Was ist die Supervision? Ablauf, Bedeutung, Kosten- Erklärung anhand eines Fallbeispiels
Was ist die Supervision? Ablauf, Bedeutung und Fallbeispiel
Eine Erklärung anhand eines Fallbeispiels
Kurzer Überblick:
Was ist Supervision?
Ablauf einer Supervision
Supervision Fallbeispiel
Reflexion in der Supervision
Fazit zur Supervision
Kosten und Möglichkeit einer kostenlosen Probesupervision
Was ist Supervision?
Um sich eine Vorstellung von Supervision zu machen, kann man sie mit Situationen vergleichen, in denen man plötzlich etwas neu erkennt, anders versteht oder aus einer erweiterten Perspektive betrachtet. Oft geht es dabei darum, eigene feste Vorstellungen zu einem bestimmten Thema zu hinterfragen, zu verändern oder zu erweitern. Dadurch können neue Denk- und Handlungsmöglichkeiten entstehen.
Ein einfaches Bild dafür ist die Nutzung eines Smartphones: Man benutzt es vielleicht schon seit langer Zeit und entdeckt plötzlich eine Funktion oder eine App, die sehr hilfreich ist und vieles erleichtert. Etwas Ähnliches kann auch in der Supervision geschehen.
Übertragen auf die Bereiche, in denen Supervision häufig angewendet wird – vor allem in psychologischen, beratenden, coachenden, sozialen und psychotherapeutischen Berufen – bedeutet das: Durch die Begleitung einer Supervisorin oder eines Supervisors können Fachpersonen neue und hilfreiche Sichtweisen auf ihre eigene Arbeit entwickeln. Sie entdecken gewissermaßen neue „Funktionen“ ihrer beruflichen Wahrnehmung und erweitern ihre Handlungsmöglichkeiten.
Davon profitieren nicht nur die supervisierten Personen selbst, sondern auch ihre Klientinnen und Klienten beziehungsweise Patientinnen und Patienten. Damit dies nicht zu abstrakt bleibt, wird Supervision im Folgenden anhand eines Fallbeispiels dargestellt.
Auch wenn dieses Beispiel etwas länger erscheinen mag, ist es bewusst praxisnah gehalten. Es soll ermöglichen, einen realen Eindruck davon zu gewinnen, wie Supervision ablaufen kann – nicht nur als theoretisches Konzept.

Ablauf einer Supervision: Ein Fallbeispiel aus der Praxis
Ein Psychologe/Berater kommt zur Supervision. Er berichtet von einer Sitzung mit einer Klientin, die auf ihn sehr niedergeschlagen, traurig und antriebslos wirkte.
Die Klientin erzählte, dass ihre Mutter vor etwa zwei Monaten gestorben sei. Sie sagte auch, dass sie zu nichts Lust habe und sich insgesamt depressiv fühle.
Der Psychologe/Berater wollte empathisch reagieren und sprach ihr sein Beileid aus. Gleichzeitig hatte er den Eindruck, dass die Klientin diesem Beileid zwar zustimmte, innerlich aber nicht wirklich damit verbunden war. Es wirkte nicht so, als würde sie tatsächlich vor allem Trauer über den Tod ihrer Mutter empfinden.
Der Psychologe/Berater erinnerte sich an theoretische Modelle zum Trauerprozess. Er vermutete, dass die Klientin sich vielleicht noch in einer Schockphase befinde und den Tod der Mutter noch nicht richtig realisieren könne.
Er teilte ihr diese Überlegung mit. Die Klientin stimmte zwar zu, wirkte dabei aber nicht wirklich überzeugt.
In die Supervision brachte der Psychologe/Berater deshalb folgende Fragen mit: Befindet sich die Klientin in einer Schockphase? Wie kann der Übergang von dieser Phase in eine andere Phase begleitet werden?
In der Supervision wurde der Psychologe/Berater dazu angeregt, genauer hinzuschauen. Zunächst ging es um die Frage, seit wann die depressive Stimmung bestand. War sie erst nach dem Tod der Mutter entstanden? Oder gab es diese Niedergeschlagenheit schon länger?
Außerdem wurde deutlich, dass der Psychologe/Berater selbst einen Zusammenhang hergestellt hatte: Er hatte die depressive Stimmung der Klientin mit dem Tod der Mutter verbunden. Die Klientin selbst hatte diesen Zusammenhang aber nicht eindeutig formuliert. Sie hatte den Tod der Mutter erwähnt, aber nicht gesagt, dass sie erst seit diesem Zeitpunkt und deshalb traurig sei.
