Wojciech Michałek

Panikattacken: Symptome, Behandlung, Arten

Inhaltsverzeichnis

  1. Was sind Panikattacken? Woran erkennt man sie?
  2. Ist eine Panikattacke eine Erkrankung? Wann spricht man von einer Panikstörung?
  3. Angst vor einem erneuten Anfall: Ist es manchmal sinnvoll, mit einer weiteren Attacke zu rechnen?
  4. Behandlung von Panikattacken

Einführung
Viele Menschen, die Panikattacken erleben, erkennen anfangs nicht, was gerade passiert. Die Symptome wirken so körperlich und so bedrohlich, dass man schnell denkt: „Mit meinem Herzen stimmt etwas nicht“, „Ich bekomme keine Luft“, „Ich kippe gleich um“ oder „Ich verliere die Kontrolle“.

Dabei ist wichtig zu verstehen: Die Körperempfindungen sind real – sie sind nicht eingebildet. Herzrasen, Schwitzen, Zittern, Schwindel oder ein Engegefühl in der Brust sind echte körperliche Reaktionen. Der Name Panikattacke kann jedoch den Eindruck vermitteln, es sei „nur psychisch“. Tatsächlich passiert etwas sehr Konkretes: Das Gehirn schaltet auf Alarm, als wäre eine akute Gefahr da.

Man kann eine Panikattacke deshalb als eine Art Fehlalarm beschreiben: Bestimmte Alarmbereiche im Gehirn werden aktiviert, sodass man eine Bedrohung realistisch und unmittelbar spürt. Der Körper reagiert dann mit Stresssignalen – obwohl objektiv keine tatsächliche Gefahr vorhanden ist. Genau diese Diskrepanz (starker Alarm ohne echte äußere Bedrohung) macht Panikattacken so verwirrend und beängstigend.

1) Was sind Panikattacken? Woran erkennt man sie?
Panikattacken haben typischerweise drei zentrale Bestandteile.

  1. Plötzlicher Anstieg intensiver Angst oder starken Unbehagens
    Eine Panikattacke ist ein plötzlicher „Schub“ sehr starker Angst oder sehr starken Unbehagens, der innerhalb weniger Minuten seinen Höhepunkt erreicht.
    • Man fühlt sich bedroht, hat ganz starke Angst.
    • Das Ganze dauert oft nur einige Minuten – wird aber subjektiv als extrem lang und gefährlich erlebt.
  2. Die Angst wird von weiteren starken körperlichen oder psychischen Symptomen begleitet
    Zu dieser Angst kommen häufig weitere intensive Empfindungen – körperlich und/oder psychisch. Typische Symptome sind:
  1. Herzklopfen / beschleunigter Puls
  2. Schwitzen
  3. Zittern oder Beben
  4. Kurzatmigkeit / Gefühl von Luftnot
  5. Gefühl des Würgens oder Erstickens
  6. Schmerzen oder Unbehagen in der Brust
  7. Übelkeit oder Unwohlsein im Bauchraum
  8. Schwindel, Unsicherheit, Benommenheit („als ob man gleich ohnmächtig wird“)
  9. Schüttelfrost oder Hitzewallungen / Wärmegefühl
  10. Parästhesien (Taubheit, Kribbeln)
  11. Derealisation (Gefühl von Unwirklichkeit) oder Depersonalisation (Gefühl, von sich selbst getrennt zu sein)
  12. Angst, die Kontrolle zu verlieren / „verrückt zu werden“
  13. Angst zu sterben

III. Medizinische Ursachen sind ausgeschlossen
Von Panikattacken spricht man dann, wenn medizinische Ursachen ausgeschlossen wurden – also wenn eine ärztliche Untersuchung keine biologische Erklärung für diese Beschwerden findet.

Das bedeutet: Weil die Symptome so körperlich wirken, ist es sinnvoll, zuerst medizinisch abzuklären, ob hinter den Empfindungen nicht doch eine körperliche Ursache steht. Wenn keine Ursache gefunden wird, kann das helfen, die Symptome als Panik zu verstehen und anders damit umzugehen.

2) Ist eine Panikattacke eine Erkrankung? Wann spricht man von einer Panikstörung?

Viele Betroffene fragen sich nach der ersten (oder zweiten) Attacke: „Bin ich psychisch krank?“ Diese Angst ist sehr häufig – und verständlich, weil sich die Erfahrung so extrem anfühlt.

