
Einführung
Es ist möglich Depression zu überwinden. Wichtig ist dabei diese zwei Schritten zu beachten. Im Artikel wurde eine Metapher verwendet um bestimmte Inhalte besser zu merken. Falls wer nicht besonders Metapher mag, in Blog gibt es ein anderer Artikel, der die ähnliche Inhalte aber mehr sachlich beschreibt (Titel: „Depression: was hilft? kann man es alleine schaffen“.
ARTIKEL
Zwei erste Schritte zur Überwindung der Depression: Wanderung nach „Besserungsort“
Depression kann man mit einer Situation vergleichen, als ob man in einem Moor gelandet wäre. Es ist kein natürlicher Zustand, man fühlt sich besser, wenn man festen Boden unter den Füßen hat. Sich im Moor zu bewegen, je nach Tiefe des Steckenbleibens darin, kann unterschiedlich schwer bis kaum möglich sein. Es ist oft erstaunlich, dass man nicht so leicht merkt, wo man gelandet ist. Welche Wege haben zu diesem Ort, zum Moor der Depression, geführt?
Die Beantwortung der zwei Fragen: Wie tief steckt man darin (Ausprägung der Symptomatik), und welche Wege haben dazu geführt(Ursachen der Depression), können eine gute Orientierung geben, um den Ausweg sowie die nötigen Hilfsmittel dazu zu finden.
ERSTER SCHRITT
Wie tief man im Moor steckt: Einschätzung der Ausprägung

Wie schwer ist das Leben unter Depression?
Eine leichte Depression könnte man zu einer Situation vergleichen, in der man nicht tief im Moor steckt, bis auf das Niveau zwischen Füßen und Knien. Zudem ist der Untergrund ziemlich fest, sodass man noch gehen kann. Man hat auch Kraft, aber dennoch ist das Fortgehen erschwert und nicht wie normal. Hier stellt sich die Frage: In welche Richtung geht man? Sieht man festen Boden oder wird es immer tiefer und schwerer?
Der nächste Grad ist eine mittelgradige Depression. Nun steckt man tiefer bis zu den Hüften. Die Bewegung ist sehr schwer. Man fühlt sich stets müde. Es gibt nur wenige steinige Böden und Felsen, wo man kurz eine Pause machen kann, aber trotzdem nicht richtig erholen kann. Bei einer mittelgradigen Depression ist die Erledigung der alltäglichen Aufgaben sehr schwer. „Leichte“ Aufgaben sind eine echte Anstrengung, man hat keine Kraft, die Müdigkeit und Erschöpfung lassen nicht nach. Hier können Psychotherapie und/oder Medikamente viel helfen. Diese könnten Gelenke kräftigen und zusätzliche Kraft verleihen. In der Psychotherapie kann gut eingeschätzt werden, welche Wege nun am sichersten sind, sowie wo feste Felsen sind und welcher Weg zum Ausgang führt. Sowohl Psychotherapie als auch Medikamente können zusätzlich viel Energie verleihen, um sich schneller dem festen Boden anzunähern und aus dem Moor herauszugehen.
Schließlich die schwergradige Depression: Es ist, als ob man bis zum Hals im Moor stecken würde. Hier ist es kaum möglich, sich zu bewegen. Am Boden sind nur kleine feste Steine, an denen noch man stehen kann. Man muss vorsichtig sein, wie man geht, manchmal geht man gar nicht. Die Anstrengung ist so groß, dass manchmal das Versinken illusorisch als Befreiung erscheint. Illusorisch, da es doch Rettungsdienste gibt! Sie kommen mit Leinen und können einen aus dieser schrecklichen Tiefe des Moors herausholen und zu einem sicheren Ort transportieren. (Die Leinen sind: stationäre Aufenthalte, Medikamente). Manchmal scheint das Handy/Telefon, obwohl es ganz nah ist, schwer erreichbar zu sein, mittels dessen man die Rettung anrufen könnte. Es ist nicht leicht, sich zu bewegen, wenn man so tief im Schlamm der Depression steckt. Die Hände herauszuholen, um die Rettung zu holen, kann wahnsinnig viel Kraft kosten, es ist aber möglich und notwendig! Zudem, diese verdammte Perspektive: Man sieht nur den Schlamm des Moors, der unsichtbar macht, was hinter dem Schlamm doch zu finden ist: Erholung, Wärme, Hoffnung. Wenn man aber etwas mit der Leine herauskommt und dann weitere Hilfe bekommt, kann man die besseren Horizonten wiedersehen. Endlich kann man an den sicheren Ort landen, wo man nicht mehr im Moor ist. Man ist raus. Man geht nun in eine andere Richtung, Richtung Leben. Man muss das Moor gar nicht mehr anschauen.
Ist der erste Schritt schon gemacht? Wie tief steckt man darin?
ZWEITER SCHRITT
Wenn ja, ist es Zeit für den zweiten Schritt.
Die „Hin“-Wege, die zur Depression geführt haben, können die besten „Aus“-wege zeigen. Der Hinweg zeigt den Ausweg. Obwohl es nicht leicht ist, diese klar zu trennen, da sie oft miteinander verwoben sind, ist es doch möglich, die drei Hauptwege zu benennen. Es ist wichtig, den Startpunkt festzulegen. Eine Reise mit einem Navi, das keinen richtigen Startpunkt zeigt, kann lange dauern und möglicherweise nicht ans Ziel führen!
Erster Weg: Belastende Lebensereignisse