Ein wichtiger Punkt in der Supervision war die Frage, welche Gefühle nach dem Tod eines Angehörigen auftreten können. Der Psychologe/Berater hatte den Tod der Mutter zunächst vor allem mit Traurigkeit verbunden. In der Reflexion wurde jedoch deutlich: Menschen reagieren auf den Tod eines Angehörigen sehr unterschiedlich.
Neben Trauer können auch andere Gefühle auftreten, zum Beispiel Erleichterung, Schuldgefühle, Wut, innere Leere, Ambivalenz oder auch das Gefühl, gar nichts zu spüren. Das kann besonders dann vorkommen, wenn die Beziehung zu der verstorbenen Person schwierig, belastend oder verletzend war.
Deshalb wurde der Psychologe/Berater angeregt, in der nächsten Sitzung mehr über die Beziehung zwischen der Klientin und ihrer Mutter zu erfahren. Wichtige Fragen waren zum Beispiel: Wie hat die Klientin ihre Mutter erlebt? Welche Erinnerungen verbindet sie mit ihr? Gab es Verletzungen, Angst, Wut oder Schuldgefühle?
In der Supervision wurde auch darüber gesprochen, warum der Psychologe/Berater so schnell auf das Modell des Trauerprozesses zurückgegriffen hatte. Er erkannte, dass er in der Sitzung nicht genau wusste, was er sagen sollte. Gleichzeitig hatte er das Gefühl, etwas sagen zu müssen.
Dieses Gefühl ist in Beratungssituationen nicht ungewöhnlich. Gerade wenn eine Klientin von einem schweren Thema berichtet, kann bei Fachpersonen der innere Druck entstehen, sofort etwas Hilfreiches, Tröstendes oder Erklärendes sagen zu müssen.
In der Supervision wurde sichtbar: Manchmal ist es hilfreicher, nicht sofort eine Erklärung anzubieten. Stattdessen kann es sinnvoll sein, vorsichtig zu spiegeln, was in der Situation wahrnehmbar ist.
Eine mögliche Intervention hätte zum Beispiel so klingen können:
„Während Sie das sagen und ich Sie anschaue, habe ich den Eindruck, als ob Sie noch etwas Belastendes in sich tragen, das aber nicht ausgesprochen werden kann. Es wirkt, als sei es so schwer, dass es kaum anzusprechen ist.“
Der Supervisor erklärte, dass eine solche Intervention der Klientin helfen kann, den Kontakt zu ihren eigenen Erlebnissen herzustellen. Gleichzeitig spiegelt sie der Klientin wider, dass der Psychologe ihre Belastung wahrnimmt.
In der nächsten Supervision berichtete der Psychologe/Berater, dass er in weiteren Gesprächen mehr über die Geschichte der Klientin erfahren hatte. Dabei zeigte sich: Die depressive Stimmung war nicht erst durch den Tod der Mutter entstanden. Sie bestand bereits seit längerer Zeit.
Die Klientin hatte sich in der Beziehung zu ihrer Mutter oft als schlecht, falsch oder nicht ausreichend erlebt. Außerdem berichtete sie von schwierigen Beziehungserfahrungen in ihrem späteren Leben. Sie fühlte sich in Partnerschaften häufig betrogen, nicht gesehen und nicht wirklich angenommen.
Der Tod der Mutter hatte die depressive Stimmung also nicht ausgelöst, sondern eher verstärkt.
Ein wichtiger Punkt war das Schuldgefühl der Klientin. Sie dachte, sie müsse traurig sein. Weil sie diese Traurigkeit aber nicht klar spürte, verurteilte sie sich selbst. Sie erlebte sich als „schlechte Tochter“.
Erst als sie mehr über die Beziehung zu ihrer Mutter sprach, wurde ein anderes Bild sichtbar. Die Klientin berichtete von psychischer und körperlicher Gewalt in ihrer Kindheit. Viele dieser Erfahrungen hatte sie lange verdrängt oder verharmlost.
Dadurch wurde verständlicher, warum sie keine einfache Trauer empfinden konnte. Vielleicht hätte reine Traurigkeit für sie bedeutet, die erlebten Verletzungen erneut zu verleugnen. Wenn sie nur um die Mutter getrauert hätte, wäre ein wichtiger Teil ihrer Geschichte unsichtbar geblieben: die Angst, die Wut, die Kränkung und die Schäden, die sie durch die Mutter erlebt hatte.
In der Beratung konnte der Klientin diese Sichtweise gespiegelt werden. Für die Klientin war das entlastend. Sie musste sich nicht mehr zwingen, ein bestimmtes Gefühl zu empfinden. Gleichzeitig bekam auch ihre verletzte Seite Raum und Anerkennung.
