Wojciech Michałek



 

 

 

 

Was hilft bei Depression?

Braucht man Psychotherapie? Medikamente? Oder kann man es alleine schaffen?

 

Depression: ihre Vielfältigkeit

 

Heutzutage scheint es, dass man allzu leicht viele unterschiedliche Dinge in einen Sack namens „Depression“ wirft. Obwohl gewisse Merkmale (Symptome) oft ähnlich sind, gibt es viele Arten von Depressionen, die jeweils angepasste Vorgehensweisen benötigen, um die richtige Überwindung zu finden. Wenn zum Beispiel eine Person depressiv ist und irrtümlich denkt, dass dies auf eine bestimmte Ursache zurückzuführen ist, während die tatsächlichen Ursachen anders liegen, kann es lange dauern, bis man geeignete Hilfe findet.

 

Erster Schritt: Nachdenken über Ursachen und Ausprägung der Depression

 

Daher ist es wichtig, vor der Auswahl der Behandlungsmethode zunächst darüber nachzudenken, welche Ursachen hinter der Depression stecken und was die genaue Ausprägung ist. Dies kann eine Orientierung geben, um eine geeignete Lösung zu finden. 

 

  1. Einschätzung der Ausprägung: einfache Übung

 

Um die Ausprägung der Depression einzuschätzen, kann man eine einfache Übung machen: Anhand einer Skala der Befindlichkeit von 1 bis 10 (1 = tiefe Depression, keine Kraft zu leben, 10 = super Stimmung, Lebensfreude) sich einige Fragen stellen: Wie stark bin ich depressiv? In welche Richtung geht es? Wie war es vor der Depression? Wie schnell ändert sich mein Zustand?

Beispiel 1:

Ein normaler Trauerprozess oder Depression ?

Beispiel: Eine Frau hat sich von ihrem Mann getrennt. Sie fühlte sich normalerweise auf Stufe 7. Am Anfang nach der Trennung schätzte sie ihre Befindlichkeit auf 3. Nach drei Wochen bemerkte sie, dass die Belastung etwas kleiner ist. Zwei Monate später schätzte sie ihre Befindlichkeit auf 5. Nun hofft sie, in einigen Monaten wieder auf Stufe 7 zu sein. Hier könnte man vermuten, dass es sich um einen Trauerprozess handelt, bei dem oft keine professionelle Hilfe notwendig ist. In solchen und ähnlichen Fällen braucht man Zeit, bis man wieder zu sich selbst findet. Die Hilfe anderer Menschen, bei denen man sich verstanden fühlt, kann dabei eine große Stütze sein.

Beispiel 2 Depressiver Mann

: Ein Mann, der normalerweise auch auf Stufe 8 funktioniert, merkt, dass sich seine Stimmung und Motivation seit Monaten verschlechtern. Innerhalb von sechs Monaten ist er von Stufe 8 auf 5 gerutscht und merkt keine Verbesserung. Er hat viele Dinge ausprobiert, die ihm nicht geholfen haben. Hier wäre es wichtig, eine fachliche Konsultation abzuhalten um eine  Einschätzung bezüglich Ursachen und Prognose zu erhalten. 

 

  1. Ursachen von Depression

Ein anderer wichtiger Faktor sind die Ursachen von Depressionen. Diese sind meist vielfältig, und eine klare Trennung ist oft nicht einfach. Nichtsdestotrotz könnte man die Ursachen zur Veranschaulichung und groben Orientierung in drei Kategorien einteilen:

  1. a) belastende Lebensereignisse: externe Faktoren
  2. b) innere Denkmuster: innere Faktoren
  3. c) biologische Faktoren

 

 

Belastende Lebensereignisse

 

Im Leben begegnen uns viele Situationen, die zu tiefem Kummer führen können: Verluste, Trennungen, Trauer und Unfälle. Es ist natürlich, in solchen Momenten große Traurigkeit zu empfinden. Bei diesen Prozessen kann oft Zeit oder die Hilfe anderer Menschen der beste Helfer sein. Solche großen Verluste können uns tief berühren (was normal ist, da man das, was einem wichtig war, sehr vermisst und danach trauert). Gefühle wie Traurigkeit, Ärger und Niedergeschlagenheit kommen dabei öfter vor. Im Laufe der Zeit (manchmal kann es lange dauern) kommt es zu einer allmählichen inneren Integration. Das, was äußerlich vergangen ist, bekommt seinen inneren Platz. Hier können, wie gesagt, Freunde und Zeit die besten Helfer sein.

