Wojciech Michałek

 

 

 

Titel: Wie werde ich eine gute und nicht eine erschöpfte Führungskraft: Auf welche Eigenschaft soll man unbedingt achten und welche kann man bedingt entwickeln?

Im Artikel sind auch praktische Übungen, Fragen zur Selbstreflexion und Ratschläge enthalten.

Einführung: In einer führenden Position trägt man oft große Verantwortung, hat viele Aufgaben und möchte seine Rolle bestmöglich ausüben. Menschen, die solche Positionen innehaben, zeichnen sich häufig durch Fleiß, Ambition, Kreativität und Zuverlässigkeit aus. Eine Führungsrolle ist oft mit sozialer Anerkennung verbunden, wird bewundert und als etwas Besonderes wahrgenommen. Für viele stellt sie einen großen Fortschritt, besonders im persönlichen Werdegang, dar, und es ist ein wichtiger Grund um stolz auf sich sein zu können.. Sie möchten diejenigen, die ihnen(Chef, Vorgesetzten)  dies ermöglicht haben, nicht enttäuschen und streben nach kontinuierlichem Fortschritt.

Es gibt viele Vorstellungen davon, was eine gute Führungskraft ausmacht: Entscheidungskompetenz, Kommunikationsstärke, Empathie, Verantwortungsbewusstsein, Integrität, Anpassungsfähigkeit, Zielorientierung und vieles mehr. Man könnte noch viele weitere aufzählen.

Die Vielfalt der Position hat einen Einfluss auf diejenigen, die sie ausüben. Was für einen?
Es ist wichtig, sich selbst die Frage zu stellen: Wie wirkt die Position auf mich? Was macht sie mit mir? Macht mir die Position mehr Freude, oder bereitet sie mir eher Druck?

In der Psychologie unterscheidet man zwischen positivem und negativem Stress: Positiver Stress motiviert zu handeln, während negativer Stress belastet und zu psychischen Problemen führen kann. Die führende Position ist oft mit beiden Typen verbunden.

Übung: Wenn man hypothetisch annimmt, dass sich die Ausübung der Position auf zwei psychische Phänomene gliedert, die insgesamt 100 % ergeben:

  1. Positive Anspannung (alle positiven Aspekte wie Anerkennung, Entwicklungsmöglichkeiten, gutes Gehalt) und
  2. Druck (das Gefühl, Verpflichtungen, Erwartungen und Vorstellungen erfüllen zu müssen).

Wie würden Sie diese beiden Faktoren prozentual aufteilen?

Anfangs berichten Menschen oft, dass das Positive überwiegt. Nicht selten ändert sich dies jedoch im Laufe der Zeit, und das Negative überwiegt. Manchmal führt dies sogar zu totaler Erschöpfung und Burnout. Patienten, die deswegen Psychotherapie aufsuchen, berichten oft von ähnlichen Erfahrungen. Am Anfang war man sehr motiviert, hatte viel Kraft und spürte mehr positive Spannung. Viele glaubten, über ihre eigenen Grenzen hinausgehen zu können, zu müssen.
In der Therapie entdecken die Menschen oft, was sie in die Führungsposition verführt hat und wie es dazu kam. Dieses Wissen erlaubt ihnen, neue Strategien zu entwickeln, sodass oft nach der Therapie die Arbeit ist nicht mehr so anstrengend und kann wieder auch Spaß machen.
Es muss aber nicht so weit kommen, dass man die Therapie aufsucht und man kann schon viel im Vorfeld verhindern. Wie?

Man kann sich diese Frage präventiv immer wieder zu stellen: Wie ist das bei mir? Überwiegt das Positive oder das Negative? In welche Richtung geht es? Wenn es in Richtung zunehmenden Drucks geht, was werde ich tun, um nicht an meine Grenzen zu kommen?

 

Die Verführungen der Führung

Die Position an sich bringt bereits erheblichen Druck mit sich, der aus verschiedenen Quellen kommen kann. Doch es gibt auch Verführungen in der Führung, die dazu führen können, dass man an seine eigenen Grenzen stößt und die Arbeit allmählich unerträglich wird. Typische Gedanken- Verführung sind: „Ich darf meinen Chef nicht enttäuschen, ich muss ein Vorbild sein, ich kann keine Fehler machen, ich darf keine Schwäche zeigen. Oder: In diesem Unternehmen muss man einfach so viel arbeiten, mit dem Chef lässt sich nichts ändern; wenn ich das nicht tue, wer dann?“
Solche Überzeugungen widerspiegeln einerseits oft den enormen Druck, den man trägt, andererseits auch die falsche Überzeugung, dass man selbst nicht oder nur wenig ändern kann. Tatsächlich lässt sich oft vieles ändern, auch wenn man äußerlich nichts verändern will; man kann jedoch seine innere Einstellung dazu ändern. Manchmal benötigt man dazu aber professionelle Hilfe. Derartige Gedanken bieten einen guten Nährboden für die Pflanze namens Erschöpfung. Auf diesem Nährboden muss die Pflanze jedoch nicht gedeihen. Man kann oft sowohl den Boden ändern als auch die Taten, die zum Wachstum der Pflanze beitragen.