Was zeigt dieses Beispiel über Supervision?
Dieses Beispiel macht deutlich, was Supervision leisten kann. Supervision schafft Raum für Reflexion. Sie ermöglicht es, die eigene Arbeit mit Abstand zu betrachten und Situationen nicht nur aus der unmittelbaren Perspektive der Sitzung heraus zu verstehen.
Supervision schützt auch vor fachlichen Verkürzungen. Der Psychologe/Berater hatte die depressive Stimmung der Klientin zunächst mit dem Tod der Mutter verbunden. Diese Erklärung war naheliegend, aber nicht vollständig. Ohne Supervision hätte das Risiko bestanden, die Klientin zu stark in ein klassisches Trauermodell einzuordnen. Dadurch wären andere wichtige Themen möglicherweise übersehen worden: Gewalt, Verletzung, Wut, Schuldgefühle und Ambivalenz.
Supervision hilft außerdem, blinde Flecken zu erkennen. Der Psychologe/Berater verfügte über gutes psychologisches Wissen. In diesem konkreten Fall brachte dieses Wissen jedoch auch die Gefahr mit sich, die Klientin zu schnell in eine Theorie einzuordnen und dadurch andere wichtige Aspekte außer Acht zu lassen, zum Beispiel verdrängte Aggression, Verletzungen oder ambivalente Gefühle.
Gleichzeitig erweitert Supervision die Handlungsmöglichkeiten. Der Psychologe/Berater wusste in der Sitzung nicht genau, was er sagen sollte. Deshalb griff er auf ein bekanntes Modell zurück. In der Supervision konnte er eine andere Möglichkeit entwickeln: weniger erklären, mehr wahrnehmen und vorsichtig spiegeln. In diesem Fall erwies sich das als sehr hilfreich.
Supervision ist daher nicht nur Unterstützung für die Fachperson. Sie dient auch dem Schutz der Klientinnen und Klienten beziehungsweise Patientinnen und Patienten. Durch Supervision können Beraterinnen, Psychologen und andere Fachpersonen ihre Arbeit bewusster gestalten. Sie können eigene Unsicherheiten reflektieren, mögliche Fehler erkennen und angemessener reagieren.
Das Ziel ist eine verantwortungsvolle, reflektierte und hilfreiche Arbeit.
Fazit: Supervision
Supervision ist eine professionelle Möglichkeit, die eigene Arbeit zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Sie hilft dabei, schwierige Situationen besser zu verstehen, eigene Annahmen zu überprüfen, vorschnelle Deutungen zu vermeiden und neue Interventionen zu entwickeln.
Das Fallbeispiel zeigt, dass eine naheliegende Erklärung nicht immer die ganze Geschichte erfasst. Die depressive Stimmung der Klientin stand zwar zeitlich im Zusammenhang mit dem Tod der Mutter, hatte aber eine tiefere Vorgeschichte. Erst durch die Reflexion in der Supervision wurde deutlich, dass neben möglicher Trauer auch Schuldgefühle, Wut, Verletzungen, Ambivalenz und frühere Gewalterfahrungen eine wichtige Rolle spielten.
Supervision unterstützt Fachpersonen dabei, solche Zusammenhänge sorgfältiger wahrzunehmen. Sie hilft, nicht vorschnell zu deuten, sondern genauer zuzuhören, die eigene Unsicherheit zu reflektieren und angemessener auf Klientinnen und Klienten beziehungsweise Patientinnen und Patienten zu reagieren.
Damit dient Supervision sowohl der fachlichen Entwicklung der beratenden oder therapeutischen Person als auch dem Schutz und der besseren Unterstützung der Menschen, die Beratung oder Therapie in Anspruch nehmen.
Autor: Mag. Wojciech Michalek, Psychotherapeut, Lebensberater
5. Kosten -Zusätzliche Information:
Für Personen aus beratenden, coachenden, psychologischen sowie psychotherapeutischen Berufen besteht die Möglichkeit, Supervision in Anspruch zu nehmen. Sie kann hilfreich sein, wenn ein konkreter Fall reflektiert werden soll, wenn Unsicherheit im Kontakt mit Klientinnen und Klienten entsteht oder wenn die eigene professionelle Rolle genauer betrachtet werden möchte.
Eine erste, unverbindliche Probesupervision ist kostenfrei. Jede weitere Supervision kostet 85 Euro für 45 Minuten.
Bei Interesse an der Supervision können Sie mich gerne telefonisch + 43 688 641 573 23 oder per E-Mail kontaktieren psychotherapiemichalek@gmail.com
Wojciech Michalek
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