
Psychotherapie bei Depression: Wie wirkt sie? Praktische Beispiele
Wenn man die Psychotherapie sachlich betrachten möchte, könnte man sagen, dass ihre Wirkung bei der Behandlung von Depressionen darin besteht, die inneren, oft unbewussten Muster und Schemata zu bearbeiten, die der Depression zugrunde liegen.
Es ist auch wichtig zu erwähnen, dass der erste Schritt in der Therapie oft darin besteht, wieder Kräfte zu gewinnen und das Leid zu lindern, bevor an den Mustern und Schemata gearbeitet wird.
Man könnte diese Muster mit einem inneren Navigationssystem vergleichen, das zwar ein Ziel vorgibt, das positiv erscheint, jedoch tatsächlich in eine andere, oft belastende Richtung führt.
Was sind das für Muster? Drei häufige Muster
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Unterdrückung eigener Gefühle und Bedürfnisse
Viele Menschen unterdrücken ihre eigenen Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche, weil sie glauben, dass sie bei anderen nicht authentisch sein dürfen, aus Angst, verlassen oder abgelehnt zu werden. Unbewusst denken sie, dass sie sich an andere anpassen müssen, um in einer Beziehung zu bleiben. Auf lange Sicht führt dies zu Frustration und Einsamkeit, da die eigenen Bedürfnisse und Wünsche unerfüllt bleiben. Diese müssen jedoch geteilt und verwirklicht oder zumindest gehört werden.
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Perfektionismus
Ein Beispiel könnte ständige, strenge Schuldgefühle sein, wenn man das Gefühl hat, etwas nicht perfekt gemacht zu haben. Diese Gefühle erzeugen einen inneren Druck, alles immer perfekt machen zu müssen.
Beispiel eines Angestellten mit entwickelter Depression:
Ein Mann wurde so erzogen, dass er sehr gewissenhaft seine Pflichten erfüllen musste und immer Anerkennung erhielt, wenn er dies tat. Wenn er es nicht tat, spürte er die Missbilligung seiner Eltern.
Im Erwachsenenleben spürt er weiterhin diesen Druck, diesmal in seiner Arbeit. Obwohl sein Chef nicht von ihm erwartet, perfekt zu sein, hat er stets Angst, ihn zu enttäuschen oder seine Arbeit wegen kleiner, normaler Fehler zu verlieren. Nach der Arbeit zu Hause fühlt er sich ebenfalls verpflichtet, alles sehr gut ausführen zu müssen. Dieser Druck führt dazu, dass er nicht auf seine eigenen Grenzen und Bedürfnisse achtet und langsam depressiver wird.
In der Therapie konnte er lernen, auf sich aufzupassen, seine Ängste zu bewältigen und seine Verpflichtungen ausreichend gut (statt perfekt) zu erfüllen sowie eine angemessene Einstellung dazu zu entwickeln.
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Der Glaube, immer für andere da sein und helfen zu müssen
Eine Person, die Schwierigkeiten hat, „Nein” zu sagen und glaubt, immer helfen zu müssen, sucht oft erst dann Therapie auf, wenn sie nicht mehr kann. Sie befindet sich in einem Konflikt, in dem sie einerseits merkt, dass es sie viel Kraft kostet, und sich andererseits schlecht fühlt, wenn sie es nicht tut. Die Therapie führt oft dazu, dass diese Person lernt, ihre eigenen Wünsche, Bedürfnisse und Möglichkeiten zu erkennen und danach zu handeln.
All diese Muster werden oft von starken Schuldgefühlen oder verschiedenen Ängsten begleitet, wenn man ihnen nicht folgt. Die Therapie dient dazu, diese Muster so zu verändern, dass man gute Beziehungen haben, Aufgaben gut erfüllen und gut auf sich selbst aufpassen kann.
Autor, Wojciech Michalek, Psychotherapeut:
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