Bleiben Sie Mensch!- Die notwendige Eigenschaft einer guten Führungskraft
Auch wenn Sie die Führungsposition haben, viel Verantwortung und Arbeit, bleiben Sie und sind Sie immer noch ein Mensch. Menschlich zu sein bedeutet, Fehler machen zu dürfen, lernen zu können, sich erholen zu dürfen und ein Leben jenseits der Arbeit zu haben. Der Menschlichkeit Raum zu geben, macht einen Großteil einer guten Führung aus.

Fragen Sie sich: In welchem Führungsstil fühlen sich Mitarbeiter wohler?
a) Bei jemandem, der seine eigenen Grenzen nicht akzeptiert und das Gefühl hat, stets perfekt sein zu müssen und diese Überzeugung möglicherweise unbewusst auf Mitarbeitende überträgt?
b) Oder bei jemandem, der menschlich bleibt, eigene Fehler und Schwächen akzeptiert und zeigt, dass man an diesen arbeiten, daraus lernen und sich verbessern kann?
Mitarbeitende fühlen sich oft bei Führungskräften vom Typ B wohler.

Reflexionsfrage:
Bin ich weiterhin ein Mensch, der führt, oder werde ich zu einem Roboterführer, der seine Menschlichkeit vergisst?

Soll man sich dann auf seinen Lorbeeren ausruhen? Eigenschaften, die man entwickeln kann

Natürlich nicht. Vielmehr geht es darum, über die eigene Einstellung nachzudenken und das, was man tut, an die eigenen Möglichkeiten und Grenzen anzupassen. Wenn Sie feststellen, dass Ihre Rolle zu viel Druck verursacht, sollten Sie die Quellen des Drucks identifizieren und nach Möglichkeit Veränderungen vornehmen.

Wenn Sie sich hingegen wohl in Ihrer Rolle fühlen und sie Ihnen mehr Freude als Druck bereitet, ist es sicher empfehlenswert, sich weiterzuentwickeln.

Wenn man eine gute Führungskraft mit einem Handwerker vergleichen würde, könnte man sagen, dass vor allem der Zustand des Handwerkers am wichtigsten ist. Denn ohne einen guten Zustand wird es schwer, seine Werkzeuge zu nutzen. Viele psychologische Werkzeuge, wie gute Kommunikation, die Fähigkeit, andere zu motivieren, Empathie und Durchsetzungsvermögen, können die Arbeit oft deutlich erleichtern und bereichern. Zunächst ist es jedoch wichtig, besonders auf den Zustand des Handwerkers zu achten. Es stimmt auch, dass es manchmal eine Wechselwirkung gibt, bei der ein psychologisches Werkzeug den Zustand schützen kann. Zum Beispiel kann das Erlernen, richtig Grenzen zu setzen, vor Überforderung schützen.

Schlusswort:
Einmal hörte ich einen Satz, der besagte: „Das Normalste ist oft das Schwierigste.“ So mag es auch mit dem Ratschlag sein: „Bleiben Sie Mensch und lassen Sie sich nicht verführen.“ Die Geschichten von Menschen, die wegen Burnouts in Therapie kamen, zeigen oft, dass es schwierig sein kann, Schwäche zuzulassen, Grenzen zu setzen und Erwartungen klar zu kommunizieren. Das stimmt. Es ist jedoch auch wahr, dass manchmal einfach nicht genug darüber nachgedacht wird und dies leicht außer Acht gelassen wird. Ich wünsche jedem, der diese Position innehat, dass er keine Vergesslichkeit an Selbstfürsorge hat und sich in der Führung nicht verführen lässt.

Herzliche Grüße,
Wojciech Michalek, Psychotherapeut, Coach, Lebensberater

 

Lesen Sie weiter: Verwandte Themen: Coaching für Führungskraft :

https://psychotherapie-michalek.de/coaching-fur-fuhrungskraft/

Leiten Sie den Artikel weiter
Call Now Button