Wann soll man eine professionelle Hilfe aufsuchen?

Wenn nach solchen Ereignissen die Trauer das alltägliche Funktionieren über längere Zeit stark beeinträchtigt oder sich in körperlichen Symptomen wie Schlaflosigkeit oder erheblicher Appetitlosigkeit manifestiert, ist es wichtig, professionelle Hilfe zu suchen.

B)Psychische Ursachen: Innere Denkmuster

Manchmal sind es bestimmte Denkmuster, die dazu führen, dass man in ein tiefes Loch fällt. Es ist schwer, aus diesen Gedankenmustern auszubrechen. Ein Beispiel: Eine Person wird depressiv, da sie Schwierigkeiten hat, eigene Bedürfnisse auszudrücken, Ärger zu äußern und eigene Emotionen zu zeigen. Gleichzeitig ist es nicht einfach, dies zu ändern, da dahinter viele Ängste stehen (z.B. Angst vor dem Verlassenwerden oder vor der Verschlechterung einer Beziehung). Man fühlt sich wie in einer Falle: Einerseits sehnt man sich nach einer engen emotionalen Beziehung, andererseits entsteht durch die innere Barriere das Gefühl der Einsamkeit, da die eigenen Empfindungen aus verschiedenen Ängsten nicht geteilt werden können. In weiterer Folge kann dies zur Verleugnung der eigenen Bedürfnisse und Emotionen führen, wodurch eine Depression entstehen kann. In solchen Momenten kann eine Therapie ein sicherer Ort sein, um diese Muster zu erkennen und zu verändern sind.

 

Vielfaltigkeit der psychischen Ursachen

Es kann auch sein, dass andere psychische Störungen vorliegen, die wie Depressionen aussehen, aber andere psychische Probleme dahinterstehen. Zum Beispiel erleben Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung oft depressive Phasen. Aus psychotherapeutischer Sicht wäre es falsch, diese Symptome wie eine „normale“ Depression zu behandeln. Daher ist eine richtige Diagnose von großer Wichtigkeit.

 

  1. Biologische Faktoren

Manchmal gibt es auch biologische und genetische Faktoren, die eine Rolle spielen. Genetische Veranlagungen, Neurotransmitter-Imbalancen im Gehirn (insbesondere von Serotonin, Dopamin und Noradrenalin) sind zentral für die Entstehung depressiver Symptome. Hormonelle Schwankungen, wie sie bei Schilddrüsenproblemen oder während der Menopause auftreten, können ebenfalls Depressionen auslösen. Aber auch bestimmte Verdauungsstörungen können dies verursachen. Hier kann die klassische Medizin helfen.

Ist es möglich, ohne Medikamente die Depression zu überwinden?

Manchmal ja, manchmal nein. Die Antwort darauf hängt von vielen Faktoren wie den Ursachen, der Ausprägung und der Prognose ab. Manchmal, wenn die Ursachen typisch psychisch sind, aber gleichzeitig die Ausprägung sehr stark ist( das Leben ein ständiger Kampf sein, alles ist sehr schwer, man fühlt sich stets müde) –  können Medikamente enorm helfen und einen Großteil dieser Belastung wegnehmen. Daher muss es in jeder Situation individuell eingeschätzt werden, welche Lösung am besten helfen können.

 

Zusammenfassend: Was ist zu tun?

Es ist empfehlenswert, bevor man mit der Überwindung beginnt, über Ursachen, Ausprägung und Prognose nachzudenken und je nach dem die geeignete Hilfe zu wählen.

 

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