In den meisten Fällen gilt jedoch: Eine Panikattacke bedeutet nicht, dass man eine psychische Erkrankung hat. Menschen, die unter Panikattacken leiden, funktionieren in vielen verschiedenen Lebensbereichen gut (manchmal könnte man sogar sagen, dass sie „zu gut“ oder sehr pflichtbewusst sind). Gleichzeitig gibt es bei ihnen aber oft bestimmte Situationen, Menschen oder Zeiten (z. B. am Abend oder am frühen Morgen), die Panik aktivieren können.

Wann wird es zur Panikstörung?
Wenn sich Panikattacken wiederholen, kann das als Panikstörung eingeordnet werden. Typisch ist dann:
• wiederkehrende (oft unerwartete) Panikattacken und
• über mindestens 1 Monat anhaltend:
o Sorge vor weiteren Attacken („Was, wenn es wieder passiert?“) und/oder
o eine Verhaltensänderung, vor allem Vermeidung (z. B. bestimmte Orte, Wege, Situationen oder Aktivitäten).

Der entscheidende Punkt ist also nicht nur die Attacke selbst, sondern auch das, was danach passiert: Wenn die Angst vor der Angst den Alltag zunehmend bestimmt, kann daraus eine Panikstörung werden.

Arten von Panikattacken (die sich auch „mischen“ können)
Es gibt unterschiedliche „Formen“, in denen Panikattacken auftreten können – oft auch gemischt:

  1. a) Panikattacken, die „wie aus dem Nichts“ kommen
    Hier versteht man häufig nicht, warum es passiert und wieso gerade jetzt. Das kann besonders verunsichern, weil man keinen klaren Auslöser findet.
  2. b) Panik als Ergebnis ansteigender innerer Anspannung und Angst
    Man ist quasi dauerhaft unter Stress und Angst (manchmal so lange, dass man es kaum noch merkt). Dann wirkt die Panikattacke wie ein Signal: „Jetzt ist es zu viel geworden“. In diesem Fall kann Panik oft als Teil einer Angststörung verstanden werden.

3) Angst vor einem erneuten Anfall: Ist es manchmal sinnvoll, mit einer weiteren Attacke zu rechnen?


Nach einer Panikattacke wünschen sich viele: „Nie wieder.“ Und genau daraus entsteht oft die nächste Belastung: die Angst vor der Angst. Man beobachtet den Körper stärker, vermeidet Situationen oder sucht nach einer schnellen Methode, um die nächste Attacke zu verhindern.

Manchen Menschen helfen dabei bestimmte Techniken, zum Beispiel:
• Atemübungen
• Fokussierungs- oder Aufmerksamkeitstraining
• Exposition (gezielte Konfrontation), um die Anzahl der Anfälle zu reduzieren

Bei anderen wirken diese Methoden weniger. Das liegt daran, dass Panikattacken oft mehrere psychische Gründe haben und durch bestimmte Mechanismen entstehen. Deshalb ist es nicht immer möglich, die Attacken allein durch Techniken vollständig zu kontrollieren oder zu verhindern.

Es ist gut, Techniken auszuprobieren – aber ohne sich Druck zu machen. Manchmal bedeutet der Weg auch, (so schwer es ist) zu akzeptieren: Solange die Ursachen nicht aufgearbeitet oder die inneren Mechanismen nicht verändert wurden, können Attacken weiter auftreten. Das anzunehmen ist schwer – und gleichzeitig verständlich, weil man diese Erfahrung nie wieder machen möchte.

Wichtig ist aber: Das heißt nicht, dass es hoffnungslos ist. Oft bedeutet es eher, dass professionelle Unterstützung sinnvoll sein kann. Grundsätzlich sind Panikattacken gut behandelbar.

4) Behandlung von Panikattacken


Es gibt zwei grundlegende Behandlungsformen, die sich auch gut ergänzen können. Welche Form für wen passend ist, sollte immer fachlich geklärt werden.

1) Medikamentöse Behandlung
Durch Medikamente kann oft das allgemeine Angstniveau gesenkt werden. Das kann dazu führen, dass Panikattacken seltener auftreten oder sogar ausbleiben.

2) Psychotherapeutische Behandlung
Hier geht es um das Verstehen und Aufarbeiten der Ursachen und Mechanismen, durch die Panikattacken entstehen.

Die psychotherapeutische Erfahrung zeigt, dass Panik auch als eine Art „Ruf der Seele nach Hilfe und Entlastung“ verstanden werden kann (mehr darüber im Artikel:Panik ein Ruf aus der Seele).

 

Autor: Mag. Wojciech Michalek, Psychotherapeut, Familien- und Lebensberater

 

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