stehen, an denen ich arbeiten kann, damit sich auch meine Reaktionen verändern.</strong></p><p><strong>Fazit</strong></p><p>Die hier beschriebenen Mechanismen sind nur einige Beispiele dafür, warum Menschen weiterhin aggressiv reagieren können, obwohl sie es eigentlich nicht wollen.</p><p><strong>Die Gründe sind individuell und häufig vielfältig.</strong></p><p>Manchmal fehlen konkrete Techniken und Methoden, um in schwierigen Situationen anders zu reagieren. Manchmal werden psychische Belastungen oder andere Probleme nicht erkannt, die zu erhöhter Reizbarkeit beitragen können. Auch eine bislang nicht erkannte Depression kann beispielsweise bei manchen Menschen mit stärkerer Reizbarkeit einhergehen. Darüber hinaus können zahlreiche weitere Faktoren eine Rolle spielen.</p><p><strong>Deshalb sollte immer die individuelle Situation betrachtet werden. Wenn aggressive Reaktionen wiederholt auftreten, sehr belastend sind oder andere Menschen gefährden, ist es wichtig, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.</strong></p><p>Mag. Wojciech Michałek, Psychotherapeut, Familien- und Lebensberater</p><p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-4672" src="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/terapia_mezczyzni-300x225.webp" alt="" width="300" height="225" srcset="https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/terapia_mezczyzni-300x225.webp 300w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/terapia_mezczyzni-768x576.webp 768w, https://psychotherapie-michalek.de/wp-content/uploads/2026/08/terapia_mezczyzni.webp 960w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p><h4> </h4>								</div>
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