Der Tod eines Angehörigen, Verlust der Arbeit, Unfall, Trennung, Beginn einer ernsthaften Erkrankung sind unterschiedliche Pfade auf diesem Weg. Solche Ereignisse sind echte Erschütterungen. Es sind meist Verlusterfahrungen. Man hat jemanden oder etwas verloren, der/das von großer Bedeutung war. Das Leben ändert sich nach solchen Ereignissen und plötzlich ist so vieles anders. Manchmal ist es sehr schwer, sich damit abzufinden, weil das, was man verloren hat, nicht mehr da ist, psychisch aber weiterhin doch da und vielleicht sogar noch präsenter als früher.
Die verschiedenen Gefühle und Erinnerungen, die uns dabei begleiten, sind wie Fäden, die uns mit dem Verlorenen verbinden. Manche von ihnen sind mit Trauer, andere mit schönen Erinnerungen, noch andere mit Schuldgefühlen und Ärger gefärbt.
Aus den Fäden „sollte“ man ein Tuch weben, in dem die Fäden des Trauerns, des Ärgers, der Freude, des Verlusts und der Erinnerungen zu einem besonders wichtigen Bild werden, das nun im Herzen getragen werden kann. Das Weben (sich mit dem Verlust abzufinden, Trauerprozess) kann unterschiedlich lang dauern. Es benötigt vor allem Zeit, jede Faser sorgfältig anzufassen. Oft kann die Hilfe anderer hier von großer Wichtigkeit sein.
Manchmal wird der Prozess des Webens jedoch gestoppt. Die Fäden werden statt zu einem Bild zu Fesseln. Die Fesseln begrenzen das alltägliche Funktionieren und manchmal kommt man nicht mehr mit den gewöhnlichen Alltag zurecht . Gleichzeitig halten die Fesseln nach der Erschütterung zusammen, um nicht zu zerfallen. Hier kann die Psychotherapie einen Raum schaffen, in dem man wieder zum Weben kommt, gleichzeitig aber gehalten wird, um nicht zu zerfallen.
Zweiter Weg: Innere Schemata

Auf diesem Weg sieht man oft verschiedene Anweisungen: „Ärgerunterdrückung“, „Das Zeigen der eigenen Gefühle und Bedürfnisse ist verboten“, „Schwächen und Fehler sind nicht erlaubt“. Es gibt auch Warnungen: Wenn du es nicht befolgst, wirst du alleine bleiben, andere werden dich nicht mögen, andere werden dich verlassen. Diese Wege führen eben zum Moor der Depression, da man sich letztendlich nicht authentisch fühlen kann, man entfernt sich von sich selbst und tut sich schwer tiefe und gute Beziehung aufzubauen.
Daneben gibt es aber auch andere Wege, die noch nicht bekannt sind und deswegen gefährlich vorkommen können: „Du kannst authentisch sein“, „Es ist normal, Schwächen zu haben“, „Aus Fehlern kann man lernen“. Die Psychotherapie hilft, auf den Wegen zu gehen, die Steine, die sie blockieren, wegzuschieben . Die Wanderung führt sowohl zu einem positiven Selbstbild als auch zu zufriedenstellenden und authentischen Beziehungen mit anderen.
Dritter Weg: Biologische und genetische Ursachen

Es gibt auch biologische und genetische Faktoren, die eine Rolle bei der Depression spielen können. Genetische Veranlagungen, Neurotransmitter-Imbalancen im Gehirn (insbesondere von Serotonin, Dopamin und Noradrenalin) sind zentral für die Entstehung depressiver Symptome. Hormonelle Schwankungen, wie sie bei Schilddrüsenproblemen oder während der Menopause auftreten, können ebenfalls Depressionen auslösen. Aber auch bestimmte Verdauungsstörungen können dies verursachen. Hier sollte man es vor allem medizinisch abklären und geeignete Hilfe in Anspruch nehmen (Medikamente, Veränderung der Diät, hormonelle Schwankungen behandeln usw.).
Wenn man die zwei Schritte gemacht hat, kann man eine gute Orientierung bekommen, um geeignete Hilfe zu finden.
Ich wünsche jeder Person, die sich leider im Moor befindet, dass das Herauskommen schnell möglich sein wird, und dass diese Informationen ein Stück Hilfe dabei leisten können.
P.S. Wenn Sie glauben, dass der Artikel jemandem helfen könnte, leiten Sie ihn bitte weiter. Vielen Dank!
Herzliche Grüße,
Autor, Wojciech Michalek, Psychotherapeut: Moorbegleiter
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