Wojciech Michałek

 

 

 

Falldarstellung: Therapie bei Aggression.

Wie ein Mann seine Aggressionen durch Therapie überwand

Dieses Beispiel zeigt, wie Aggressionen bewältigt werden können, ohne direkt an der Aggression zu arbeiten, sondern durch die Bearbeitung zugrundeliegender Ursachen.

Ein Mann suchte aufgrund wiederholter Aggressionsausbrüche (er schrie, war verbal aggressiv und warf zwei Mal Gegenstände umher) in seiner Ehe eine Therapie auf. Er beschrieb, dass er eine stabile Arbeitsstelle hatte, dort geschätzt wurde und seine Arbeit sorgfältig ausführte. Zu Hause bemühte er sich, höflich und hilfsbereit zu sein, dennoch kam es immer wieder zu Streitigkeiten mit seiner Frau. Diese entstanden oft durch „Kleinigkeiten“, die er nicht erledigte oder nicht wusste, wie er sie erledigen sollte.

I. Identifizierung der Faktoren, die zur Aggression beitrugen

 

Äußere Faktoren: Zu Beginn der Therapie wurden äußere Faktoren wie Überforderung am Arbeitsplatz und eine Vielzahl von Aufgaben identifiziert, die zur Anspannung des Mannes führten.

„Neben“-Faktoren: Diese Faktoren waren ihm zunächst nicht bewusst, wie der Druck, promoviert zu werden, und die Enttäuschung, dass er kürzlich diese Möglichkeit nicht erhalten hatte. Ein weiterer „Nebenfaktor“ waren die erfolglosen Versuche, ein Kind zu bekommen.

Psychische Faktoren und Schemata: Der Mann identifizierte sich stark mit einem traditionellen Männlichkeitsbild, das von ihm erwartete, stets tüchtig zu sein, keine Gefühle zu zeigen und die Familie zu versorgen. Wenn seine Frau ihn bat, Aufgaben im Haushalt zu übernehmen und er aufgrund von Müdigkeit diesen nicht nachkommen konnte, fühlte er sich unbewusst als „schwacher Mann„. Seine fehlende Beförderung belastete ihn ebenfalls stark. Zudem beschäftigte ihn die Angst, dass seine Frau ihn verlassen könnte, da sie zu Beginn ihrer Beziehung betont hatte, wie wichtig es ihr sei, einen Mann zu haben, mit dem sie Kinder bekommen könne. Dies führte bei ihm zu depressiven Symptomen wie ständiger Müdigkeit, Schlafproblemen und Reizbarkeit.

Alle diese Faktoren verursachten eine enorme innere Anspannung, die sich in den Aggressionsausbrüchen äußerte

II. Effekte der Therapie

Im Verlauf der Therapie änderte der Mann seine Vorstellungen darüber, was es bedeutet, ein Mann zu sein. Er erkannte, dass es auch für Männer in Ordnung ist, sich Erholung zu gönnen und Gefühle zuzulassen. Er sprach offen mit seiner Frau über ihre unerfüllten Kinderwünsche und seine Angst, dass sie ihn deswegen verlassen könnte. Diese Ängste bewahrheiteten sich nicht, und die Beziehung des Paares verbesserte sich.

Der Mann verstand auch, dass es ihn nicht schwach machte, wenn er bestimmte Aufgaben nicht erledigen konnte, und dass er nicht als schwach wahrgenommen wurde. Er lernte, Unterstützung bei Aufgaben anzunehmen, bei denen er sich unsicher fühlte.

Zudem reduzierte er den Druck am Arbeitsplatz und erkundigte sich bei seinem Chef nach einer möglichen Führungsposition, die er anstrebte. Dies gab ihm mehr Selbstvertrauen.

Das Paar akzeptierte schließlich, dass sie keine Kinder bekommen würden. Sie durchliefen gemeinsam in einer Paarberatung einen Trauerprozess, der ihre Beziehung weiter stärkte.

III. Dauer der Therapie

Die Therapie dauerte insgesamt 24 Sitzungen. In den ersten zwei Monaten unterstützte sich der Mann zusätzlich medikamentös(wegen depressiver Symptomatik).

Die Behandlung konzentrierte sich auf die zugrundeliegenden Faktoren, die seine starke innere Anspannung verursacht hatten, die sich wiederum in Ärger und Wutausbrüchen äußerte.

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