Wojciech Michałek

 

 

 

 

Wie kann man Angehörigen helfen, die Wut- und Ärgerausbrüche haben und/ oder aggressiv sind? 6 Ratschläge

Man will oft den Angehörigen, die unkontrolliert aggressiv oder wütend werden, helfen, um das Problem zu bewältigen. Die folgenden 6 Ratschläge sollen auf wichtige Unterstützungsmöglichkeiten hinweisen. Im unten stehenden Link ist auch eine Technik zur Selbsthilfe beschrieben.

  1. Nicht verurteilen, sondern Lösungen aufzeigen
    (Eine Technik zur Selbsthilfe ist im untenstehenden Link beschrieben.)
    Menschen, die aggressiv reagieren und auf ihre Aggressivität hingewiesen werden, fühlen sich häufig als gesamte Person abgewertet. Dadurch wird ihre Bereitschaft zur Veränderung blockiert. Es ist daher entscheidend, behutsam vorzugehen und deutlich zu machen, dass das Ziel in einem veränderten Verhalten liegt – nicht in einer Verurteilung der ganzen Person. (z. B. statt zu sagen: „Du bist völlig instabil“, könnte man sagen: „Dein Schreien und deine Wut kosten uns viel Kraft.“)
  2. Bewusst machen, dass das Problem existiert
    Manchmal werden die unkontrollierten Wut- und Ärgerausbrüche von den Betroffenen (also denjenigen, die damit ein Problem haben) nicht wahrgenommen oder ausgeblendet. Die Abneigung, dies einzusehen, ist oft dadurch verstärkt, dass es so kommuniziert wird, dass die Personen sich verurteilt fühlen. Sie sollen denken: „Ich habe ein Problem“ und nicht „Ich bin ein Problem.“ Wenn Angehörige vermitteln, dass die Person an ihrem Verhalten arbeiten kann, anstatt sie als „grundsätzlich aggressiv“ darzustellen, fördert das in der Regel die Bereitschaft, sich Hilfe zu suchen oder selbst aktiv zu werden.
  3. Ursachen definieren
    Wut und Ärger haben vielfältige Ursachen. Es ist falsch, alles auf eine einzige Ursache zu reduzieren. Gleichzeitig kann manchmal eine bestimmte Ursache prägend sein und am stärksten zur Aggressivität beitragen. Oft lassen sich äußere Ursachen bzw. Auslöser definieren, zum Beispiel Überforderung in der Arbeit, Überarbeitung, ein tragisches Ereignis oder Stress. Wenn man diese definiert, kann man auch versuchen, bestimmte Veränderungen vorzunehmen, zum Beispiel weniger zu arbeiten oder über die tragische Situation zu sprechen usw.
  4. Den Punkt festlegen, ab dem professionelle Hilfe nötig ist
    Aufgrund der vielfältigen Ursachen kann es sein, dass die Situation ohne professionelle Unterstützung nicht zu bewältigen ist oder dass es sehr lange dauern würde, bis eine Veränderung spürbar wird. In solchen Fällen ist es empfehlenswert, professionelle Hilfe (zum Beispiel einen Antiaggressionskurs oder eine Therapie) in Anspruch zu nehmen.
  5. Zur Inanspruchnahme von Hilfe motivieren
    Beim Motivieren der betroffenen Person ist Folgendes wichtig:
    a) Deutlich machen, dass die Hilfe dafür gedacht ist, ihre Lebensqualität zu verbessern und dass es für die Person selbst, für Sie und für die Familie bzw. Angehörigen leichter sein kann.
    b) Betonen, dass das Problem in vielen Fällen bewältigt werden kann und dass es wirksame professionelle Ansätze gibt.
    c) Zunächst nur zu einem einzigen Kennenlerngespräch motivieren und betonen, dass man die Entscheidung über die Therapie oder den Antiaggressionskurs erst trifft, wenn die betroffene Person eine passende Ansprechperson dafür gefunden hat bzw. wenn sie den Eindruck hat, dort gut aufgehoben zu sein.
  6. Eigene Möglichkeiten einschätzen und Grenzen definieren
    Trotz zahlreicher Bemühungen kann es vorkommen, dass die aggressive Person sich nicht ändern möchte oder es ihr (noch) nicht gelingt. Angehörige sollten sich daher ihrer eigenen Grenzen bewusst sein. Bis zu welchem Grad kann und will man unterstützen? Ab welchem Punkt muss die betroffene Person selbst die Verantwortung für ihr Verhalten übernehmen?

Darüber hinaus ist es wichtig zu reflektieren, mit welcher Einstellung man helfen möchte:

  1. „Ich will sein/ihr Problem lösen“: Dies birgt die Gefahr, dass man unbewusst die Verantwortung für die Problemlösung auf sich nimmt – obwohl tatsächlich die betroffene Person diese Verantwortung übernehmen muss.
  2. „Ich begleite und unterstütze innerhalb bestimmter Grenzen, bin aber nicht für die Lösung verantwortlich“: Hierbei signalisiert man Hilfe und Verständnis, lässt aber auch klar, dass die Person letztendlich selbst handeln muss.

Zusammenfassung

  • Wut und Ärger entstehen selten aus einem einzigen Grund.
  • Verurteilung erschwert die Veränderung, wohingegen Verständnis und Lösungsorientierung sie erleichtern.
  • Klarheit darüber, dass es sich um veränderbares Verhalten handelt, hilft Betroffenen, sich nicht als „schlechte Person“ zu fühlen.
  • Professionelle Hilfe kann ab einem bestimmten Punkt nötig werden und sollte frühzeitig in Betracht gezogen werden.
  • Grenzen sind ebenso wichtig, um Angehörige zu entlasten und den Betroffenen zu verdeutlichen, dass sie letztlich selbst an ihrer Situation arbeiten müssen.

Dieser Leitfaden dient als erste Orientierung. Je nach Schwere und Komplexität der Situation kann die Unterstützung durch erfahrene Fachleute entscheidend sein, um nachhaltige Veränderungen zu erreichen.

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